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Ukraine-Krise : Separatisten lassen ein OSZE-Team frei

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Neben einem der Führer der Seperatisten (r.) steigt ein OSZE-Mitarbeiter bei der Freilassung aus einem Minibus. Bild: REUTERS

Die Rebellen nennen den Schritt „eine Geste des guten Willens“. Nun steigen die Chancen auf eine Verlängerung der Waffenruhe, die am heutigen Freitag ausläuft. In der Ostukraine kam es zu Gefechten.

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          Kurz vor Ablauf der einwöchigen Waffenruhe in der Ostukraine am heutigen Freitag haben die prorussischen Separatisten ein seit einem Monat festgehaltenes Beobachterteam der OSZE freigelassen. Das teilte das OSZE-Büro in Kiew mit. Damit wächst die Hoffnung auf eine Verlängerung der Feuerpause. Die Waffenruhe gilt als zentraler Teil eines Friedensplans des ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko. Zuvor hatten sich die Rebellen zu neuen Friedensgesprächen bereiterklärt und Verhandlungen für Freitag vereinbart.

          Die Rebellen überstellten die vier Männer am Freitag in einem Hotel in Donezk. Für ihre Freilassung seien keine Bedingungen gestellt worden, sagte Separatistenanführer Alexander Borodaj der russischen Agentur Ria-Nowosti. „Es war eine Geste des guten Willens.“

          Bei den OSZE-Vertretern handelt es sich um einen Schweizer, einen Dänen, einen Türken und einen Esten. Über das Schicksal einer zweiten OSZE-Gruppe, die ebenfalls seit über einem Monat im Osten der Ukraine festgehalten werden, lagen zunächst keine Angaben vor. Nach Angaben russischer Agenturen würden diese Vertreter der OSZE weiterhin an einem unbekannten Ort festgehalten. Borodaj sagte, auch sie würden “in nächster Zukunft“ freigelassen. In dieser Gruppe befindet sich auch eine Deutsche.

          OSZE-Präsident Didier Burkhalter forderte auch die Freilassung des zweiten vermissten Beobachterteams. Der Schweizer Präsident rief am Freitag in Genf zur „schnellen und bedingungslosen“ Freilassung der vier in der Region Lugansk vermissten Mitarbeiter der OSZE auf, die Ende Mai mutmaßlich von prorussischen Milizen entführt worden waren. Burkhalter äußerte sich erleichtert über die Freilassung der Männer und dankte allen beteiligten Ländern für ihr Engagement. Die OSZE spielt eine wichtige Rolle bei den Bemühungen um eine Entspannung der Situation in der Ostukraine. Derzeit sind mehr als 250 zivile OSZE-Beobachter in der Ukraine aktiv.

          Der russische Außenminister Sergej Lawrow forderte bei einem Telefonat mit dem amerikanischen Außenminister John Kerry eine Verlängerung der Waffenruhe in der Ukraine. Die einwöchige Feuerpause sei zu kurz gewesen zur Lösung der Krise, sagte Lawrow nach einer Mitteilung seines Ministeriums am Donnerstag. Er sprach sich für sofortige Verhandlungen zwischen der Führung in Kiew und den Separatisten aus.

          Am Freitag wollen die EU-Staats- und Regierungschefs auf ihrem Gipfel in Brüssel auch über Wirtschaftssanktionen gegen Russland beraten. Für die Ukraine steht zudem ein historischer Tag bevor: Es soll ein Partnerschaftsabkommen mit der EU unterzeichnet werden. Ein unterschriftsreifes Assoziierungsabkommen war Ende November 2013 wegen russischem Druck nicht verwirklicht worden. Der Schritt hatte zu massiven Protesten proeuropäischer Demonstranten und zum Sturz des damaligen Präsidenten Viktor Janukowitsch geführt.

          Verletzte bei Gefechten in der Ostukraine

          Trotz einer vereinbarten Waffenruhe kam es im Ukraine-Konflikt abermals zu vereinzelten Gefechten. Bei Schusswechseln nahe der Separatistenhochburg Slawjansk hätten Regierungseinheiten einen Kampfpanzer der Aufständischen zerstört, teilte Innenminister Arsen Awakow am Freitag in Kiew mit.

          In der Großstadt Donezk besetzten militante Gruppen nach fast siebenstündigen Gefechten einen Stützpunkt der Nationalgarde. Mehrere Soldaten seien verletzt worden, hieß es.

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