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Ukraine-Krise : Kiew spricht von mehr als 150 Toten bei Gefechten

  • Aktualisiert am

Gepanzerte Fahrzeuge der ukrainischen Regierungstruppen nahe Slawjansk Bild: AFP

Allen diplomatischen Bemühungen zum Trotz lässt Präsident Poroschenko die militärische Offensive gegen die Separatisten fortsetzen. Russland startete derweil ein Großmanöver im Schwarzen Meer, in unmittelbarer Nähe der Krisenregion.

          Ungeachtet internationaler Friedensbemühungen im Ukraine-Konflikt hat Russland mit einem Großmanöver in unmittelbarer Nähe der Krisenregion begonnen. Im Schwarzen Meer seien etwa 20 Kriegsschiffe sowie
          Jagdbomber vom Typ Suchoi Su-24 und Kampfhubschrauber im Einsatz, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau am Freitag mit. Auch Tests von Marschflugkörpern seien geplant. Nach dem umstrittenen Anschluss der
          Schwarzmeerhalbinsel Krim an Russland dürfte die Übung für neue Spannungen sorgen. So liegen etwa die ukrainischen Hafenstädte Odessa und Mariupol, in denen es in dem Konflikt blutige Zusammenstöße gab, in der Nähe.

          Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko lässt seit dem Ende der am Montagabend nicht noch einmal verlängerten Feuerpause wieder Städte in den Regionen Lugansk und Donezk bombardieren. Dort kämpfen militante prorussische Kräfte um die Unabhängigkeit der nicht anerkannten „Volksrepubliken Donezk und Lugansk“. Die Aufständischen hoffen weiter auf militärische Hilfe seitens des russischen Präsidenten Wladimir Putin.

          Bei den schweren Kämpfen in der Ostukraine hat es nach Angaben von Regierungstruppen abermals viele Tote gegeben. Durch Luftangriffe und Artillerie seien sechs Stellungen prorussischer Separatisten zerstört und der Ort Nikolajewka vollständig von den Truppen eingeschlossen worden, teilte ein Sprecher des „Anti-Terror-Einsatzes“ am Freitag in Kiew mit. Dabei seien mindestens 150 Aufständische getötet worden. Auch zwei ukrainische Soldaten seien ums Leben gekommen, vier weitere verletzt, hieß es.

          Russland hatte sich zuletzt in Vierer-Gesprächen mit der Ukraine, Deutschland und Frankreich für Friedensverhandlungen ausgesprochen. Die Seiten hatten am Dienstag in Berlin einen neuen Versuch vereinbart, eine Waffenruhe auszuhandeln. Dazu soll bis spätestens zu diesem Samstag eine neue Kontaktgruppe zusammenkommen.

          Bundeskanzlerin Merkel (CDU) telefonierte am Donnerstagabend mit dem amerikanischen Präsidenten Barack Obama. Beide Politiker waren sich darin einig, dass vor allem Russland auf eine Waffenruhe hinwirken solle. Die Chance auf eine beidseitige Feuerpause dürfe nicht wieder ungenutzt bleiben, das sei in dem Telefonat Konsens gewesen sein, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Hierzu müsse vor allem Russland seinen Teil beitragen und auf die Separatisten einwirken, damit auch diese eine Waffenruhe beachteten. Außerdem dürften von russischem Gebiet keine weiteren Waffen oder Kämpfer in die Ukraine gelangen.

          „Es gibt keine Zeit zu verlieren“

          Außenminister Frank-Walter Steinmeier sagte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: „Es gibt keine Zeit zu verlieren; wenn eines nicht geht, dann weiteres Lavieren. Ein Kontaktgruppentreffen ist der Schlüssel für alle weiteren Fortschritte.“ Ohne Gesprächsbereitschaft gehe es nicht. „Kiew muss dazu bereit sein, Moskau dafür seinen ganzen Einfluss bei den Separatisten geltend machen.“

          Derweil telefonierte Merkel mit dem französischen Präsidenten Hollande und Poroschenko. Die Bundeskanzlerin und Hollande drängten auf die rasche Umsetzung der Berliner Vereinbarung zu einem baldigen Waffenstillstand. Merkel und Hollande hätten dazu aufgerufen, die zwischen den Außenministern am Mittwoch in Berlin getroffene Vereinbarung umzusetzen, um rasch einen dauerhaften beidseitigen Waffenstillstand zu erreichen, teilte die französische Präsidentschaft mit.

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