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Ukraine-Krise auf G-20-Gipfel : Putin möchte lieber schlafen als weiterreden

  • Aktualisiert am

In Brisbane musste sich Russlands Präsident Putin viel Kritik anhören Bild: dpa

Der russische Präsident beklagt den wachsenden Druck. Auch stundenlange Gespräche mit Merkel und Juncker bringen keine Lösung für die Ukraine. Vom Gipfel reist Putin zeitig ab - weil er lieber schlafen möchte.

          Der russische Präsident Wladimir Putin hatte auf dem G-20-Treffen in Brisbane keine einfache Zeit. Vom „Schwarzen Schaf“, der „einsamen Figur“ und einem „politischen Außenseiter“ war in der Presse des Gastgeberlandes Australien die Rede.

          Unter den Teilnehmern stand offenbar der kanadische Ministerpräsident Stephen Harper kurz davor, Putin den Handschlag zu verweigern. „Ich denke mal, ich gebe Ihnen die Hand, aber ich habe Ihnen nur eines zu sagen: Sie müssen aus der Ukraine verschwinden“, sagte Harper dem russischen Präsidenten, und sein Sprecher sorgte dafür, dass diese Anmerkung die Runde machte.

          In Putins Delegation wurde der Vorfall bestätigt. Er soll das mit der Bemerkung quittiert haben, Russland könne die Ukraine gar nicht verlassen, weil man nicht dort sei.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel allerdings nahm sich viel Zeit für Putin. Mehr als dreieinhalb Stunden sprach sie mit ihm. Putin habe dabei erneut deutlich gemacht, dass er nach wie vor in Kategorien des Kalten Krieges denke, sickerte danach durch.

          Gespräche mit Juncker

          Auch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat sich umfassend von Präsident Wladimir Putin über die russische Ukraine-Politik informieren lassen. „Der Kommissionspräsident hat das Treffen genutzt, um Motive und Ziele von Präsident Putin zu verstehen“, teilten EU-Diplomaten mit. „Es war eine grundsätzliche und breite Diskussion.“

          Nach diesen Gesprächen zeichnete sich vor einem Treffen der europäischen Staats- und Regierungschefs mit dem amerikanischen Präsidenten Barack Obama keine Lösung für den Bürgerkrieg in der Ostukraine ab.

          Putin zeigte sich unzufrieden mit den Beratungen beim Gipfel. Das berichteten russische Medien vor Putins Pressekonferenz zum Abschluss des Treffens. Vor allem beklage er den Druck angesichts der Ukraine-Krise. Er wies neuerlich jede Einflussnahme auf den Bürgerkrieg im Osten der Ukraine zurück. Kurz vor seiner Abreise lobte er allerdings die „konstruktive Atmosphäre“ bei den Beratungen. Trotz unterschiedlicher Ansichten seien die Gespräche hilfreich gewesen, sagte Putin.

          Frühe Abreise von Putin

          Den G-20-Gipfel verließ Putin vor Veröffentlichung der Abschlusserklärung.  Er müsse schließlich am Montag wieder arbeiten, begründete der Präsident seine Entscheidung. „Damit es nur keine Spekulationen gibt. Ich bin nicht zum allgemeinen Essen geblieben, aber unser Finanzminister nahm daran teil“, sagte er.

          „Wir müssen von hier aus neun Stunden nach Wladiwostok fliegen und dann noch einmal neun Stunden bis Moskau. Dann müssen wir noch nach Hause. Und Montag geht es schon wieder auf Arbeit.“ Vier bis fünf Stunden schlafen wolle er auch noch.

          Auch die übrigen Staatsoberhäupter blieben nicht bis zum Ende. Bundeskanzlerin Merkel reiste ebenfalls zeitig ab - wenige Minuten nach Putin.

          Weiterer Konvoi

          Unterdessen schickt Russland einen weiteren Konvoi in die Ukraine. Eine erste Kolonne mit 20 Lastwagen überquerte am Sonntag die Grenze auf dem Weg in das Krisengebiet Lugansk, wie das Zivilschutzministerium in Moskau mitteilte. Weitere 54 Lastwagen seien unterwegs nach Donezk. Insgesamt werden demnach 450 Tonnen an Hilfsbedürftige verteilt. Transportiert würden auch Baumaterial und Elektrotechnik, sagte Oleg Woronow vom Zivilschutzministerium.

          Die Ukraine kritisiert die von ihr nicht genehmigten russischen Hilfslieferungen als Verletzung ihrer Souveränität.

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