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Getreidelagerterminal Nika-Tera im Hafen von Mykolajiw am 7. Juni 2022 Bild: Satellitenbild: Planet Labs PBC

Lage des Krieges : Welthunger als Waffe

Russland versperrt die Ausfuhr von Getreide. Im Donbass ist Sewerodonezk fast vollständig in russischer Hand. Der Verlauf des Krieges in Karten und Grafiken.

          19 Min.

          Dieser Artikel wird laufend ergänzt. Aktuelle Informationen erhalten Sie zudem im Ukraine-Liveblog der F.A.Z.

          10. Juni 2022
          Welthunger als Waffe

          Jens Giesel
          Multimedia-Redakteur.
          Oliver Schlömer
          Multimedia-Redakteur.

          Die Ukraine ist einer der größten Getreideproduzenten der Welt. Seit Ausbruch des Krieges unterbindet Russland die Ausfuhr von 20 Millionen Tonnen Getreide vor allem nach Nordafrika und Asien – ein Großteil davon lagert in den Häfen von Odessa und Mykolaiw. Der Direktor des UN-Welternährungsprogramms, David Beasley, warnte unlängst, „dass Millionen Menschen auf der Welt sterben, weil diese Häfen blockiert sind.“

          Aktuelle Satellitenbilder des amerikanischen Anbieters Planet Labs vom 7. Juni zeigen nun auch gezielte Angriffe auf das Getreidelager Nika-Tera im Hafen von Mykolaiw. Das Lager wurde bei dem Raketenangriff vollständig zerstört.

          Bundesagrarminister Cem Özdemir (Grüne) hat am Freitag in der Ukraine mit seinem Amtskollegen Mykola Solskyj Möglichkeiten diskutiert, ukrainische Getreideexporte auf anderen Wegen zu ermöglichen. Özdemir sicherte dem Land die Unterstützung Deutschlands zu und erklärte, bei der Suche nach alternativen Exportrouten für Getreide zu helfen. Zugleich stellte Özdemir die russischen Ankündigungen zu einem Korridor für Getreideexporte über das Schwarze Meer infrage.

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          Getreidelagerterminal Nika-Tera im Hafen von Mykolajiw am 7. Juni 2022
          Getreidelagerterminal Nika-Tera im Hafen von Mykolajiw am 7. Juni 2022 : Bild: Satellitenbild: Planet Labs PBC

          3. Juni 2022
          Der 100. Kriegstag

          Seit nunmehr 100 Tagen tobt an diesem Freitag der von Russland entfesselte Angriffskrieg in der Ukraine. Präsident Selenskyj hat eine Art Bilanz des am 24. Februar begonnen Krieges gezogen. Noch seien ein Fünftel des ukrainischen Staatsgebietes von Russland besetzt, sagte er bei einer Videoschalte in das luxemburgische Parlament. Besonders in der Region Luhansk gerät die ukrainische Armee zunehmend in die Defensive. Bei den blutigen Straßenkämpfen um Sewerodonezk, der letzten ukrainischen Hochburg im Osten, würden täglich bis zu 100 ukrainische Soldaten getötet. Dennoch hätten die ukrainischen Truppen bereits 1017 Siedlungen wieder befreien können, sagte Selenskyj. „Weitere 2603 werden noch befreit werden.“

          omer.

          30. Mai 2022
          Der Ölhahn schließt sich fast vollständig​

          Nach langen Verhandlungen einigten sich die EU-Chefs in der Nacht auf Dienstag auf ein sechstes Sanktionspaket, das ein Ölembargo beinhaltet und ab dem Jahr 2023 greifen soll. Betroffen sind Lieferungen über See und russische Pipelines. Über die Druschba-Leitung pumpt Russland seit den Sechzigerjahren Rohöl gen Westen. Eine nördliche Trasse läuft über Belarus und Polen bis nach Ostdeutschland; sie versorgt heute noch die Raffinerien in Leuna und Schwedt. Die südliche Trasse, über die Ukraine, schließt Ungarn, die Slowakei und die Tschechische Republik an. Laut Global Energy Monitoring hat die Pipeline im Jahr 2020 eine Transportkapazität von 1,4 Millionen Barrel Rohöl pro Tag. Das beschlossene Embargo umfasst 90 Prozent der Gesamteinfuhr und betrifft Lieferungen über den Nordstrang und Einfuhren über See. Die restlichen 10 Prozent fließen weiterhin über die südliche Trasse, da Ungarn, die Tschechische Republik und die Slowakei keinen Seehafen haben, über den sie schnell Öl aus anderen Ländern beziehen können. Um auch diesen Anteil zu senken, soll die Adria-Pipeline ihre Kapazitäten in den nächsten Monaten erhöhen.

          omer., tg.

          Mai 2022
          Donbass-Offensive

          Nachdem die erste Kriegsphase mit einem schmählichen Rückzug aus dem Raum Kiew geendet hatte, leitete Moskau im April die zweite Phase seines Angriffskrieges ein und gab die Eroberung des gesamten Donbass als Ziel aus. Am 18. April begann dann eine neue Großoffensive mit massiven Artillerieangriffen auf ukrainische Stellungen. In den nachfolgenden Wochen blieben bedeutsame Geländegewinne, abgesehen von der Einnahme Mariupols, jedoch aus. Lediglich in der Region Luhansk konnten die russischen Truppen vorrücken. In der Region rund um Charkiw hingegen wurden sie durch ukrainische Gegenoffensiven erfolgreich zurückgedrängt. Auch in der Südukraine gerieten sie Ende Mai zunehmend in die Defensive. Mit neuen schweren Waffen strebt die Ukraine mittelfristig die Befreiung weiterer von Russland besetzten Gebiete an. Die Ukraine werde sich nicht beeilen mit der Zurückeroberung ihrer Territorien, wenn das Zehntausende von Opfern fordere, sondern vielmehr auf die nötigen Waffen warten, sagte Selenskyj in Kiew bei einem Treffen mit der slowakischen Präsidentin Zuzana Caputova.

          Grafik: omer., jpg. / Quellen Vormarschgebiete und Rückeroberungen: ISW

          omer.

          11. April 2022
          Aufmarsch im Osten

          Die ukrainische Armeeführung in Kiew erwartet nach eigenen Angaben „sehr bald“ eine Großoffensive der russischen Streitkräfte im Osten des Landes, nachdem bereits eine größere Anzahl batallionstaktischer Gruppen (BTG) in die östlichen Landesteile der Ukraine verlegt wurden. Der enge Putin-Verbündete und Machthaber der russischen Teilrepublik Tschetschenien, Ramsan Kadyrow, droht weitere Angriffe auf ukrainische Städte an. „Es wird eine Offensive geben … nicht nur auf Mariupol, sondern auch auf andere Orte, Städte und Dörfer“, sagt Kadyrow in einem Video, das auf seinem Telegram-Kanal veröffentlicht wurde. Erst werde man Luhansk und Donezk „vollständig befreien“, danach Kiew und alle anderen Städte einnehmen.

          Der russische Truppenaufmarsch im Donbass zeigt sich auch auf Satellitenaufnahmen. Aktuelle Bilder des Satellitenbetreibers Maxar zeigen einen großen Militärkonvoi, der aus hunderten von Fahrzeugen besteht, darunter Schützenpanzer, Artillerie und Transportfahrzeuge. Der Konvoi erstreckt sich über mindestens 13 Kilometer und bewegt sich nach Süden durch die östlich von Charkiw gelegene Stadt Velykyi Burluk.

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          Russischer Militärkonvoi in der Ostukraine
          Satellitenaufnahmen vom 8. April
          Satellitenbild: © 2022 Maxar Technologies / Bearbeitung: Jens Giesel

          8. April 2022
          Diskussion um EU-Ölembargo

          Nachdem die Europäische Kommission bereits vorgeschlagen hat, Kohleimporte aus Russland zu sanktionieren, könnte dieses Embargo auch auf Rohöl ausgedehnt werden. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sagte, dass das am Dienstag bekanntgegebene fünfte Sanktionspaket nicht das letzte sei. „Jetzt müssen wir uns Öl anschauen und die Einnahmen, die Russland aus fossilen Brennstoffen bezieht“.

          Im Jahr 2021 exportierte Russland Rohöl im Wert von rund 109 Milliarden Dollar, was einem Anteil von 22,1% des russischen Gesamtwarenexports von 493 Milliarden Dollar entspricht.

          Knapp die Hälfte des russischen Erdölerlöse wurden in Ländern der EU und dem Vereinigten Königreich erzielt. Größter Einzelabnehmer war im Jahr 2021 China, das russisches Erdöl im Wert von rund 35 Milliarden Dollar bezog.

          Wert der Rohölexporte im Jahr 2021*

          Grafik: omer. / *) in Millionen Dollar. Berücksichtigt nur Exportvolumen größer 900 Millionen Dollar / Quelle: Observatory of Economic Complexity (OEC), eigene Berechnungen

          Auf den asiatischen Raum richtet sich auch die Hoffnung der russischen Führung im Falle eines europäischen Embargos. Seit Anfang März sind fünf Öllieferungen im Umfang von 6 Millionen Barrel (Fass zu 159 Liter) an Indien gegangen, was in etwa der Hälfte der gesamten russischen Liefermenge von 2021 entspricht.

          omer.

          4. April 2022
          Abzug rund um Kiew offenbart zahlreiche Kriegsverbrechen

          Die russischen Truppen haben sich weitestgehend aus dem Großraum Kiew zurückgezogen. Noch vor drei Wochen war die ukrainische Hauptstadt im Nordwesten und Osten von russischen Verbänden umstellt. In dem nordwestlich von Kiew gelegenen Ort Butscha entdeckte die ukrainische Territorialverteidigung nach dem Abzug der russischen Verbände zahlreiche tote Zivilisten. Die Opfer scheinen von den russischen Angreifern gezielt getötet worden zu sein. Satellitenbilder des amerikanischen Betreiber Maxar vom 31. März zeigen ein Massengrab auf dem Gelände der Kirche St. Andreas dem Erstberufenen. Bis zum Montag stieg die Zahl der zivilen Todesopfer auf 410.

          Massengrab auf dem Gelände der Kirche St. Andreas dem Erstberufenen in Butscha.
          Massengrab auf dem Gelände der Kirche St. Andreas dem Erstberufenen in Butscha. : Bild: Maxar Technologies

          Das genaue Ausmaß der verbleibenden Präsenz Russlands in der Nordukraine ist noch unklar. Nach dem raschen Abzug russischer Truppen rücken die ukrainischen Streitkräfte nur langsam vor, indem sie einzelne Dörfer sorgfältig räumen. Nachdem Russland in der Vorwoche angekündigt hatte, seine Offensivanstrengungen um Kiew und Tschernihiw zu reduzieren, zeichnet sich nun ein umfassender Abzug der Streitkräfte von diesen Fronten ab.

          Bereits am Sonntag vermeldeten ukrainische Truppen, dass sie die Kontrolle über das stillgelegte Atomkraftwerk Tschernobyl und damit Teile der Grenze zu Belarus wiedererlangt hätten. Der Fokus des Konflikts scheint sich nun also also vollständig auf die Süd- und Ostfront zu verlagern.

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          29. März 2022
          Russland verlagert seine Offensive nach Osten

          Nach den am Dienstag abgehaltenen Verhandlungen in Istanbul kündigten russische Verhandlungsführer an, Russland werde seine „militärischen Aktivitäten in Richtung Kiew und Tschernihiw drastisch reduzieren“. Die russische Delegation führte diese Entscheidung auf Verhandlungsfortschritte zurück.

          Die Ankündigung die russischen Operationen im Norden der Ukraine einzuschränken, folgt früheren Hinweisen auf eine Umstrukturierung der russischen Streitkräfte in diesen Gebieten. Berichten zufolge hat Russland bereits damit begonnen, einzelne Batallionsgruppen aus dem Nordosten abzuziehen. In den letzten Tagen waren den ukrainischen Truppen rund um Kiew mehrere Gegenangriffe geglückt, möglicherweise begünstigt durch diese russischen Truppenverlagerungen.

          Am Montag gab der Bürgermeister von Irpin bekannt, dass die ukrainische Armee seine bereits seit Kriegsbeginn stark umkämpfte Stadt befreit habe. Die Stadt liegt strategisch wichtig am gleichnamigen Irpin-Fluss, der eine natürliche Barriere im Nordwesten von Kiew bildet. Auch weiter außerhalb von Kiew gelangen den ukrainischen Streitkräften einige Rückeroberungen, etwa um Makariw im Westen, sowie bei Rudnyts’ke im Osten. Nordöstlich von Ochtyrka gelang ukrainischen Kräften sogar ein Gegenstoß bis zur Grenze zu Russland.

          Lediglich im Osten verzeichnen die russischen Streitkräfte weiterhin stetige Landgewinne. Stark umkämpft sind seit mehreren Tagen die Städte Isjum und Sjewjerodonezk. Bereits am Freitag hatte der stellvertretende Generalstabschef Sergej Rudsko eine Konzentration der russischen Truppen auf die Region Donbass angekündigt. Angesichts dessen steht zu befürchten, dass sich die Kämpfe in dieser Region in den nächsten Tagen noch intensivieren werden.

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          25. März 2022
          Deutschland strebt Energieunabhängigkeit von Russland an

          Seit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine versucht Deutschland, die Energielieferungen aus Russland zu senken. Nach den Worten von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) geht es dabei gut voran. „Unternehmen lassen Verträge mit russischen Lieferanten auslaufen, verlängern sie nicht und stellen auf andere Lieferanten um. Und das in einem Wahnsinns-Tempo“, so der Vizekanzler. Bei der Steinkohle haben die Unternehmen Verträge und Lieferketten neu aufgestellt. Dadurch sinkt die Abhängigkeit bei Kohle in den nächsten Wochen von 50 Prozent auf rund 25 Prozent. Bis zum Herbst könnte Deutschland unabhängig von russischer Steinkohle werden. Die Abhängigkeit von russischem Öl soll ebenfalls auf etwa 25 Prozent sinken. Zum Jahresende wird auch hier die Unabhängigkeit angestrebt.

          Bei der Umstellung der Gasversorgung gibt es ebenfalls Fortschritte, der Prozess ist aber anspruchsvoll. Einen großen Beitrag soll dazu amerikanisches Flüssiggas (LNG) leisten. Die USA wollen schon in diesem Jahr weitere 15 Milliarden Kubikmeter liefern. Vor allem aber soll die Menge in den kommenden Jahren auf 50 Milliarden Kubikmeter im Jahr steigen und schon damit ein Drittel des russischen Gases ersetzen.

          omer.

          24. März 2022
          Russische Truppen verlieren immer mehr Kriegsmaterial

          Am Donnerstag gelang den ukrainischen Streitkräften ein weiterer schwerer Schlag gegen die ohnehin bereits strauchelnde russische Kriegslogistik. Im Hafen von Berdyansk, einer Stadt am Asowschen Meer südwestlich von Mariupol, wurde ein russisches Landungsschiff zerstört. Berichten zufolge wurde das Schiff von einer Mittelstreckenrakete getroffen.

          Video: Twitter (WhereisRussiaToday)

          Webcam-Aufnahmen zeigen starke Brände unter Deck, was darauf hindeutet, dass sich zum Zeitpunkt des Angriffs noch größere Mengen an Treibstoff, Munition, oder sonstiger Militärausrüstung an Bord befanden. Zwei weitere Landungsschiffe scheinen ebenfalls leichte Schäden davongetragen zu haben. Die drei Schiffe hatten Anfang der Woche im Hafen von Berdyansk angelegt, um Schützenpanzer und anderes Militärmaterial anzulanden.

          Die Zerstörung des russischen Kriegsschiffs ist nur die letzte Episode in einer langen Serie von russischen Materialverlusten. Auf der Webseite Oryx dokumentiert der niederländische Militäranalyst Stijn Mitzer Verluste von militärischem Material und Fahrzeugen. Gezählt werden lediglich Verluste, die durch Foto- oder Videobeweise bestätigt sind. Die Zahlen sind also lediglich als Untergrenze zu verstehen und liegen teilweise weit unter den Angaben der ukrainischen Behörden.

          Auch diese konservativen Angaben zeichnen jedoch bereits ein deutliches Bild: Mindestens 280 Kampfpanzer haben die Russen seit Beginn der Kampfhandlungen verloren – etwa so viele wie die Bundeswehr insgesamt besitzt. Für die Russen ist das immerhin 15 bis 25 Prozent ihrer ursprünglichen Kampfstärke, die Schätzungen darüber gehen allerdings weit auseinander. Mehr als 500 Schützenpanzer gingen verloren, außerdem schwer ersetzbare „Hochwertziele“ in Form von Flugzeugen, Helikoptern und Schiffen.

          Die Zahl der Verluste umfasst sowohl zerstörte, als auch von Ukrainern erbeutete Fahrzeuge. Eine Besonderheit dieses Konflikts ist, dass beide Kriegsparteien überwiegend das gleiche, noch aus Sowjetzeiten stammende Material einsetzen. Ein zurückgelassener russischer Panzer ist also nicht nur ein Verlust für die russische Armee, sondern gleichzeitig auch ein potentieller Neuzugang im Arsenal der Ukrainer.

          Zur Zahl der bisher gefallenen russischen Soldaten liegen bisher nur sehr grobe Schätzungen vor. US-Geheimdienstmitarbeiter gaben diese Woche eine konservative Schätzung ab, demnach seien Ende Februar mehr als 7000 russische Soldaten bei Kämpfen in der Ukraine getötet worden. Am Montag veröffentlichte die Kreml-treue Boulevardzeitung Komsomolskaya Pravda Angaben des russischen Verteidigungsministeriums: 9.861 Tote, 16.153 Verwundete. Nach wenigen Minuten waren diese Informationen allerdings wieder gelöscht. Die Zeitung behauptete später, ihre Website sei gehackt worden.

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          23. März 2022
          Pattsituation im Norden und Süden, russische Erfolge im Osten

          In der vierten Woche des Krieges ist der Vormarsch der russischen Truppen an den meisten Frontabschnitten überwiegend zum Erliegen gekommen. Den ukrainischen Streitkräften gelingt es weiterhin, die russischen Angriffe auf Tschernihiw, Sumy oder Charkiw im Nordosten des Landes abzuwehren. Bei Mykolajiw im Süden konnten ukrainische Truppen sogar Orte zurückerobern.

          Lediglich im Osten haben die russischen Streitkräfte in den vergangenen Tagen stetige Fortschritte gemacht und sich aus dem von Separatisten gehaltenen Donbass-Gebiet nach Westen bewegt. Kämpfer der selbsternannten „Volksrepublik“ Donezk seien weitere vier Kilometer in ukrainisches Gebiet vorgerückt, teilte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, in Moskau mit. Es werde um die Eroberung dreier Dörfer in der Nähe der Stadt Donezk gekämpft. Auch bei der Einkesselung Mariupols machen die russischen Streitkräfte weiterhin langsame Fortschritte. Ein russischer Vorstoß auf Isjum konnte hingegen abgewehrt werden.

          Westlich von Kiew gelang es den ukrainischen Streitkräften, einige Vororte wieder unter ihre Kontrolle zu bringen. So vermeldete der ukrainische Generalstab der Streitkräfte, dass die strategisch wichtige Vorstadt Makariw zurückerobert wurde. Die Rückeroberungen sind ein Erfolg gegen die russischen Bestrebungen, die Hauptstadt von Nordwesten einzukesseln. Eine am Sonntag vom Institute for the Study of War veröffentlichte Einschätzung besagt, dass die russischen Streitkräfte ihre Bombardierungskampagne auf Kiew wahrscheinlich ausweiten werden, anstatt zu versuchen, die Stadt in den kommenden Wochen einzukreisen. Die Gruppe berichtete auch, dass die russischen Streitkräfte nun verstärkt Verteidigungspositionen in eroberten Gebieten aufbauen und Artillerie in Positionen verlegen, die das Zentrum von Kiew treffen können.

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          21. März 2022
          Der gescheiterte Blitzkrieg

          Der russische Angriff auf die Ukraine ist kein Blitzkrieg geworden. Mehr als drei Wochen nach dem Überfall auf die Ukraine kommt die russische Bodenoffensive kaum noch voran. Trotz einiger Geländegewinne zu Beginn des Angriffs scheiterte der russische Blitzkrieg und die rasche Einnahme Kiews. Dies liegt an der unterschätzten Widerstandskraft der Ukrainer, aber auch an eigenen logistischen Problemen. Das amerikanische Institute for the Study of War (ISW) schrieb am Samstagabend, militärisch sei „eine Pattsituation im größten Teil der Ukraine“ in greifbarer Nähe.

          Grafik: jpg., rago. / Quellen Vormarschgebiete: ISW, liveuamap, Sim Tack, Britisches Verteidigungsministerium / Luftangriffe: Zusammengestellt anhand von Regierungs- und Augenzeugenberichten mit Foto- oder Video-Belegen. Die Angaben zeigen das Gesamtmuster der Angriffe und sollten nicht als umfassend angesehen werden.
          Grafik: jpg., rago. / Quellen Vormarschgebiete: ISW, liveuamap, Sim Tack, Britisches Verteidigungsministerium / Luftangriffe: Zusammengestellt anhand von Regierungs- und Augenzeugenberichten mit Foto- oder Video-Belegen. Die Angaben zeigen das Gesamtmuster der Angriffe und sollten nicht als umfassend angesehen werden.
          Grafik: jpg., rago. / Quellen Vormarschgebiete: ISW, liveuamap, Sim Tack, Britisches Verteidigungsministerium / Luftangriffe: Zusammengestellt anhand von Regierungs- und Augenzeugenberichten mit Foto- oder Video-Belegen. Die Angaben zeigen das Gesamtmuster der Angriffe und sollten nicht als umfassend angesehen werden.
          Grafik: jpg., rago. / Quellen Vormarschgebiete: ISW, liveuamap, Sim Tack, Britisches Verteidigungsministerium / Luftangriffe: Zusammengestellt anhand von Regierungs- und Augenzeugenberichten mit Foto- oder Video-Belegen. Die Angaben zeigen das Gesamtmuster der Angriffe und sollten nicht als umfassend angesehen werden.

          Währenddessen weitete die russische Armee die Bombardierungen ukrainischer Städte weiter aus. In der ersten Woche des Angriffs konzentrierten sich die Luftangriffe auf den Großraum Kiew. Ab der zweiten Kriegswoche wurden auch die westlichen Landesteile der Ukraine unter Beschuss genommen.

          omer.

          17. März 2022
          Täglich Festnahmen bei Protesten in Russland

          Bei Protesten gegen den Krieg in der Ukraine sind seit Beginn der russischen Invasion Tausende Demonstranten in ganz Russland festgenommen worden. Laut aktuellen Daten der Bürgerrechtsorganisation OWD-Info habe es seit Kriegsbeginn am 24. Februar in Russland fast 15.000 Festnahmen in 151 Städten gegeben; die Zahl steigt stündlich. Allein von Mittwoch auf Donnerstag seien weitere 20 Menschen verhaftet worden, die sich gegen den Krieg ausgesprochen hatten, der in Russland offiziell nicht als solcher gilt.

          Zuletzt sind die russischen Sicherheitskräfte am 13. März heftig gegen Demonstranten vorgegangen. Fast 900 Personen seien bei landesweiten Protestaktionen in 37 Städten festgenommen worden, teilte OWD-Info mit. Größere Kundgebungen gab es in Moskau, St. Petersburg, Irkutsk am Baikalsee und in der südlich gelegenen Großstadt Nowosibirsk. In St. Petersburg befanden sich auch Journalisten unter den Festgenommenen.

          dhaj.

          16. März 2022
          Ukrainischer Gegenangriff auf die Cherson-Luftwaffenbasis

          Nach einem Angriff der ukrainischen Streitkräfte auf die Cherson Luftwaffenbasis im Süden der Ukraine stehen Treibstoffdepots und mehrere Hubschrauber in Flammen. Das Bild wurde am 15. März 2022 aufgenommen.
          Nach einem Angriff der ukrainischen Streitkräfte auf die Cherson Luftwaffenbasis im Süden der Ukraine stehen Treibstoffdepots und mehrere Hubschrauber in Flammen. Das Bild wurde am 15. März 2022 aufgenommen. : Bild: Planet Labs PBC / Bearbeitung: Jens Giesel

          Ein Satellitenbild, das der F.A.Z. vom privaten Satellitenbetreiber Planet Labs zur Verfügung gestellt wurde, zeigt einen erfolgreichen Angriff der ukrainischen Streitkräfte auf die Cherson-Luftwaffenbasis im Süden der Ukraine. Das Bild wurde am 15. März 2022 aufgenommen. Mehrere große Feuerquellen sind deutlich erkennbar, neben Treibstoffdepots auch eine Reihe brennender Hubschrauber. Russische Streitkräfte hatten vor etwa zwei Wochen die Kontrolle über die strategisch wichtige Basis am Nordufer des Dnjepr erlangt, seitdem gab es immer wieder ukrainische Gegenangriffe. Das Satellitenbild unterstreicht, dass die ukrainischen Streitkräfte weiterhin in der Lage sind, ihren russischen Gegnern auch hinter deren Linien erhebliche Verluste zuzufügen.

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          15. März 2022
          Fehlende Reichweite der russischen Armee

          Die russischen Vorstöße in ukrainisches Gebiet kommen seit Tagen nicht über eine bestimmte Linie hinaus. Sie scheitern am erbitterten Widerstand der Ukrainer und an ihrem eigenen Logistikproblem. 140 Kilometer ist nach westlichen Berechnungen die maximale Reichweite der Russen, um ihre Kampfverbände noch von Logistikbasen aus mit Kraftstoff, Munition, Granaten und Raketen versorgen zu können. Neue, vorgeschobene Logistikzentren haben die Russen bisher nicht aufbauen können. Dazu fehlt es ihnen an Lastwagen. Nach ukrainischen Angaben haben die Russen bisher mehr als 400 Versorgungsfahrzeuge im Kampf verloren. Zur Hälfte wurden sie zerstört, die andere Hälfte haben die Ukrainer erbeutet.

          Der russische Angriff basiert zudem auf der Versorgung und dem Transport über Schienenwege. „Die Logistikkräfte der russischen Armee sind nicht auf große Bodenoffensiven weit entfernt von ihrem Eisenbahnnetz ausgelegt“, analysiert der amerikanische Offizier Alex Vershinin. „Keine andere europäische Nation verwendet Eisenbahnstrecken in dem Ausmaß wie Russland.“

          tg., omer.

          13. März 2022
          Angriffe auf Militärübungsplatz nahe der polnisch-ukrainischen Grenze

          Bei dem russischen Angriff auf einen Militärübungsplatz nahe der polnischen Grenze sind nach offiziellen Angaben mindestens 35 Menschen getötet worden. 134 weitere seien verletzt worden und würden in Kliniken behandelt, teilte der Gouverneur des westukrainischen Gebiets Lwiw (Lemberg), Maxym Kosyzkyj, am Sonntag auf Facebook mit. Gegen Mittag seien alle Brände auf dem Gelände gelöscht worden. Fachleute untersuchten nun die Schäden. Der Übungsplatz liegt nordwestlich von Lwiw und nur etwa 15 Kilometer von der Grenze zu Polen entfernt.

          Unterdessen gehen die Gefechte rund um die ukrainische Hauptstadt In Kiew nach Angaben der ukrainischen Armee weiter. Es gebe heftige Kämpfe in Irpin und Makariw im Gebiet Kiew, teilte das Militär am Sonntagmorgen mit. Ähnlich sei die Lage auch in anderen Dörfern, die humanitäre Lage werde immer schlechter.

          omer.

          12. März 2022
          Die russische Armee nimmt Kiewer Vororte unter Artilleriebeschuss

          Aufnahmen des WorldView-2-Satelliten von Maxar vom 11. März zeigen, dass das russische Militär weiter auf Kiew vorrückt und Vororte unter Artilleriebeschuss nimmt. Die Bilder zeigen die Orte Ozera und Moschtschun nordwestlich von Kiew. Mit Hilfe der multispektralen Bildbände lässt sich Mündungsfeuer aus den Artilleriegeschützen erkennen, die in Wohngebieten in Ozera platziert sind. Auch wenn sich die Ziele dieser Angriffe nicht bestätigen lassen, sind in der etwa sieben Kilometer südöstlich des Artillerieeinsatzes gelegenen Ortes Moschtschun brennende Gebäude und Einschlagskrater zu sehen. Auch am Flughafen Hostomel steht ein Treibstoffdepot in Flammen.

          omer.

          Multispektrale Satellitenbilder eines Artilleriebataillons in Ozera
          Multispektrale Satellitenbilder eines Artilleriebataillons in Ozera : Bild: Satellitenaufnahme ©2022 Maxar Tech.
          Multispektrale Satellitenbilder des Ortes Moschtschun, die brennende Gebäude und Einschlagskrater zeigen
          Multispektrale Satellitenbilder des Ortes Moschtschun, die brennende Gebäude und Einschlagskrater zeigen : Bild: Satellitenaufnahme ©2022 Maxar Tech.
          Multispektrale Satellitenbilder des Flughafens Hostomel, die ein brennendes Treibstoffdepot zeigen
          Multispektrale Satellitenbilder des Flughafens Hostomel, die ein brennendes Treibstoffdepot zeigen : Bild: Satellitenbild ©2022 Maxar Tech.

          11. März 2022
          Weitere Angriffe auf zivile Ziele

          Nachdem im Ukrainekrieg nach UN-Angaben bereits drei Entbindungskliniken zerstört wurden, gehen die Angriffe auf zivile Ziele unvermindert weiter. Russische Bombenangriffe richten sich auch auf die Versorgungsmöglichkeiten der Bevölkerung. Aufnahmen der US-amerikanischen Satellitenfirma Maxar vom 10. März zeigen ein völlig zerstörtes Einkaufszentrum in der von russischen Truppen eingekesselten Stadt Tschernihiw.

          omer.

          Zerstörtes Einkaufszentrum in Tschernihiw Satellitenbild ©2022 Maxar Tech.

          10. März 2022
          Im havarierten Akw Tschernobyl ist die Stromversorgung wiederhergestellt

          Nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur TASS ist die Stromversorgung im havarierten Atomkraftwerk in Tschernobyl wieder hergestellt. Demnach liefern Energietechniker aus Belarus Strom für das Kraftwerk. Die Ukraine hat am Mittwoch geäußert, wegen der gekappten Stromleitung zwischen Kiew und dem Kraftwerk bestehe die Gefahr, dass die Brennelemente nicht mehr gekühlt werden und Radioaktivität austreten könnte. Die Anlage wird derzeit von den russischen Streitkräften kontrolliert. Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA äußerte, der Stromausfall habe keine kritischen Folgen für die Sicherheit. Um die Sicherheit der Atomkraftwerke in der Ukraine zu thematisieren, ist IAEA-Chef Rafael Grossi ins türkische Antalya gereist, wo die Außenminister der Ukraine und Russlands beraten haben. Die Gespräche endeten ohne Ergebnisse.

          omer.

          9. März 2022
          Neue Fluchtkorridore

          Zivilisten in Sumy im Nordosten der Ukraine verlassen den zweiten Tag in Folge über einen Fluchtkorridor die belagerte Stadt. Bürgermeister Olexandr Lysenko sagte im Fernsehen, die Menschen hätten damit begonnen, in ihren Privatfahrzeugen aus der Stadt zu fahren, nachdem der Korridor eingerichtet worden sei. Nach Angaben der ukrainischen Vize-Regierungschefin Iryna Wereschtschuk wurden zudem weitere Fluchtkorridore vereinbart. So soll auch auf den Routen von Enerhodar nach Saporischschja im Süden des Landes und von Isjum nach Losowa im Osten eine zwölfstündige Feuerpause gelten.

          Drei weitere Routen sind im Kiewer Umland eingerichtet. Aus den Vororten Butscha, Irpin und Hostomel sollen Zivilisten so in die Hauptstadt gelangen können.

          Die Flucht wird jedoch durch zerstörte Straßen und Brücken behindert. Aufnahmen der US-amerikanischen Satellitenfirma Maxar vom 8. März zeigen eine zerstörte Brücke bei Irpin. Mehrere Bombenkrater sind auf den Feldern und in der Umgebung zu sehen.

          omer.

          Zerstörte Brücke über den Irpin nordwestlich von Kiew (8. März)
          Zerstörte Brücke über den Irpin nordwestlich von Kiew (8. März) : Bild: Satellitenaufnahme ©2022 Maxar Technologies

          8. März 2022
          Russische Truppen erreichen offenbar Vororte Kiews

          Laut Berichten des Washingtoner Institute for the Study of War (ISW) haben russische Streitkräfte die Außenbezirke von Kiew erreicht. Die russischen Truppen sammeln Nachschub, warten auf Verstärkung und nehmen Vororte im Nordwesten der Hauptstadt mit Artillerie und Raketen unter Beschuss. Auch in das östlich von Kiew gelegenen Browary sind russische Truppen vorgestoßen. Nach Einschätzung des Thinktanks könnte eine größer angelegte Bodenoffensive auf die ukrainische Hauptstadt in den nächsten 24 bis 96 Stunden erfolgen.

          Unterdessen meldet das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR, dass die Zahl der Menschen, die aus der Ukraine geflohen sind, die Schwelle von zwei Millionen überschritten hat.

          omer.

          7. März 2022
          Russland droht mit Gas-Lieferstopp durch Nord Stream 1

          Der russische Vize-Regierungschef Alexander Nowak drohte am Abend mit einem Lieferstopp durch die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1.

          „Aber noch treffen wir diese Entscheidung nicht. Niemand gewinnt dabei“, sagte der Politiker. Allerdings sehe sich Russland inzwischen durch die europäischen Politiker und ihre Anschuldigungen in diese Richtung gestoßen. Russland fühlte sich durch die amerikanische Drohung und den Stopp der Inbetriebnahme der Gasleitung Nord Stream 2 provoziert. „Wir haben das volle Recht, eine spiegelgerechte Entscheidung zu treffen.“ sagte Nowak am Abend im russischen Fernsehen.

          Die Europäische Union bezieht mehr als ein Drittel ihres Erdgas-Bedarfes aus Russland. Allein über die Pipeline Nord Stream 1 laufen 60 Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr. Die europäische Erdgasförderung ist zwar nicht unbedeutend, sinkt aber seit 2015 schneller als der Verbrauch. Um die Abhängigkeit von russischem Gas zu verringern, werden Alternativen gesucht. Unlängst gab Wirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck den Startschuss zum Bau des ersten Flüssiggasterminals im schleswig-holsteinischen Brunsbüttel.

          dpa, omer., Wagner

          7. März 2022
          Über 1,7 Millionen Ukrainer auf der Flucht

          Laut Schätzungen des UN-Flüchtlingskommissariats sind momentan über 1,7 Millionen Menschen aus der Ukraine infolge des Krieges geflohen. Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell geht davon aus, dass sich Europa auf fünf Millionen Flüchtlinge einstellen muss.

          ​Europa müsse alle Ressourcen mobilisieren, um die Menschen aufzunehmen, sagte Borrell. Alle Nachbarländer der Ukraine müssten Hilfe bekommen. Dabei gehe es nicht nur um humanitäre Hilfe. „Mehr Geld, mehr Aufnahmekapazitäten, mehr Lebensmittelhilfen“, sagte Borrell bei einem informellen Treffen der europäischen Entwicklungsminister in Montpellier.

          omer.

          6. März 2022
          Evakuierung von Mariupol scheitert auch im zweiten Versuch

          Die geplante Evakuierung der von russischen Truppen eingeschlossenen Stadt Mariupol über einen humanitären Korridor ist sowohl am Samstag als auch am Sonntag gescheitert, da die hierfür vereinbarte Feuerpause nicht zustande kam. Ein Konvoi mit Zivilisten könne auch im zweiten Versuch die Stadt nicht verlassen, erklärt die Verwaltung von Mariupol. Beide Seiten machten die jeweils andere für den Bruch der Waffenruhe verantwortlich. Im Norden des Landes setzten derweil russische Truppen ihren Vormarsch in die südwestlichen Außenbezirke der Hauptstadt Kiew fort, während gleichzeitig aus Richtung Sumy kommende Verbände an den Ostteil der Stadt herangeführt wurden.

          omer.

          4. März 2022
          Satellitenbilder zeigen über 60 Kilometer langen russischen Militärkonvoi

          Auf die ukrainische Hauptstadt Kiew rollt ein großer russischer Militärkonvoi zu. Ein Video der US-amerikanischen Satellitenfirma Maxar zeigt in einem Überflug Teile der über 60 Kilometer langen Kolonne. Zuletzt hat sie sich kaum weiter bewegt. Laut Maxar erstreckt sich der Militärkonvoi von der Ortschaft Iwankiw bis zum Antonow-Flughafen bei Hostomel, rund 25 Kilometer vom Zentrum Kiews entfernt. Die Aufnahmen wurden am 28. Februar erstellt, starke Bewölkung verhindert momentan die Erstellung aktuellerer Bilder.

          jpg.

          Video © 2022 Maxar Technologies

          4. März 2022
          Russische Truppen nehmen ukrainisches Atomkraftwerk ein

          Am frühen Freitagmorgen meldeten die ukrainischen Behörden, dass ein Gebäude des Kernkraftwerks Saporischschja nach dem Beschuss durch russische Streitkräfte in Flammen stand. Das Feuer konnte mittlerweile gelöscht werden, Russland kontrolliert nun das Gelände. Im Norden von Kiew treffen russische Truppen weiter auf entschlossenen Widerstand der ukrainischen Armee. In ihrem Versuch Kiew zu umkreisen, weichen die russischen Streitkräfte nun weiter nach Westen aus. Nordwestlich von Kiew eröffneten sie eine neue Vorstoßlinie von Belarus in Richtung Schytomyr.

          Im Osten befindet sich die Stadt Charkiw weiter unter starkem Artillerie- und Raketenbeschuss. Mariupol ist nun vollständig umgeben, nach Angaben der Ukrainer jedoch unter ihrer Kontrolle. Russische Truppen greifen die Hafenstadt brutal an, um ihre Kapitulation zu erzwingen. Die Stadt Cherson im Süden ist nun weitestgehend unter russischer Kontrolle, was den russischen Streitkräften erlaubt, ihren Vormarsch auf Mykolayiv fortzusetzen. Berichten zufolge konnte das ukrainische Militär dort jedoch einen versuchten russischen Angriff auf einen Flugplatz abwehren. In der Nähe von Odessa hat Russland eine beträchtliche amphibische Landungsschiffflotte zusammengezogen.

          jpg.

          3. März 2022
          Große Mehrheit für UN-Resolution, die den russischen Angriff verurteilt

          Mit einer historisch großen Mehrheit hat die Weltgemeinschaft den russischen Angriff auf die Ukraine verurteilt. 141 Staaten stimmten am Mittwoch in der Dringlichkeitssitzung der UN-Vollversammlung in New York für eine Resolution, die den Abzug aller russischen Truppen aus dem Nachbarland fordert – weit mehr als bei früheren Konflikten ähnlicher Art. 35 Länder enthielten sich, nur 5 lehnten den Textentwurf ab. Die dreitägige Dringlichkeitssitzung war erst das elfte Treffen dieser Art bei den UN in mehr als 70 Jahren.

          In der vergangenen Woche hatte Russland mit seinem Veto eine Resolution des UN-Sicherheitsrats zum Ukraine-Krieg verhindert. In der Vollversammlung kann jedoch kein Staat allein einen Beschluss verhindern. UN-Generalsekretär António Guterres sagte nach der Abstimmung „Die heutige Entschließung spiegelt eine zentrale Wahrheit wider: Die Welt will ein Ende des enormen menschlichen Leids in der Ukraine.“ Der britische Premier Boris Johnson sagte, der „Kontrast zwischen richtig und falsch“ sei noch nie so deutlich gewesen.

          ahan.

          2. März 2022
          Angriffe auf Charkiw und Mariupol

          Im Osten der Ukraine werden weiter Städte angegriffen. Russische Streitkräfte führen dort vor allem drei Operationen durch, wie das Institute for the Study of War einschätzt: Eine zur Einnahme von Charkiw, eine um die Stadt Mariupol einzunehmen und die Landbrücke zur Krim zu sichern sowie eine zur Sicherung von Cherson. Letztere soll nach Angaben des Instituts den Vorstoß nach Westen in Richtung Mykolajiw und Odessa ermöglichen.

          Die Operation gegen Mariupol hat zuletzt die größten Gewinne gemacht. Russische Truppen behaupteten am Dienstag, Mariupol eingekesselt zu haben und sind Berichten zufolge in die Stadt Cherson im Süden eingedrungen. Dort kam es zu Explosionen in einem Wohnkomplex. Ukrainische Streitkräfte behielten jedoch am Dienstag die Kontrolle über die Stadt. Die russischen Streitkräfte erhielten Beobachtern zufolge Nachschub und Verstärkung, die in den nächsten 24 bis 72 Stunden ein wesentlich schnelleres Vorgehen ermöglichen könnten.

          Charkiw bleibt als zweitgrößte Stadt des Landes bislang in ukrainischer Hand, russische Streitkräfte zielten jedoch auf zivile Einrichtungen. Ein Verwaltungsgebäude im Stadtzentrum sowie ein Krankenhaus wurden am Dienstag zerstört. Es gab mehrere Tote und Verletzte, wie der Bürgermeister der Stadt mitteilte. Auch Universitätsgebäude wurden angegriffen. Russische Truppen bewegen sich zudem offenbar in Richtung der Stadt Saporischschja. Etwa 40 Kilometer entfernt davon finden Kämpfe mit der ukrainischen Armee statt. Das Atomkraftwerk bei Enerhodar wurde am Dienstag nach wie vor vom ukrainischen Militär kontrolliert, ist aber zurzeit von russischen Truppen umzingelt.

          gari.

          2. März 2022
          Eine Million Ukrainer auf der Flucht

          Mehr als eine Million Ukrainer sind seit der russischen Invasion aus ihrem Heimatland geflohen, berichtete das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen am Mittwoch. Mehr als die Hälfte von ihnen überquerte demnach die Grenze nach Polen, andere flüchteten nach Ungarn, Rumänien, Moldau und in die Slowakei. Wie das Flüchtlingshilfswerk einige Tage zuvor berichtete, seien zudem mindestens 48.000 Menschen nach Russland geflohen. Ein großer Teil von ihnen aus den sogenannten „Volksrepubliken“ Luhansk und Donezk. Die Zahlen für die einzelnen Länder finden Sie auf unserer Karte.

          Allerdings kann nicht jeder die Ukraine verlassen: Die Regierung hat das Kriegsrecht erlassen, wonach Männer zwischen 18 und 60 Jahren das Land nicht mehr verlassen dürfen. Außerdem sollen nicht-ukrainische Staatsbürger im Land festsitzen. Die indische Regierung versuchte Anfang der Woche etwa 15.000 indische Studierende außer Landes zu bringen. Auch zahlreiche Studierende aus afrikanischen Ländern saßen Medienberichten zufolge in ukrainischen Städten fest. Einige von ihnen hatten laut einem Bericht der Deutschen Welle Schwierigkeiten bei der Ausreise aus der Ukraine.

          Die Vereinten Nationen bereiten sich nach eigenen Angaben auf bis zu vier Millionen Flüchtlinge aus der Ukraine in den kommenden Tagen und Wochen vor.

          gari.

          1. März 2022
          Russischer Militärkonvoi vor Kiew

          Vor Kiew liegt ein 64 Kilometer langer Militärkonvoi, der Schätzungen zufolge etwa 15.000 russische Streitkräfte Richtung Kiew bringen könnte. In russischen Medien wurde ein Angriff von militärischen Zielen angekündigt. Russische Angriffe halten seit Tagen an. Am Sonntag wurde ein Öldepot in Wassylkiw getroffen, am Dienstag unter anderem der wichtigste Radio- und Fernsehturm der Hauptstadt. Das russische Verteidigungsministerium gab bekannt, man habe Quellen von Informationsattacken vernichten wollen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte, dass fünf Personen bei dem Angriff getötet wurden.

          gari.

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