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Macrons Staatsbesuch in USA : Amerikas erster Freund

Eng in der Ukrainefrage: Joe Biden und Emmanuel Macron Bild: Reuters

So viel Linientreue war selten: Warum der französische Präsident Macron im Ukrainekrieg die Nähe zu Amerika sucht.

          3 Min.

          Henry Kissinger soll einst ge­sagt haben: „Wen rufe ich denn an, wenn ich Europa an­rufen will?“ Einer Antwort ist der 99 Jahre alte Staatsmann, der beim Mittagessen im State Departement zu Eh­ren des französischen Präsidenten zugegen war, nun näher gekommen. In Wa­shington wurde Emmanuel Macron der Eindruck vermittelt, dass er nach dem Ab­tritt Angela Merkels zum bevorzugten europäischen Ansprechpartner erwählt wurde. Präsident Joe Biden nannte ihn bei der Pressekonferenz im Weißen Haus „meinen Vertrauten“. Außenminister Antony Blinken, der teils in Paris aufgewachsen ist, bezeichnete ihn als „ersten Freund“. Und an Beschwörungen auf den „ältesten Verbündeten“ mangelte es bei dem auch zur Wiedergutmachung für den „ungeschickten“ Schritt hin zu dem gegen China gerichteten Pazifikbündnis Aukus ohne Frankreich ohnehin nicht.

          Michaela Wiegel
          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Biden äu­ßerte nichts, was die gute Stimmung hätte trüben können, und stellte sogar Konzessionen zum Milliardeninvestitionsprogramm Inflation Reduction Act in Aussicht. Das wichtigste Thema aber war der russische Angriffskrieg auf die Ukraine. Biden und Macron haben nicht nur über konkrete Winterhilfen für die Ukraine be­ratschlagt. In Paris wird am 13. Dezember eine internationale Hilfskonferenz ausgerichtet. Die Präsidenten richteten den Blick schon weit in die Zukunft und diskutierten über die künftige Sicherheitsordnung in Europa.

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