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In der befreiten Stadt Cherson : Wichtigeres zu tun, als Angst zu haben

Auch nach der Befreiung schlagen in Cherson noch immer russische Raketen ein. Danilewska hält das Grauen des Kriegs auf ihren Fliesen fest. Bild: Yulia Serdyukova

Nach monatelanger Besatzung ist Cherson wieder frei. Die Künstlerin Yulia Danilewska harrte mit Mann und Sohn in ihrem Bad aus. Sie hat einen Totentanz der Besatzung gemalt – auf Badezimmerfliesen.

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          Die Russen schießen gerade nicht, und Yulia breitet ihre Fliesen aus. Draußen vor dem Block hat sie sie nebeneinander auf eine kleine Bank gelegt. Yulia ist Malerin, und die Fliesen sind ihre Bilder. Sie malt auf Fliesen, weil sie mit Ljoscha eigentlich das Bad renovieren wollte. Aber dann haben die Russen Cherson im März erobert. Sie hatten andere Sorgen, und ein paar Fliesen blieben übrig. Das Bad wurde zum Luftschutzraum, weil es keine Fenster hat und geschützt im Inneren des Blocks liegt. „Das Prinzip der zwei Wände“, sagt Yulia.

          Konrad Schuller
          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Weil sie Fliesen hatte, begann sie mit Filzstift auf sie zu malen, und schon eines ihrer ersten Bilder zeigt, was das Prinzip der zwei Wände ist: Die Russen bombardieren, und alles kauert im Bad. Ihr Sohn Stas in der Wanne, Yulia auf dem Teppich. Ljoscha sieht man nicht, denn sie hat ihn gebeten, das Foto zu machen, das sie abmalen wird, wenn das Schießen aufhört. Man sieht, wie sie versucht, etwas in ihr Handy zu tippen. Dasselbe Handy das sie jetzt in der Hand hält, zusammen mit ihrem Energydrink. Auf der Rückseite hat das Handy zwei ängstliche Comic-Augen. Der Energydrink ist irgendeiner, egal welcher. Vor dem Krieg hat Yulia nur „Green Energy“ getrunken, aber das gibt es jetzt nicht mehr. Also nimmt sie, was kommt.

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