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Krieg in der Ukraine : Wie Russland seine Strategie im Donbass ändert

Pro-russische Kräfte auf einem Panzer mit der Aufschrift „Russland“ in der Region Donezk Bild: Reuters

Statt durch eine große Zangenbewegung versucht das russische Militär in der Ostukraine nun die Verteidiger in kleinen Kesseln zu binden. Dazu setzt Moskau laut Angaben Kiews auf eine erdrückende Übermacht.

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          Russland verstärkt seine Anstrengungen, im Krieg in der Ukraine Fortschritte zu erzielen. Die Duma stimmte am Mittwoch für ein Gesetz, mit dessen Hilfe künftig ältere Frauen und Männer als bisher sich verpflichten können, in den russischen Streitkräften zu dienen. Bislang lag das Höchstalter bei 40 Jahren. Künftig kann jeder Freiwillige, der das gesetzliche Rentenalter noch nicht erreicht hat, der Armee beitreten. Zur Begründung hieß es, die Armee brauche „hochprofessionelle Spezialisten“, um Präzisionswaffen zu bedienen. Tatsächlich dürften die hohen Verluste eine Rolle spielen, welche die russischen Streitkräfte in den ersten drei Kriegsmonaten in der Ukraine erlitten haben.

          Lorenz Hemicker
          Redakteur in der Politik

          Die Situation der ukrainischen Streitkräfte im Donbass wird derweil angesichts massiver Angriffe russischer Soldaten offenbar prekärer. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte bei einem Videoauftritt auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos, russische Truppen bombardierten unaufhörlich die Industriestadt Sjewerodonezk, im Osten der Ukraine. Der Gouverneur der Region Luhansk, Serhij Gajdaj, hatte zuvor auf Telegram geschrieben, dass russische Soldaten versuchten, die Stadt vollständig zu zerstören. Zudem versuchten sie mit Angriffen, die Verteidigungslinien aus verschiedenen Richtungen zu durchbrechen. Sjewerodonezk ist der Ankerpunkt des letzten Stücks des Oblast Luhansk, das noch von ukrainischen Truppen gehalten wird.

          Das amerikanische Institute for the Study of War (ISW) ging in seiner jüngsten Analyse des Kriegsgeschehens am Dienstagabend davon aus, dass das Hauptaugenmerk der russischen Armee mittlerweile der Einkreisung des Gebiets um Sjewerodonezk und der Einkesselung der dortigen Verteidiger gelte. Ähnliche Versuche gebe es an weiteren kleineren Abschnitten des Frontbogens. Vom Ziel eines großen Kessels auf der Achse in Richtung Slowjansk/Kramatorsk, der auch weite Teile des Oblast Donezk umfassen würde, habe das russische Militär dagegen offenbar abgelassen.

          Der genaue Umfang der russischen Anstrengungen lässt sich nicht feststellen. Um die Offensive im Osten des Landes zu einem Erfolg zu führen, hat Russland nach ISW-Einschätzungen aber eine bedeutende Zahl an Truppen, Artillerie und Flugzeugen von anderen Frontabschnitten im Oblast Luhansk zusammengezogen. Reserven würden dafür aus den Gebieten um Charkiw, Isjum, Donezk und Saporischschja abgezogen. Der amerikanischen Fernsehsender ABC berichtete unter Berufung auf Selenskyjs Sprecher Serhiy Nikiforow das Kräfteverhältnis in Teilen der Ostukraine betrage mittlerweile 7 zu 1 zugunsten der russischen Angreifer.

          Ob den russischen Kräften die Einkesselung der Industriestadt in den kommenden Tagen gelingen wird, ist offen. Die Geschwindigkeit, mit der die russische Seite Geländegewinne erzielt, habe sich in der vergangenen Woche erhöht, schreibt das ISW. Dennoch bleibe das Tempo langsam. Ein großer Durchbruch sei bislang nicht zu erkennen.

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