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Ukraine-Konflikt : Russische Landungsschiffe nehmen Kurs auf Krim

Das Landungsschiff Pjotr Morgunow am 30. Januar 2021 nach der Ankunft aus St. Petersburg an der russischen Barentsseeküste in Severomorsk Bild: Picture Alliance

Sechs russische Kriegsschiffe der Nord- und der Ostseeflotte laufen ins Schwarze Meer ein. Sie könnten an einer Landungsoperation teilnehmen, sagt ein westlicher Geheimdienstler der F.A.Z.

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          Sechs russische Kriegsschiffe, die auf amphibische Landungsoperationen ausgelegt sind, befinden sich auf dem Weg Richtung ukrainische Küste. Nachdem die ersten drei Schiffe aus Kaliningrad am Dienstagabend ins Schwarze Meer eingelaufen sind, fuhren am Mittwochmorgen die anderen drei Schiffe, die zur Nordflotte gehören, in die Dardanellen ein. Es wird erwartet, dass auch sie im Lauf des Tages den Transit ins Schwarze Meer abschließen. „Damit verdoppelt sich die russische Landungsschiff-Fähigkeit im Schwarzen Meer“, sagte ein leitender westlicher Geheimdienstvertreter der F.A.Z.

          Thomas Gutschker
          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Benelux-Länder mit Sitz in Brüssel.

          Die NATO-Staaten verfolgen den Weg der Schiffe mit Argusaugen, seit sie am 18. Januar von der Ostsee in die Nordsee einfuhren. Das russische Verteidigungsministerium machte keine Angaben über ihr Ziel.

          Der Geheimdienstler sagte weiter, dass die Schiffe zunächst den Marinestützpunkt Sewastopol auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim anlaufen würden. „Sie werden dann mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Übung beginnen.“ Daraus könne sich eine reale Landungsoperation entwickeln. „Die größte Besorgnis ist, dass sie die Mobilität und Landungsfähigkeit nutzen, um die Marineinfanteristen zur Einnahme des Landkorridors zwischen der Krim und Moldau einzusetzen und Odessa zu isolieren“, sagte der Geheimdienstler weiter, der sich unter der Bedingung äußerte, dass er nicht weiter identifiziert wird.

          Schiffe wohl voll beladen

          In einem solchen Szenario würde die Ukraine ihren Zugang zum Schwarzen Meer verlieren und mit Odessa auch ihren wichtigsten Marine- und Handelshafen. Russland wiederum würde die besetzte Krim mit der de facto selbständigen moldauischen Teilrepublik Transnistrien verbinden, die von einem prorussischen Regime kontrolliert wird. Dort sind bereits 1500 russische Soldaten stationiert.

          Bei den Landungsschiffen handelt es sich um fünf Schiffe der Ropucha-Klasse (Projekt 775), die zwischen 1985 und 1991 in Dienst gestellt wurden. Eines der Schiffe wurde 2014 bei der Besetzung der Krim erbeutet. Sie können jeweils zehn Kampfpanzer und 340 Marineinfanteristen tragen und direkt an der Küste anlanden. Beim sechsten Schiff handelt es sich um die „Pyotr Morgunov“, eines der beiden schon in Dienst gestellten Landungsschiffe aus der modernen Ivan-Gren-Klasse (Projekt 11711). Sie kann 13 Kampfpanzer oder bis zu 40 leichter gepanzerte Fahrzeuge, zwei schwere Kampfhubschrauber sowie 300 Infanteristen transportieren.

          Nach Angaben des Geheimdienstlers sind sie „wahrscheinlich“ voll beladen; dafür spricht ihr Tiefgang. Das entspräche insgesamt zwei taktischen Bataillonskampfgruppen. Allerdings könnten die Schiffe Infanteristen und Waffen auch erst in Sewastopol aufnehmen.

          Die Schiffe, die von einem U-Boot der Kilo-Klasse begleitet werden, hatten am Wochenende den russischen Marinestützpunkt Tartus an der syrischen Küste angelaufen, um dort aufzutanken. Das russische Verteidigungsministerium teilte lediglich mit, dass sie „an Übungen unter Leitung der Marine“ teilnähmen. Nach Angaben von Fachleuten hat Russland seit Ende des Kalten Kriegs nicht mehr über so viele Landungsschiffe im Schwarzen Meer verfügt wie jetzt.

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