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Die Lage in der Ukraine : „Wir alle spüren, wie unser Sieg naht“

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Ein ukrainischer Soldat umarmt am Sonntag seine Mutter, die er erstmals seit dem Rückzug der russischen Truppen aus der Region Cherson wiedersieht. Bild: Bernat Armangue/AP/dpa

Der ukrainische Präsident Selenskyj spricht seinen Landsleuten Mut zu. In der befreiten Region Cherson sollen mehr als 400 russische Kriegsverbrechen festgestellt worden sein. Lawrow vertritt Putin beim G-20-Gipfel. Der Überblick.

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          Nach dem russischen Truppenrückzug haben die ukrainischen Streitkräfte im Süden ihres Landes eigenen Angaben zufolge bislang insgesamt 179 Siedlungen zurückerobert. In den Gebieten Cherson und Mykolajiw sei in den vergangenen Tagen nordwestlich des Flusses Dnipro eine Fläche von rund 4500 Quadratkilometern befreit worden, meldete die Agentur Unian unter Berufung auf das Einsatzkommando Süd.

          Im östlichen Gebiet Donezk halten schwere Angriffe an. In Moskau werden von dort kleinere Erfolge vermeldet. Und im befreiten Cherson dokumentieren die Befreier eine Reihe russischer Kriegsverbrechen.

          Unterdessen ist der russische Außenminister Sergej Lawrow zum G-20-Gipfel in Indonesien eingetroffen – als Ersatz für Kremlchef Wladimir Putin. Bundeskanzler Olaf Scholz bedauert dessen Abwesenheit.

          Selenskyj berichtet von „Gräueltaten“ in der Region Cherson

          Ungeachtet der anhaltenden russischen Angriffe hat der ukrainische Präsident Selenskyj seinen Landsleuten Mut zugesprochen. „Wir alle spüren, wie unser Sieg naht“, sagte Selenskyj am Sonntagabend in seiner täglichen Videobotschaft. „Es gibt immer Menschen, die kämpfen und arbeiten für unseren Sieg.“ Selenskyj bedankte sich bei Soldaten, Ärzten und Diplomaten für ihren Einsatz seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs vor mehr als 260 Tagen.

          Im befreiten Cherson im Süden des Landes werde unterdessen fieberhaft daran gearbeitet, ein möglichst normales Leben wiederherzustellen. Daneben sei die „Neutralisierung“ russischer Saboteure sowie die Gefangennahme zurückgebliebener russischer Soldaten im Gange.

          Bisher seien bereits rund 400 russische Kriegsverbrechen dokumentiert worden, in der Stadt wurden nach Selenskyjs Worten auch Leichen von Zivilisten und Militärangehörigen gefunden. „In der Region Cherson beging die russische Armee dieselben Gräueltaten wie in anderen Regionen unseres Landes, in die sie eingedrungen war“, sagte Selenskyj. Aber wir werden jeden Mörder finden und vor Gericht stellen.“

          Russlands Außenminister auf Bali

          Der russische Außenminister Lawrow ist zum Gipfel der Gruppe der großen Wirtschaftsmächte (G 20) auf der indonesischen Insel Bali eingetroffen. Inmitten massiver internationaler Spannungen wegen des Angriffskriegs vertritt er dort in den kommenden Tagen Kremlchef Putin, der seine Teilnahme abgesagt hat. Russische Staatsmedien veröffentlichten ein Video, das zeigt, wie Lawrow auf Bali aus seinem Flugzeug stieg.

          Bundeskanzler Scholz bedauert die Entscheidung des russischen Präsidenten Putin, nicht teilzunehmen. „Es wäre gut gewesen, wenn Präsident Putin sich zum G-20-Gipfel begeben hätte“, sagte Scholz im vietnamesischen Hanoi. „Dann hätte er sich allerdings aussetzen müssen all den Fragen und all der Kritik, die von vielen Ländern der Welt formuliert worden ist. Vermutlich ist er deshalb nicht da.“

          Russlands Verteidigungsministerium hat über einen kleineren Erfolg im ostukrainischen Gebiet Donezk berichtet. Russische Soldaten hätten den Ort Majorsk bei der Stadt Horliwka erobert, sagte Ministeriumssprecher Igor Konaschenkow. Von ukrainischer Seite gab es dazu zunächst keine Angaben. Präsident Selenskyj hatte allerdings bereits in seiner Videoansprache am Samstagabend von derzeit besonders heftigen russischen Angriffen in Donezk gesprochen. „Dort ist es die reine Hölle“, sagte er.

          Russlands Armee hat Donezk in größeren Teilen erobert und im September – ebenso wie das Nachbargebiet Luhansk sowie Saporischschja und Cherson im Süden – völkerrechtswidrig annektiert.

          Reaktivierte Kohlewaggons aus Deutschland könnten nach Vorstellungen der Deutschen Bahn bei einem Wiederaufbau der Ukraine helfen. „Ich gehe davon aus, dass wir die Kohlewaggons, die jetzt im Einsatz sind, umbauen werden, damit wir sie anders einsetzen können“, sagte die Chefin der Bahn-Frachttochter, Sigrid Nikutta, dem Nachrichtenportal T-Online. Mit den Waggons könne alles transportiert werden, was geschüttet werden müsse, zum Beispiel Baustoffe wie Sand oder Kies.

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