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Micheil Saakaschwili : Einfach mal ausgebürgert

Im Jahr darauf hat seine Zusammenarbeit mit Poroschenko begonnen. Saakaschwili war als georgischer Präsident zwar auch im demokratischen Lager nicht unumstritten gewesen, aber einige seiner Reformen, zum Beispiel bei der Bekämpfung der Korruption in der Polizei, galten in der Ukraine nach dem Sturz Janukowitschs als vorbildlich, und so rief man Georgier ins Land – etwa Eka Sguladse, die in Georgien unter Saakaschwili stellvertretende Innenministerin gewesen war und jetzt in gleicher Funktion in die Ukraine geholt wurde, um hier die Polizei auf westlichen Stand zu bringen. Auch Saakaschwili selbst, ihr früherer Chef, bekam eine Schlüsselposition: 2015 machte Poroschenko ihn zum Gouverneur des Gebiets Odessa am Schwarzen Meer, mit dem ausdrücklichen Auftrag, die Korruption dort mit Stumpf und Stiel auszurotten.

Mischa – Berserker der Korrektheit

Zuerst schien alles gutzugehen. Saakaschwili hat Charisma und ein Gespür für publikumswirksame Auftritte, und es gelang ihm, den Nimbus eines gnadenlosen Reformers um sich entstehen zu lassen. Um seine Unbestechlichkeit unter Beweis zu stellen, schreckte er auch vor direkten Angriffen auf das eigene Lager nicht zurück – auf den damaligen Ministerpräsidenten Arsenij Jazenjuk zum Beispiel, oder auf Innenminister Arsen Awakow, den die permanenten Attacken des Georgiers zuletzt so in Rage brachten, dass er Saakaschwili in Anwesenheit des Präsidenten ein Glas Wasser ins Gesicht schüttete.

Poroschenko hat damals so getan, als sei nichts. „Mischas“ Provokationen konnten ihm recht sein, solange sie andere in der Führung trafen, aber nicht ihn selbst. Wenn er allerdings gehofft haben sollte, diesen Mann im Zaum halten zu können, hatte er sich geirrt. Bald wurde sichtbar, dass Saakaschwili, der 2003 in Georgien ja schon einmal einen Präsidenten gestürzt hatte, auch vor ihm nicht haltmachen würde. Poroschenko, als größter Schokoladenfabrikant des Landes ein Oligarch der mittleren Gewichtsklasse mit weitverzweigten Interessen, spricht zwar viel vom Kampf gegen die Korruption, aber sein Vermögen hat seine Wurzeln in den Sümpfen der ukrainischen Clanwirtschaft. Er hat deshalb immer strikt darauf geachtet, dass der Kampf gegen Amtsmissbrauch und Vetternwirtschaft so geführt wurde, dass er selbst, seine Freunde und seine Geschäftspartner nicht in Gefahr gerieten.

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Saakaschwili aber, der längst im Begriff war, sein sorgsam gepflegtes Image als gnadenloser Berserker der Korrektheit für seine eigenen Zwecke zu nutzen, hat das nicht lange mitgemacht. Bald begann er, sich über mangelnden Rückhalt aus der Präsidentenkanzlei zu beschweren, und nach anderthalb Jahren im Amt, im November 2016, warf er in Odessa den Bettel hin. Seither ist er ein offener Gegner Poroschenkos, und seit Monaten tourt er durchs Land, um, gestützt auf sein beträchtliches demagogisches Talent, eine eigene Oppositionspartei namens „Bewegung der neuen Kräfte“ aufzubauen. Im Fernsehen lancierte er unlängst ein patriotisch-martialisches Musikvideo, in dem eine als Soldatin kostümierte junge Frau den Präsidenten und Oberbefehlshaber der Streitkräfte als „Schokoladenarsch“ besingt. Für den Präsidenten, der laut einer Umfrage vom Juni gerade noch von 9,5 Prozent der Befragten unterstützt wird, eine inakzeptable Majestätsbeleidigung.

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