https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/ukraine-krieg-russland-gibt-lyman-auf-18357334.html

Erfolg für ukrainische Armee : Russland gibt strategisch wichtige Stadt Lyman auf

  • Aktualisiert am

Ein ukrainischer Soldat im April an der Front bei Lyman Bild: Reuters

Russland hat im Krieg in der Ukraine einen weiteren schweren Rückschlag erlitten. Die ukrainischen Truppen haben Lyman zurückerobert. Die Ukraine hat nun freie Bahn in weite Teile von Donezk.

          2 Min.

          Russland hat in einer weiteren Niederlage gegen die ukrainische Armee die strategisch wichtige Stadt Lyman im Gebiet Donezk aufgegeben. Die Streitkräfte seien wegen der Gefahr einer Einkesselung abgezogen worden, sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums am Samstag in Moskau. Zuvor hatten ukrainische Behörden von rund 5000 eingekesselten russischen Soldaten gesprochen. Eine unabhängige Klärung der widersprüchlichen Angaben war zunächst nicht möglich. 

          Seit Wochen wurde um Lyman erbittert gekämpft. Nach der Niederlage im nordukrainischen Gebiet Charkiw und ihrem Rückzug von dort haben die russischen Truppen versucht, eine neue Frontlinie entlang der Flüsse Oskil und Siwerskyj Donez aufzubauen. Lyman als nächste Stadt gegenüber dem von Kiew gehaltenen Ballungsraum Slowjansk - Kramatorsk galt diesbezüglich als wichtig. Einerseits, um selbst Angriffe im Norden des Donbass-Gebiets starten zu können, andererseits als Barriere gegen eine ukrainische Gegenoffensive.

          Nach intensiven Kämpfen ist die Stadt am Samstag gefallen. Ukrainische Einheiten haben in Lyman die blau-gelbe Landesflagge gehisst. Die Ukrainer hatten die Stadt zuvor in die Zange genommen. Die einzige Nachschub- und Rückzugsverbindung der Russen nach Osten über Saritschne und Torske geriet unter Beschuss der ukrainischen Artillerie. Unklar ist, wie viele russische Soldaten gefallen oder in Gefangenschaft gekommen sind.

          5000 russische Soldaten eingekesselt

          Die ukrainischen Truppen hatten nach eigenen Angaben zeitweise etwa 5000 russische Soldaten eingekesselt. Das sei der Stand am Samstagmorgen, hatte der ukrainische Verwaltungschef für Luhansk, Serhij Hajdaj, mitgeteilt. „Die Okkupanten haben ihre Führung gebeten, nach Möglichkeit herauszukommen, woraufhin sie eine Abfuhr erhielten“, sagte er. „Sie haben jetzt drei Handlungsmöglichkeiten: Entweder können sie versuchen auszubrechen oder sie ergeben sich. Oder sie sterben alle zusammen. Da sind von ihnen etwa 5000, eine genaue Zahl gibt es nicht.“

          Eine solche Zahl an eingekesselten Russen habe es überhaupt noch nicht gegeben in dem Krieg, sagte Hajdaj. Lyman galt nach der russischen Niederlage in Charkiw als so wichtig, dass die russische Führung die Stadt möglichst lange halten wollte, zumindest aber bis zur Erklärung der Annexion der vier ukrainischen Gebiete Cherson, Donezk, Luhansk und Saporischschja.

          Russlands Präsident Wladimir Putin hatte die Annexion am Freitag im Rahmen eines Festakts im Kreml erklärt. Kein Staat erkennt diesen Bruch des Völkerrechts an. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte angekündigt, alle besetzten Territorien zu befreien. Er setzt dazu auf schwere Waffen des Westens und auf Militärberater der NATO-Staaten.

          Für Moskau ist der Rückzug aus Lyman ein abermaliger schwerer Rückschlag in der seit mehr als sieben Monaten andauernden Invasion. Russische Truppen  hatten Lyman, wo vor Kriegsausbruch 20.000 Menschen lebten, im Mai eingenommen. Seitdem hat Russland die Stadt zu einem militärischen Logistik- und Transportzentrum ausgebaut. Nun, da die Stadt wieder in Händen Kiews ist, ist der Weg für die ukrainischen Truppen frei bis tief in die übrigen Teile von Donezk, das zusammen mit Luhansk den Donbass bildet. Teile der Gebiete kontrollieren seit 2014 prorussischen Separatisten.

          Der Machthaber der russischen Teilrepublik Tschetschenien, Ramsan Kadyrow, rief in einer erste Reaktion auf die Niederlage dazu auf, den Einsatz von Atomwaffen in der Ukraine zu prüfen. Kadyrow kritisiert auf Telegram die russischen Kommandeure für den Abzug aus Lyman und schreibt weiter: „Meiner persönlichen Meinung nach sollten drastischere Maßnahmen ergriffen werden, bis hin zur Verhängung des Kriegsrechts in den Grenzregionen und dem Einsatz von Atomwaffen mit geringer Sprengkraft.“

          Weitere Themen

          Russische Truppen verschanzen sich

          Lage des Krieges : Russische Truppen verschanzen sich

          Die russische Armee errichtet Verteidigungsanlagen auf der östlichen Seite des Dnipros. Die Befreiung der Krim bleibt ukrainisches Kriegsziel. Der Verlauf des Krieges in Karten und Grafiken.

          Kiew registriert 26 Luftangriffe

          Die Nacht in der Ukraine : Kiew registriert 26 Luftangriffe

          Der ukrainische Staatschef Selenskyj fordert abermals eine rigorose Bestrafung der russischen Staats- und Armeeführung. „Die Situation an der Front ist schwierig“, sagt er. Kanzler Scholz erneuert sein Flugabwehr-Angebot an Polen. Der Überblick.

          Topmeldungen

          Die Integrationsbeauftragte Reem Alabali-Radovan mit Kanzler Olaf Scholz und Innenministerin Nancy Faeser bei der Veranstaltung „Deutschland. Einwanderungsland.“

          Einwanderungsrecht : Was plant die Ampel in der Migrationspolitik?

          Die Ampel plant einen „Paradigmenwechsel“ in der Migrationspolitik. Welche Pläne gibt es zur Staatsangehörigkeit? Was soll sich für Fachkräfte ändern? Und woher kommt die Kritik? Die wichtigsten Fragen und Antworten.
          Das Reifenlager von Continental in einem Logistikzentrum Isernhagen bei Hannover.

          Nach Cyber-Attacke : Conti und KPMG spüren den Hackern nach

          Mit Hilfe externer Spezialisten analysiert der Autozulieferer das Ausmaß seines Datenlecks. Aufsichtsrat und Behörden machen Druck – und die Angreifer melden sich mit neuen Forderungen.
          Um  7.30 Uhr morgens herrscht an diesem Mittwoch vor der Ausländerbehörde im Gallusviertel schon reger Betrieb.

          Vor der Ausländerbehörde : Bis die Polizei eingreifen muss

          Die Frankfurter Ausländerbehörde wird von Anfragen überhäuft. Wer schon einen Termin hat, braucht Geduld und Glück – denn die Probleme beginnen schon an der Tür.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.