https://www.faz.net/-gpf-9p0a2

Ukraine-Konflikt : Fernsehsender in Kiew mit Granatwerfer beschossen

  • Aktualisiert am

Spuren des Angriffs: Das Gebäude des ukrainischen Fernsehsenders 112 wurde in der Nacht zum Samstag von einem Granatwerfer beschossen Bild: dpa

Das Telefonat des russischen und des ukrainischen Präsidenten in dieser Woche machte manchen angesichts der angespannten Beziehungen der beiden Länder Hoffnungen. Die jüngsten Ereignisse in Kiew könnten sie zerstreuen.

          1 Min.

          Vor der Ausstrahlung eines in der Ukraine als russische Propaganda wahrgenommenen Films ist das Gebäude des Fernsehsenders 112 in Kiew mit einem Granatwerfer beschossen worden. Die Polizei stufte die Tat in der Nacht zum Samstag als Terrorakt ein. Die Fassade des Hauses sei dabei beschädigt worden, teilten die Ermittler mit. Wer dahinter steckt, war zunächst unklar. Nach Angaben des Senders wurde niemand verletzt. „Aber es war laut.“

          Der TV-Kanal hatte am Tag vor dem Vorfall einen Appell an die Polizei veröffentlicht, Journalisten vor der „Willkür von nationalen Radikalen“ zu schützen. Diese versuchten, „durch Drohungen die redaktionelle Politik des Senders zu beeinflussen“, hieß es.

          Der Sender will einen Film des amerikanischen Regisseurs Oliver Stone über die Ereignisse in der früheren Sowjetrepublik nach den proeuropäischen Protesten auf dem Maidan - dem Unabhängigkeitsplatz - in Kiew vor fünf Jahren zeigen. Dafür wurde auch der russische Präsident Wladimir Putin interviewt. In der Ukraine wird der Film von vielen als russlandfreundlich eingestuft.

          Eine Hauptfigur des Films ist der prorussische Politiker Viktor Medwedtschuk. Medwedtschuk, dem auch der Besitz des Nachrichtensenders zugeschrieben wird, war Chef der Präsidialverwaltung unter dem ehemaligen Präsidenten Leonid Kutschma. Seine Partei Oppositionsplattform kann bei den in einer Woche angesetzten Parlamentswahlen damit rechnen, zweitstärkste Kraft zu werden. Die Partei wird offen vom Kreml unterstützt.

          Zuletzt gab es in den seit Jahren angespannten Beziehungen zwischen Russland und der Ukraine vorsichtigen Grund für Optimismus. Die Präsidenten beider Länder telefonierten am Donnerstag. Russland hatte 2014 die ukrainische Halbinsel Krim annektiert. Im Osten der Ukraine dauern die Kämpfe der aus Russland unterstützten Separatisten und ukrainischen Regierungstruppen an.

          Weitere Themen

          Ein später Lerneffekt

          Regierungsfindung in Thüringen : Ein später Lerneffekt

          Die CDU präsentiert sich durch die nun angekündigte Zusammenarbeit mit Rot-Rot-Grün als Retter von Erfurt. Dabei hat sie die Regierungskrise mitverursacht. Eine Analyse.

          Topmeldungen

          Im italienischen Codogno in der Lombardei sind die Straßen wie ausgestorben: Die Regierung verhängte faktisch eine Ausgangssperre.

          Zwei Tote durch Coronavirus : Codogno ist das italienische Wuhan

          Das italienische Codogno ist derzeit eine Geisterstadt: Im örtlichen Krankenhaus liegt Italiens „Patient eins“. Die Regierung rief alle Menschen auf, zu Hause zu bleiben. Italienische Medien melden einen zweiten Todesfall.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.