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Krieg im Donbass : Russische Truppen drängen weiter nach Westen

Ukrainische Soldaten feuern im Donbass mit einem von Frankreich entwickelten Artilleriegeschütz auf die russischen Aggressoren Bild: Laif

Nach dem Fall von Lyssytschansk versuchen die Ukrainer, eine neue Verteidigungsstellung zu errichten. Der Fluss Siwerskyj Donezk kann ihnen dabei nicht mehr helfen.

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          Russische Einheiten haben nach dem Fall von Lyssyschansk ihre Offensive im Donbass fortgesetzt. Der Gegner versuche nun, in Richtung der Großstadt Slowjansk im Donezker Gebiet vorzurücken, teilte der ukrainische Generalstab am Montag mit. Russische Einheiten versuchten, die Kontrolle über die Ortschaften Bo­horodytschne, Dolyna und Masaniwka zu erlangen. Sie liegen am Südufer des Siwerskyj Donezk, des viertgrößten Fluss der Ukraine.

          Lorenz Hemicker
          Redakteur in der Politik

          Er hatte über Wochen den ukrainischen Verteidigern als Sperre gegen die russischen Invasoren gedient. Bei früheren Überquerungsversuchen war es den Ukrainern Mitte Mai gelungen, Hunderte russische Soldaten zu töten und zahlreiche gepanzerte Fahrzeuge zu vernichten.

          Selenskyj: Mit neuen Waffen Lyssytschansk zurückerobern

          Der Generalstab sprach nun von erfolgreichen russischen Querungen und Truppenbewegungen im Raum der genannten Ortschaften, rund 20 Kilometer nördlich der Großstadt Slowjansk. Auch weiter östlich hätten russische Truppen den Fluss mittlerweile überschritten. Über die neuen Verteidigungsstellungen der Ukrainer kursierten am Montag unterschiedliche An­gaben.

          Der ukrainische Generalstab selbst sprach von einem Frontbogen zwischen Siwersk, Soledar und Bachmut. Sein äußerster Scheitelpunkt würde mit Siwersk, einer Stadt mit 10.000 Einwohnern, rund 30 Ki­lometer westlich von Lyssytschansk verlaufen. Möglich wäre aber auch, dass diese Stellung nur einen Zwischenschritt für die Ukrainer darstellt, um sich nach dem Rückzug aus Lyssytschansk neu zu ordnen.

          Das amerikanische Institut für Kriegsstudien geht davon aus, dass sich die ukrainischen Streitkräfte bald noch weiter zu­rückziehen werden – und zwar auf Höhe der Autobahn E 40. Sie liegt rund 30 Kilometer weiter südwestlich und führt in gerader Linie von Slowjansk nach Bakhmut. Sie böte den Vorteil, dass die zahlenmäßig un­terlegenen ukrainischen Verteidiger ihre Kräfte auf einer kürzeren Front konzen­trieren könnten.

          Zudem verfügen die Ukrainer mit dem Ballungsraum Slowjansk/Kramatorsk, wo sich auch ihr militärisches Hauptquartier im Donbass befindet, auf der Autobahn über eine Bastion, deren Eroberung die russischen Angreifer vor noch größere Herausforderungen stellen dürfte als die zurückliegenden Kämpfe um Sewerodonezk und Lyssytschansk.

          Russlands Präsident Wladimir Putin gratulierte den russischen Truppen am Montag zunächst zur „Befreiung“ des Gebiets Lu­hansk. Die an dem Einsatz beteiligten Soldaten sollten sich ausruhen, sagte Putin in einer im Fernsehen übertragenen Unterredung mit Verteidigungsminister Sergej Schoigu. Der kündigte an, dass die Streitkräfte die „militärische Spezialoperation“ fortsetzen würden. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte, dass sich die Streitkräfte seines Landes aus der Stadt Lyssytschansk im Donbass zurückgezogen haben. In seiner nächtlichen Videobotschaft versprach er jedoch, die Kontrolle über das Gebiet wiederherzustellen. Da­zu würden die Taktik der Armee und neue, verbesserte Waffen beitragen.

          „Systematische Artillerieschläge“

          Westliche Konfliktforscher stellten am Montag den Wert des russischen Vormarschs infrage. „Rational wäre es besser für die Ukrainer, den Donbass aufzugeben“, sagte Ralph Rotte von der Rheinisch-Westfälisch Technischen Hochschule in Aachen der F.A.Z. Städte, Infrastruktur und Transportwege würden angesichts des zähen ukrainischen Widerstands und des massiven Beschusses durch die russischen Angreifer weitgehend zerstört. Um die dortigen Ressourcen – Kohle und Stahl – zu nutzen, bräuchte es umfassende Investitionen, deren Nutzen infrage stehe. Schließlich gehörten diese Ressourcen der Vergangenheit an.

          Die Rückeroberung des Ge­biets Cherson im Süden sei „strategisch wichtiger“. Rotte hob damit auf die doppelte Funktion der Region als Tor zur von Russland annektierten Halbinsel Krim so­wie als Puffer vor der ukrainischen Hafenstadt Odessa ab.

          Ähnlich äußerte sich Franz-Stefan Gady vom Londoner Institut für Strategische Studien. Würde es nicht gelingen, Teile Chersons zurückzuerobern, könne das langfristig weitaus schwerwiegender werden als der Verlust weiterer Teile des Donbass. Umgekehrt sollten die Auswirkungen einer fehlschlagenden Gegenoffensive auf die Kampfmoral der Ukrainer nicht unterschätzt werden. Bereits am Montag hatte der ukrainische Generalstab berichtet, dass die russischen Besatzer von Cherson versuchten, mit „systematischen“ Artillerieschlägen den Aufmarsch von ukrainischen Kräften für Vorstöße zu verhindern.

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