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Überblick zum Krieg : Ukraine muss sich auf neue Raketen und Drohnen aus Iran einstellen

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Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj posiert mit Soldaten bei seinem Besuch nahe der Front. Bild: AFP/Ukrainian Presidential Press Service

Während Präsident Selenskyj Truppen in der Nähe der Front besucht, soll Russland dabei sein, sich neue Waffen zu beschaffen. Und Polen will nun doch das Angebot deutscher Flugabwehr-Raketen annehmen.

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          Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ist von einem Besuch in frontnahen Gebieten zurückgekehrt. Ministerpräsident Denys Schmyhal bittet nach den jüngsten russischen Angriffen eindringlich um Unterstützung beim Wiederaufbau der beschädigten Energieanlagen. Derweil scheint sich Russland um neue Drohnen aus Iran zu bemühen. Und Polen will die von Deutschland zur Verteidigung seines Luftraums angebotenen Patriot-Flugabwehrsysteme nun doch annehmen.

          Man arbeite daran, die Patriots auf polnischem Gebiet zu stationieren und sie dem polnischen Kommandosystem zu unterstellen, schrieb Polens Verteidigungsminister Mariusz Blaszczak auf Twitter. Allerdings hatte Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht darauf gepocht, dass die deutschen Flugabwehrsysteme als Teil der integrierten NATO-Luftverteidigung zu behandeln sind. Davon, sie einem polnischen Kommando zu unterstellen, war zunächst keine Rede gewesen.

          Vor zwei Wochen hatte Lambrecht die Verlegung der Patriots vorgeschlagen. Blaszczak nahm das Angebot zunächst an. Einen Tag später schlug er jedoch überraschend vor, die deutsche Flugabwehr statt in Polen auf ukrainischem Gebiet zu stationieren. Dies sorgte in Berlin für Verstimmung.

          Russland soll aus Iran beliefert werden

          Diplomaten zufolge soll Russland abermals Hunderte Drohnen und ballistische Raketen aus Iran bestellt haben. „Wir wissen, dass Iran plant, seine Lieferungen von unbemannten Flugkörpern und Raketen an Russland in erheblichen Mengen zu erhöhen“, teilten Quellen bei den Vereinten Nationen in New York der Deutschen Presse-Agentur mit. Moskau wolle damit dem akuten Mangel an militärischem Nachschub begegnen. Es handle sich um mehrere hundert Geschosse und Hunderte Drohnen. „Ich glaube nicht, dass sie schon versandt wurden, aber sie stehen eindeutig in den Auftragsbüchern“, hieß es aus New York.

          Iran hatte übereinstimmenden Berichten zufolge bereits im August Drohnen nach Russland geschickt, die für Angriffe auf militärische Objekte wie Radaranlagen und Artillerie genutzt werden können. Wenige Wochen später attackierten Russlands Streitkräfte Ziele in der Ukraine mehrmals mit iranischen Kamikaze-Drohnen, die mit hoher Geschwindigkeit auf ihr Ziel stürzten und große Schäden anrichteten.

          Selenskyjs Besuch in Frontnähe

          Bei einem Besuch im ostukrainischen Gebiet Donezk hat Selenskyj seinen Soldaten für die Verteidigung ihres Landes unter schwierigsten Bedingungen gedankt. Er habe während des Aufenthalts auch Auszeichnungen verliehen an jene Soldaten, die an den „gefährlichsten und verantwortungsvollsten“ Orten eingesetzt seien, sagt Selenskyj in einem Video, das er nach seiner Rückkehr nach Kiew auf Telegram veröffentlichte. Er sei auch im Gebiet Charkiw gewesen und habe dort Ärzte getroffen, die verwundete Kämpfer behandeln.

          Angesichts der verheerenden Folgen der russischen Angriffe auf die Energie-Infrastruktur hat Kiew weitere Hilfe von westlichen Staaten gefordert. „Russland versucht, mehr als 30 Millionen Ukrainer ohne Heizung, Licht und Wasser zu lassen“, sagte Ministerpräsident Schmyhal den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Die Russen verlieren auf dem Schlachtfeld und versuchen deshalb verzweifelt, die Ukraine in die Dunkelheit zu stürzen.“ Schmyhal bat um weitere Luftverteidigungs- und Raketenabwehrsysteme sowie um Hilfe bei der Wiederherstellung beschädigter Energieanlagen.

          Russlands Raketenangriffe haben seit Oktober die Energieversorgung der Ukraine massiv beschädigt. Millionen Menschen haben zeitweise nur noch eingeschränkt Zugang zur Stromversorgung. Auch die Versorgung mit Wasser und Wärme ist vielerorts schwierig.

          Nach den schweren Angriffen hat die EU-Grenzschutzagentur Frontex bislang keine bedeutende Veränderung im Grenzverkehr registriert. In der vergangenen Woche seien aus der Ukraine 229.542 Menschen in ein EU-Land eingereist, teilte Frontex am Dienstag per Twitter mit. Im gleichen Zeitraum überquerten 208.988 Menschen die Grenze eines EU-Landes in Richtung Ukraine. Vergleichszahlen der Vorwochen waren zunächst nicht unmittelbar verfügbar.

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