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Krieg in der Ukraine : Regen und Schlamm setzen den Kriegsparteien zu

Ukrainische Soldaten stehen auf der Ladefläche eines LKWs, der über eine schlammige Straße fährt. Bild: dpa

Die herbstliche Schlammperiode behindert russische und ukrainische Truppen im Osten der Ukraine erheblich. Die Kämpfe konzentrieren sich auf wenige Städte und Stellungen am Fluss Dnipro.

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          Die herbstliche Schlammperiode behindert die Kriegsparteien im Osten der Ukraine mittlerweile erheblich bei ihren Operationen. Das amerikanische Institut für Kriegsstudien (ISW) berichtete am Dienstag unter Berufung auf russische und ukrainische Quellen, dass die russischen Streitkräfte infolge des schweren Regens und aufgeweichtem Terrain ihre Bodenangriffe seit Sonntag in diesem Frontabschnitt nahezu einstellen mussten. Die ukrainischen Vorstöße würden durch die Schlammzeit verlangsamt, wenn auch nicht aufgehalten.

          Lorenz Hemicker
          Redakteur in der Politik

          An einigen Brennpunkten in den ostukrainischen Gebieten Donezk und Luhansk liefern sich die Kriegsparteien laut Angaben des ukrainischen Generalstabs aber noch immer heftige Gefechte. Russland konzentriere seine Angriff auf Awdijiwka und Bachmut, hieß es. Die beiden Städte im Donezker Gebiet sind seit Monaten Ziel massiver wie verlustreicher russischer Offensivanstrengungen, die bislang aber von den Ukrainern zurückgewiesen werden konnten. Über die Räume um die Orte Kupjansk, Lyman sowie Nowopawliwka sprach der ukrainische Generalstab von einer „aktiven Verteidigung“ seiner Truppen, ebenso wie für die Front im südukrainischen Gebiet Saporischschja. Damit sind eigene Angriffe der Ukrainer gemeint.

          Keine Hoffnung auf Schutzzone um AKW

          Das von russischen Truppen besetzte Atomkraftwerk Saporischschja wurde zum Wochenauftakt nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau abermals beschossen. Acht großkalibrige Granaten seien auf einen industriellen Teil des Kraftwerks abgefeuert worden, teilte ein Sprecher der Agentur Interfax mit, ohne die Angaben genauer zu präzisieren. Aus Kiew oder von Seiten der Internationalen Atomenergiebehörde gab es hierzu zunächst keine Bestätigung. Das Atomkraftwerk Saporischschja liegt am linken Ufer des Dnipro, der von seiner Mündung bis hierhin nach der umfangreichen Frontverkürzung der Russen im Gebiet Cherson eine natürliche Barriere zwischen ukrainischen und russischen Truppen bildet. Weil die Front in diesem Abschnitt abknickt, handelt es sich um eine Scharnierstellung, die für beide Seiten eine enorme operative Rolle spielt.

          Vier IAEA-Inspekteure hatten die Anlage am Montag auf Schäden untersucht, nachdem sie am Wochenende bereits dutzende Male von Artilleriegeschossen getroffen worden war. Gefährliche Schäden oder gar einen Austritt von Radioaktivität stellten die Fachleute indes nicht fest. Hoffnung auf eine schon seit Monaten von der IAEA geforderte Schutzzone um das Kraftwerk besteht kaum. Kremlsprecher Dimitrij Peskow sagte am Dienstag, in diesem Punkt gebe es „keine nennenswerten Fortschritte“.

          Mit wesentlichen Frontveränderungen rechnen viele westliche Fachleute angesichts des Wetters und auch der materiellen und personellen Verluste auf beiden Seiten in den kommenden Wochen nicht mehr. Die gegenwärtigen Kampfhandlungen dienen demnach vor allem dazu, günstigere Ausgangsbedingungen für das Frühjahr zu schaffen, sagt der Militärforscher Ralph Rotte der F.A.Z., etwa indem die eigenen Truppen in günstigere Positionen gelangten und der Gegner zugleich bei genau diesen Anstrengungen behindert würde. Hierzu zählten auch die Angriffe auf gegnerische Infrastruktur wie zuletzt die massiven russischen Raketenattacken auf das ukrainischen Elektrizitätsnetz, Sie behinderten auch die Versorgung der ukrainischen Streitkräfte.

          Der ukrainische Energieversorger Yasno warnte am Dienstag davor, dass im Land infolge der Angriffe bis mindestens Ende März mit Stromausfällen gerechnet werden müsse. Das britische Verteidigungsministerium äußerte in seinem täglichen Bericht die Einschätzung, dass auch die russische Schwarzmeerflotte verwundbarer sein könnte als bislang angenommen. Das demonstriere ein mutmaßlicher Angriff auf ein Ölterminal nahe der südrussischen Marinebasis Noworossijsk vor wenigen Tagen.

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