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Krieg in der Ukraine : Ortschaft im Gebiet Luhansk unter ukrainischer Kontrolle

Ukrainische Soldaten in der Nähe der unlängst zurückeroberten Stadt Isjum Bild: Reuters

Die ukrainischen Armee hat offenbar in Kupjansk einen Brückenkopf an der Ostseite des Flusses Oskil errichtet. Weiter südlich steht eine Ortschaft im zuvor vollständig besetzten Gebiet Luhansk wieder unter ukrainischer Kontrolle.

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          Neben dem Gelände des Atomkraftwerks „Südukraine“ ist in der Nacht zum Montag eine Rakete eingeschlagen. Das Kraftwerk befindet sich auf ukrainisch kontrolliertem Gebiet nördlich der Stadt Mykolajiw. Der Kraftwerksbetreiber Enerhoatom veröffentlichte auf Telegram Bilder von einem Krater, der sich 300 Meter von dem Atomkraftwerk entfernt befinden soll, und weiteren Zerstörungen.

          Robert Putzbach
          Redakteur in der Politik

          Enerhoatom gab bekannt, durch die Explosion seien zahlreiche Fensterscheiben geborsten und drei Hochspannungsleitungen zerstört worden. Dem Betreiber zufolge laufen jedoch alle drei Reaktoren normal, Menschen seien bei dem Angriff nicht zu Schaden gekommen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj machte Russland für den Angriff verantwortlich. Er schrieb zu dem Raketeneinschlag in sozialen Medien, Russland sei eine Gefahr für die ganze Welt. „Wir müssen es aufhalten, bevor es zu spät ist.“

          Offenbar ist es der Ukraine gelungen bei der Gegenoffensive im Osten des Landes einen Brückenkopf auf der östlichen Seite des Flusses Oskil zu errichten. „Die ukrainischen Streitkräfte haben den Oskil überwunden. Seit gestern kontrolliert die Ukraine auch das linke Ufer“, teilte die Pressestelle der ukrainischen Streitkräfte am Sonntag per Video auf ihrem Telegram-Kanal mit. Auf dem Video ist ein Panzer zu sehen, der den Fluss durchfährt und am anderen Ufer von ukrainischen Soldaten empfangen wird.

          Ukrainische Truppen im Gebiet Luhansk

          Zuvor gab es Berichte, dass Kiew sich die Kontrolle über den Ostteil der Stadt Kupjansk gesichert habe. Die Stadt Kupjansk wird durch den Oskil in der Mitte getrennt, die Brücke über den Fluss wurde beim hastigen Rückzug der russischen Truppen Anfang September schwer beschädigt. Seither bildet der breite Fluss eine natürliche Barriere. Dahinter errichteten die russischen Truppen eine neue Verteidigungslinie, um ein weiteres Vorrücken der ukrainischen Armee in Richtung Luhansk zu verhindern.

          Offenbar rücken ukrainische Truppen an anderer Stelle schon im Gebiet Luhansk vor. Am Montag verbreiteten sich in sozialen Medien Bilder, die ukrainische Truppen in der Ortschaft Bilohoriwka in unmittelbarer Nähe der Grenze zum Gebiet Donezk zeigen sollen. Die vollständige Einnahme der Gebiete Luhansk und Donezk wurde vom Kreml nach dem Rückzug aus den Gebieten nördlich von Kiew als primäres Kriegsziel ausgegeben.

          Zwangsmobilisierungen in den „Volksrepubliken“

          Gegen zwei Mitarbeiter der Sonderbeobachtungsmission der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit (OSZE) wurde unterdessen durch das „oberste Gericht“ der Luhansker Separatisten eine Freiheitsstrafe von 13 Jahren ausgesprochen. Ihnen wird vorgeworfen, „geheime Informationen an ausländische Geheimdienste“ weitergegeben zu haben.

          Das amerikanische Institute for the Study of War berichtet über russische Rekrutierungsbemühungen, um den Mangel an Soldaten zu kompensieren. Demnach setzt der Kreml auf die Mobilisierung von schlecht ausgebildeten Freiwilligeneinheiten, die ohne ausreichendes Training an die Front versetzt würden. Vor allem auf dem Gebiet der „Volksrepubliken“ finden derzeit vermehrt „Zwangsmobilisierungen“ statt.

          Es gibt Berichte darüber, dass Männern aus dem Gebiet Luhansk die Ausreise nach Russland verboten wird, damit diese sich den Mobilisierungsversuchen nicht entziehen können. Mitunter leisten die Bewohner gegen diese Praxis Widerstand. Ukrainische Medien berichten über den Fall einer jungen Mutter aus der Stadt Oltschewsk, die sich vor einen Bus legt, um das Fortbringen ihres zuvor zwangsweise eingezogenen Mannes zu verhindern.

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