https://www.faz.net/-gpf-7rzp3

Ukrainische Separatistenführer : Männer mit viel Erfahrung

In russischen Medien wird darauf verwiesen, dass die Schaffung quasistaatlicher Strukturen in Transnistrien nach dem Waffenstillstand 1992 maßgeblich Antjufejews Werk gewesen sei; zudem habe er dazu beigetragen, dass die 2003 recht weit gediehenen Verhandlungen über eine Lösung des Transnistrien-Konflikts letztlich gescheitert seien. Manche Beobachter sehen darin einen Hinweis darauf, dass der Kreml in der Ostukraine eine ähnliche Konstellation wie in Transnistrien anstreben könnte.

Interne Konflikte eskalierten

Antjufejews Ernennung geht einher mit einer teilweisen Entmachtung eines der wenigen einheimischen Anführer der Separatisten, des einstigen ukrainischen Geheimdienstoffiziers Aleksandr Chodakowskij, der bis dahin „Sicherheitsminister“ der „Volksrepublik Donezk“ war. Während der Proteste in Kiew war Chodakowskij nach eigenen Aussagen an den gewaltsamen Auseinandersetzungen mit den Demonstranten beteiligt. Seine Einheit sollte, wie er in mehreren Interviews sagte, am 19. Februar das Gewerkschaftshaus am Majdan stürmen, in dem die Demokratiebewegung ihr Hauptquartier hatte – damit begannen die blutigsten Tage der ukrainischen Revolution.

Zwischen Chodakowskij und Strelkow soll es immer wieder Konflikte gegeben haben, die vor zwei Wochen so weit eskalierten, dass sich laut Berichten separatistischer Medien Chodakowskij mit seinen Kämpfern am Stadtrand von Donezk verbarrikadierte. Hintergrund sind Gerüchte, Chodakowskij solle die Interessen des ukrainischen Oligarchen Rinat Achmetow bei den Separatisten vertreten, der bis zum Sturz Präsident Janukowitschs im Februar der eigentliche Herrscher über Donezk war. Aussagen darüber, ob das Donezker Gebiet Teil der Ukraine bleiben, selbständig werden oder sich Russland anschließen solle, meidet Chodakowskij sorgfältig.

Zum vollständigen Bruch mit Strelkow ist es aber offenbar noch nicht gekommen – doch brachte Chodakowskij die Separatisten am Mittwoch durch ein Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters in Schwierigkeiten. Laut Reuters sagte er, die Separatisten hätten Raketen des Typs „Buk“ besessen – also jenes Waffensystem, mit dem am Donnerstag vergangener Woche vermutlich das malaysische Flugzeug über der Ostukraine abgeschossen wurde. Gegenüber russischen Medien bestritt Chodakowskij diese Äußerungen am Donnerstag.

Der „Dämon“ wurde für seinen Krim-Einsatz geehrt

Im Konflikt mit Strelkow soll auch ein weiterer Kommandeur der Separatisten stehen, der als besonders grausam geltende Igor Besler, dessen Kampfname „Bes“ („Dämon“) lautet. Wenn die vom ukrainischen Geheimdienst vergangene Woche veröffentlichten Gespräche über Flug MH 17 authentisch sind, haben vermutlich seine Leute das Passagierflugzeug abgeschossen. Bekannt wurde Besler durch ein auf Youtube veröffentlichtes Video, auf dem die Hinrichtung Gefangener simuliert wurde. Gegenüber russischen Journalisten sagte er später, das habe der Demoralisierung des Feindes gedient. Der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Ria Nowosti sagte „Bes“ vergangene Woche: „Bei uns gilt das Gesetz: Nazis nehmen wir nicht als Gefangene.“

Auch Besler, der auf der Krim geboren wurde, war schon an deren Anschluss an Russland beteiligt, wofür er nach eigenen Aussagen vom russischen Präsidenten Putin einen Orden erhalten hat. Er soll daran beteiligt gewesen sein, den heutigen ukrainischen Präsidenten Poroschenko, der als Unterhändler nach Simferopol gekommen war, aus der Stadt zu vertreiben: „Hätte ich gewusst, dass es der künftige Präsident ist, hätte ich ihn umgebracht“, sagte Besler Ria Nowosti. Er ist russischer Staatsbürger und hat in Spezialeinheiten der russischen Streitkräfte gedient, bevor er sich 2003 in der Ostukraine niederließ.

Weitere Themen

Keine Zweifel mehr

MH17-Abschuss : Keine Zweifel mehr

Der Absturz des malaysischen Passagierflugzeugs im Juli 2014 über der Ostukraine wird ein gerichtliches Nachspiel haben. Vier Separatisten sollen sich wegen Mordes verantworten. Die Chancen darauf stehen aber schlecht.

Lambrecht warnt vor Rechtsextremismus Video-Seite öffnen

Künftige Justizministerin : Lambrecht warnt vor Rechtsextremismus

Der „unfassbare Mord“ an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke zeige, dass die Verteidigung des Rechtsstaates aktueller denn je sei, sagte die SPD-Politikerin Christine Lambrecht, die von der Parteiführung als kommende Justizministerin vorgestellt wurde.

Der Kampf gegen die Braunkohle Video-Seite öffnen

Aktivisten von „Ende Gelände“ : Der Kampf gegen die Braunkohle

Im rheinischen Braunkohlerevier stehen die Zeichen dieser Tage auf Protest. Aktivisten der Initiative „Ende Gelände“ haben zu verschiedenen Protestaktionen aufgerufen. Nun hat sich auch die Schülerbewegung „Fridays for Future“ mit „Ende Gelände“ solidarisiert.

Topmeldungen

Zu viel? Hundert Gramm Ei enthalten rund 373 Milligramm Cholesterin. Hundert Gramm Schinken rund 55 Milligramm.

FAZ Plus Artikel: Cholesterin : Böses Ei, gutes Ei

Lieber Müsli statt Croissant und Ei? Einer der hartnäckigsten Ernährungsmythen ist der vom schädlichen Cholesterin im Essen. Doch wie schlimm ist der fetthaltige Naturstoff wirklich?
Die Runde bei Maischberger

TV-Kritik: „Maischberger“ : Merkel for Future?

Ist Friedrich Merz der lachende Dritte in der Frage um die Kanzlerkandidatur? In der Runde um Sandra Maischberger konnte er seine Ansichten zum Umgang mit der AfD jedenfalls schon einmal kundtun. Daneben wurden unter anderem der Klimawandel und der Mord an Regierungspräsident Walter Lübcke diskutiert.

Bundesliga-Transfermarkt : So plant der FC Bayern ohne Hummels

Mit Mats Hummels’ Abgang bauen die Münchner ihren Kader weiter um. Und das soll noch längst nicht alles gewesen sein. Denn es gibt beim FC Bayern weitere spannende Personalien in diesem Transfer-Sommer.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.