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Reaktionen auf Wahl in Ukraine : „Erniedrigend und beschämend“

  • Aktualisiert am

In der Stichwahl um das Amt des ukrainischen Präsidenten verloren: Petro Poroschenko Bild: dpa

Fünf Jahre lang war Poroschenko Präsident der Ukraine. In der Stichwahl musste er sich nun gegen Selenskyj geschlagen geben – was vorsichtigen Optimismus in Russland auslöst.

          Russland hat den Ausgang der Stichwahl um das Präsidentenamt in der Ukraine als „krachende Niederlage“ für Amtsinhaber Petro Poroschenko bezeichnet. Es sei noch zu früh, mit dem Sieg des Schauspielers Wolodymyr Selenskyj Hoffnungen zu verbinden, sagte der prominente russische Außenpolitiker Konstantin Kossatschow der Agentur Interfax zufolge am Sonntagabend. Aber Russland wünsche ihm, dass er ein eigenständiger Präsident eines unabhängigen Landes werden könne. Kossatschow ist Chef des Auswärtigen Ausschusses im russischen Föderationsrat, dem Oberhaus des Parlaments in Moskau.

          Amtsinhaber Poroschenko sieht Russland als von den Vereinigten Staaten, der Nato und von Teilen der EU gesteuert. Die Abstimmung zeige, dass die Menschen sich mit ihren innenpolitischen Problemen beschäftigen wollten, sagte Kossatschow. Das Manöver Poroschenkos, mit einem russischen Feind von den inneren Schwierigkeiten abzulenken, sei gescheitert. Der Präsident hatte in seinem Wahlkampf immer wieder davor gewarnt, die Ukraine könne unter Kontrolle des russischen Präsidenten Wladimir Putin fallen. Der Ausgang der Stichwahl sei für Poroschenko „erniedrigend und beschämend“, meinte Kossatschow.

          Selenskyj hatte die Stichwahl um das Präsidentenamt in der
          krisengeschüttelten Ukraine am Sonntagabend laut ersten Prognosen klar gewonnen. Der prowestliche 41-Jährige setzte sich am Sonntag mit großem Abstand gegen Amtsinhaber Petro Poroschenko durch. Prognosen sahen den Herausforderer bei gut 73 Prozent, Poroschenko dagegen nur bei 25 Prozent der Stimme. Einige Wahlzettel waren ungültig.

          „Im Ernstfall schnell wieder loswerden“

          Russlands Vize-Außenminister Grigori Karasin sagte der Nachrichtenagentur RIA Novosti, die neue Führung müsse nun „die Wünsche ihrer Wähler verstehen und umsetzen“ und den Wandel des Landes vorantreiben. Das gelte in der Innen- und Außenpolitik.

          Die Beziehungen zwischen den beiden Ländern sind seit Jahren schwer belastet. Russland hatte 2014 die ukrainische Halbinsel Krim annektiert und unterstützt außerdem separatistische Kämpfer im Osten des Landes. Aufgrund der Unruhen war eine Vielzahl von Bürgern nicht zur Wahl zugelassen. Marija Wladimirowna Sacharowa, Pressesprecherin des russischen Außenministeriums, kritisierte nach der Stichwahl, dass „Millionen von Bürgern von der Stimmabgabe abgehalten“ wurden, hoffte aber dennoch auf einen Neustart in der Ukraine.

          Gratulation kam von Kremlkritiker und Oppositionspolitiker Alexej Nawalny. Ehrliche Wahlen seien eine „seltene Sache in der ehemaligen UdSSR“.

          Am Wahltag hatten viele Ukrainer dem Ergebnis mit gemischten Gefühlen entgegengesehen. In Mariupol, unweit der Front des blutigen Konflikts in der Ostukraine, hatten am Sonntag gepanzerte Polizeiautos die Wahllokale gesichert. Die 24 Jahre alte Anna sagte der Nachrichtenagentur AFP, Präsident Poroschenko habe seit seinem Amtsantritt „nichts Konkretes“ für die Menschen getan. Selenskyj sei „der einzige Kandidat, mit dem ein neues Leben beginnen kann“.

          Der 27 Jahre alte Anton begründete in Kiew seine Entscheidung für Selenskyj mit der Hoffnung, ihn im Ernstfall auch schnell wieder loszuwerden: Sollte er als Präsident scheitern, sei es „leichter, ihn aus dem Amt zu vertreiben als Poroschenko, der mehr als die Hälfte des Parlaments kontrolliert“. Die Partei des scheidenden Präsidenten stellt derzeit die meisten Abgeordneten, allerdings wird im Oktober ein neues Parlament gewählt.

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