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Ukraine-Krise : Kiew will weiter hart vorgehen

  • Aktualisiert am

Ein russischer Panzer in der russisch-ukrainischen Grenzregion Bild: AFP

Die ukrainische Regierung vermeldet Erfolge im Kampf gegen die Separatisten und will weiter hart vorgehen. Amerika verlangte derweil abermals, dass sich sich die russischen Truppen von der Grenze zur Ukraine zurückziehen.

          Die ukrainische Regierung will ungeachtet militärischer Rückschläge und massiver Warnungen aus Russland ihre Offensive gegen die Separatisten im Osten des Landes mit aller Härte fortsetzen. „Unsere Aufgabe ist es, Frieden und Ordnung in die Region zu bringen“, sagte der Verteidigungsminister Michailo Kowal am Freitag in Kiew. Er warf Russland abermals vor, verdeckte militärische Einsätze auf Seiten der Separatisten zu steuern. Er kündigte an, das ukrainische Militär werde die Einsätze im Grenzgebiet zu Russland fortsetzen, bis dort Normalität eingekehrt sei.

          Kowal vermeldete abermals Erfolge im Kampf gegen die prorussischen Separatisten. Die Regierungstruppen hätten die Milizen „vollständig“ aus Teilen der Ostukraine vertrieben, sagte der Verteidigungsminister. Teile der Region Donezk sowie der Norden der Region Lugansk seien unter der Kontrolle der ukrainischen Armee. Seinen Angaben zufolge wurden seit Beginn der Militäroffensive Mitte April mehr als 20 ukrainische Soldaten getötet. Die Separatisten haben am Donnerstag mit dem Abschuss eines Armeehubschraubers den Regierungstruppen einen der schwersten Verluste seit Beginn der Kämpfe zugefügt. Dabei wurden 14 Soldaten getötet, darunter ein General. Die Kiewer Regierung erklärte, der Helikopter sei nahe Slawjansk mit russischen Luftabwehrraketen beschossen worden.

          Hagel fordert Moskau zu Rückzug auf

          Der amerikanische Verteidigungsminister Chuck Hagel hat Russland unterdessen zum Abzug weiterer Soldaten von der Grenze zur Ukraine aufgefordert. Es sei ein vielversprechendes Signal, dass Tausende Soldaten abgerückt seien, sagte Hagel am Donnerstag vor Journalisten. „Wir wissen aber auch, dass immer noch Tausende russische Truppen dort sind und bislang nicht bewegt wurden.“ Russland müsse jedoch sämtlich Soldaten abziehen, die entlang der Grenze in den vergangenen Monaten stationiert worden seien. „Sie sind nicht, wo sie sein müssten“, sagte Hagel. „Dies wird nicht der Fall sein, bis alle ihre Truppen weg sind.“

          Die Nato hat diese Woche bestätigt, dass es Anzeichen für einen Rückzug russischer Truppen gebe. Während der aktuellen Krise hatte Russland mehrmals erklärt, die Soldaten abzuziehen. Doch laut westlichen Militärs sind diese Ankündigungen bisher niemals in die Tat umgesetzt worden. Die Amerikaner gehen davon aus, dass noch etwa sieben russische Bataillone an der Grenze zum Nachbarland stationiert sind.

          Ob Russland bereit ist, tatsächlich alle Truppen von der Grenze abmarschieren zu lassen, ist unklar. Das russische Nachrichtenportal RBK hat diese Woche gemeldet, dass der Plan eines vollständigen Abzuges wegen der „Verschärfung“ der Antiterroroperation der ukrainischen Regierung geändert worden sei. Das Portal beruft sich dabei auf einen ranghohen Militär. Demnach seien „einige tausend“ Soldaten weiterhin in dem Gebiet nahe der Grenze.

          Amerika besorgt über Waffen der Separatisten

          Die Nato geht davon aus, dass zeitweise bis zu 40.000 russische Soldaten an der Grenze stationiert waren. Der Westen wirft Russland vor, so zur Destabilisierung der Ostukraine beizutragen und prorussische Separatisten zu unterstützen.

          Im Osten der Ukraine gingen die heftigen Kämpfe weiter. Behörden in Kiew teilten am Donnerstag mit, dass in Alexandrowka im Gebiet Lugansk Bewaffnete mit Lastwagen, Maschinengewehren und Granatwerfern versuchten, eine Kaserne der Nationalgarde zu stürmen.

          Laut unbestätigten Berichten sollen die Aufständischen zwei Hubschrauber abgeschossen haben. Sicher ist bisher nur der Abschuss eines Hubschraubers bei Slawjansk, bei dem 14 ukrainische Soldaten getötet wurden. Der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney, zeigte sich daraufhin besorgt über die Bewaffnung der Separatisten. Diese weise darauf hin, dass sie weiter Zugang zu hoch entwickelten Waffen und Hilfe von außen hätten.

          Unterdessen laufen die Verhandlungen weiter, um die von Separatisten verschleppten vier Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) zu befreien. Am Montagabend hatte die Organisation den Kontakt zu der Gruppe verloren, deren Mitglieder aus Estland, Dänemark, der Türkei und der Schweiz stammen.

          Der estnische Diplomat Tiit Matsulevits, der ebenfalls an einem OSZE-Einsatz in der Ukraine teilnimmt, sagte, die Beobachter würden im Gebiet Lugansk festgehalten und es liefen Verhandlungen. Die OSZE gebe nur wenige Informationen heraus, um die Gespräche nicht zu behindern und die Sicherheit der Mitarbeiter nicht zu gefährden.

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