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Ukrainische Pilotin in Haft : Sawtschenko setzt Hungerstreik fort

Die Ukrainerin Nadjeschda Sawtschenko an diesem Dienstag vor Gericht in Moskau Bild: dpa

Die ukrainische Pilotin Nadjeschda Sawtschenko, der vorgeworfen wird, an der Tötung zweier russischer Fernsehmitarbeiter beteiligt gewesen zu sein, bleibt in Untersuchungshaft. Eine Bürgerinitiative in Moskau fordert in einer Petition an Putin ihre Freilassung.

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          In Russland fordert eine Bürgerinitiative, die ukrainische Pilotin Nadjeschda Sawtschenko aus der Untersuchungshaft zu entlassen. Seit dem 15. Dezember ist Sawtschenko im Hungerstreik. So protestiert sie „gegen ihre Entführung auf ukrainischem Staatsgebiet und ihre Inhaftierung in Russland“, heißt es in dem Appell an Präsident Wladimir Putin. „Ihre Gesundheit und ihr Leben sind in Gefahr. Noch einige Tage – und sie stirbt.“

          Friedrich Schmidt
          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Sawtschenko wird vorgeworfen, an der Tötung zweier Mitarbeiter des russischen Staatsfernsehens Mitte Juni vorigen Jahres nahe Luhansk beteiligt zu sein. Nach Darstellung der Verteidigung, die sich unter anderem auf Verbindungsdaten des Mobiltelefons Sawtschenkos beruft, war sie zum Zeitpunkt des tödlichen Beschusses indes schon von Separatisten festgesetzt worden. „Diese Beweise wurden von der Ermittlungsbehörde nicht bestritten“, heißt es in dem Schreiben. Zudem wird auf den „absurden“ Vorwurf an Sawtschenko hingewiesen, die russische Grenze illegal überquert zu haben, denn sie sei mit Gewalt nach Russland verbracht worden. Seit Anfang Juli 2014 sitzt Sawtschenko in russischer Untersuchungshaft. Ein Gericht in Moskau verlängerte die Maßnahme am Dienstag um weitere drei Monate.

          „Große Tradition der Barmherzigkeit“

          Die Unterzeichner des Schreibens auf der Website der Zeitung „Nowaja Gaseta“ – am Dienstagnachmittag waren es schon mehr als 6000 – fordern, Sawtschenko wenigstens unter Hausarrest zu stellen. Die Freilassung „wäre ein gutes Argument dafür, dass Russland ein zivilisierter Staat bleibt“, heißt es in dem Schreiben an Putin unter Hinweis auf „die große Tradition der Barmherzigkeit“ in Russland.

          Protest für die Freilassung Sawtschenkos in Moskau
          Protest für die Freilassung Sawtschenkos in Moskau : Bild: dpa

          Zu dem Gerichtstermin am Dienstag war auch eine Delegation der Fraktion von Julija Timoschenkos Batkywtschina-Partei angereist, für die Sawtschenko im Oktober ins ukrainische Parlament gewählt wurde, das sie überdies als Vertreterin in der Parlamentarischen Versammlung des Europarats bestimmt hat. Die Delegation wurde nicht in den Saal vorgelassen, anders als die Mutter Sawtschenkos. Eine Beobachterin berichtete, sie habe sich ihrer Tochter, die in dem für Angeklagte in Russland üblichen Käfig der Verhandlung folgte, nähern wollen, sei aber aus dem Saal gebracht worden.

          Sawtschenko, deren Gesundheitszustand nach Auskunft ihres Anwalts nur durch tägliche Infusionen gebessert wird, bezeichnete die Vorwürfe gegen sie vor Gericht als „Zirkus“, der beendet werden müsse. Ihren Hungerstreik werde sie fortsetzen, solange sie nicht in die Ukraine zurückgebracht werde – „oder bis zu meinem Tod in Russland“.

          Das Schreiben zugunsten von Sawtschenko ist der zweite offene Brief an Putin innerhalb kurzer Zeit in Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine. Vergangene Woche war Swetlana Dawydowa, eine Mutter mehrerer Kinder aus der westrussischen Stadt Wjasma, aus der Untersuchungshaft in den Hausarrest entlassen worden, nachdem rund 40000 Russen Putin aufgefordert hatten, sie freizulassen. Der Hausfrau wird weiterhin „Staatsverrat“ vorgeworfen, da sie im April vorigen Jahres in der ukrainischen Botschaft angerufen hatte, um vor einer möglichen Verlegung russischer Truppen in das Land zu warnen. Diesen Schluss hatte sie aus Beobachtungen in ihrer Nachbarschaft gezogen.

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