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Russland im Ukrainekrieg : Prigoschin bekennt sich zur „Gruppe Wagner“

Prigoschin um Jahr 2016 Bild: AP

Jahrelang stritt der russische Geschäftsmann die Verbindung zur Söldnertruppe ab – jetzt bekundet er seinen „Stolz“ auf sie. Warum?

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          Jewgenij Prigoschin hat am Montagmorgen das offene Geheimnis gelüftet, dass er hinter der Söldnertruppe „Wagner“ steckt. Dazu lieferte der als „Putins Koch“ bekannte Geschäftsmann, der mit Verpflegungsaufträgen für die russischen Streitkräfte, Schulen und andere öffentliche Einrichtungen reich geworden ist, eine Gründungslegende: Im Jahr 2014 habe er angesichts vieler Betrüger und Unfähiger, die auf dem Gebiet aktiv seien, entschieden, selbst eine „Gruppe von Patrioten“ aufzustellen, um in der Ukraine „Russen zu schützen“.

          Friedrich Schmidt
          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Er habe selbst alte Waffen gereinigt und Spezialisten gefunden, hieß es weiter in einer Erklärung, die Prigoschins Unternehmen Concord veröffentlichte. Prigoschin schrieb seiner Truppe die „Befreiung“ von Gebieten im Donbass zu, deutete Einsätze in Syrien, anderen arabischen Ländern sowie für „benachteiligte Afrikaner und Lateinamerikaner“ an und lobte seine „tapferen Kerle“, die „eine der Stützen unserer Heimat“ seien.

          Russische Medienberichte führen „Wagner“ auf eine Gruppe namens „Slawisches Corps“ zurück, die seit 2013 in Syrien aktiv war. Auch ist berichtet worden, der russische Generalstab habe Prigoschin schon Ende der Nullerjahre vorgeschlagen, ein „privates Militärunternehmen“ zu gründen. Solche sind in Russland illegal. „Wagner“, das traditionell Veteranen aus Militär und Sicherheitskräften anzog, gilt einerseits als Schattenarmee im Dienste der militarisierten Kreml-Außenpolitik, andererseits als Wirtschaftsinstrument Prigoschins, der etwa in Syrien auch mit dem Rohstoffgeschäft verbunden wird.

          In letzter Zeit macht Prigoschin auffallend von sich reden

          Prigoschin bestritt jahrelang die Verbindung zu „Wagner“ und zog Medien, die anderes berichteten, vor Gericht. Nachdem er auf die EU-Sanktionsliste gekommen war, klagte Prigoschin im vergangenen Februar auch vor dem Gericht der Europäischen Union, bezeichnete seine Söldnertruppe als inexistent, scheiterte aber.

          In den vergangenen Wochen fiel auf, dass Prigoschin, der dem Kreml auch über ein Netzwerk von Hetzmedien dient, besonders viel von sich reden macht. Mitte September tauchte in Telegram-Kanälen ein Video auf, das einen Prigoschin „ungeheuerlich ähnelnden“ (so damals sein Unternehmen Concord) Mann zeigt, der Häftlinge in einer Strafkolonie anwirbt, die in der Ukraine kämpfen sollen; entsprechende Berichte gibt es seit dem Sommer, Tausende Häftlinge sollen mit „Wagner“ in die Ukraine gezogen sein. Prigoschin kommentierte das Video mit den Worten, wer nicht wolle, dass Söldner und Häftlinge in den Kampf zögen, solle seine eigenen Kinder dorthin schicken. Am vergangenen Freitag, zwei Tage nach der von Putin verkündeten Mobilmachung, teilte Prigoschin mit, dass sein eigener Sohn für „Wagner“ kämpfe.

          Möglicherweise will sich Prigoschin mit seiner Medienoffensive vor Putin als loyaler, verdienstvoller Akteur erweisen, gerade angesichts der militärischen Rückschläge in der Ukraine. Wladimir Ossetschkin, der (in Frankreich exilierte) Gründer des Rechtsschutzportals „Gulagu.net“, sieht ihn allerdings als „Clown“ und als „Tarnung“ für die illegale Verbringung von Häftlingen ins Kriegsgebiet, die unter anderem mit Flugzeugen des Verteidigungsministeriums und unter Kontrolle des Geheimdiensts FSB erfolge.

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