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Protest gegen Putins Krieg : Russische TV-Mitarbeiterin verschwunden

  • Aktualisiert am

Marina Owsjannikowa, Mitarbeiterin beim wichtigsten Staatsfernsehsender Perwij Kanal, hat am Montagabend das Nachrichtenprogramm „Wremja“ gestört. Bild: CHANNEL ONE via REUTERS

Die Frau hatte am Montag im russischen Staatsfernsehen gegen den Ukrainekrieg protestiert – und wurde inhaftiert. Ihre Anwälte dürfen offenbar keinen Kontakt mehr zu ihr aufnehmen.

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          Die Frau, die im russischen Live-Fernsehen gegen den Ukraine-Krieg protestiert hat, ist laut EU-Angaben verschwunden. „Ihre Anwälte dürfen keinen Kontakt zu ihr aufnehmen“, fügte der Sprecher des EU-Chefdiplomaten Josep Borrell am Dienstag hinzu. Der Protest sei das jüngste Beispiel einer mutigen Haltung, welche die Lügen und Propaganda des Kremls widerlege. Russlands Regierung setze ihre Unterdrückung der einheimischen Opposition und der friedliebenden Bevölkerung fort und verweigere ihnen Grundrechte wie die Meinungsfreiheit.

          Die TV-Mitarbeiterin hatte am Montagabend mit einem Protestplakat gegen Russlands Krieg in der Ukraine die Hauptnachrichtensendung des russischen Staatsfernsehens unterbrochen und damit weltweit eine Welle der Anerkennung ausgelöst. Der Mitschnitt der Szene, in der sie mit einem handgeschriebenen Plakat hinter der Nachrichtensprecherin auftaucht, wurde am Dienstag vielfach unter anderem auf Twitter geteilt. „Was Mut wirklich bedeutet“, schrieb etwa der russischstämmige Pianist Igor Levit dazu.

          Auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bedankte sich bei der Frau. Allerdings hätten Anwälte der Bürgerrechtsorganisation IWD-Info sie mehr als zehn Stunden nach der Protestaktion nicht kontaktieren können, schrieb der ehemalige Chefredakteur des geschlossenen Radiosenders Echo Moskwy, Alexej Wenediktow, auf Twitter.

          Die Frau war am Montagabend während der Live-Übertragung hinter der Nachrichtensprecherin ins Bild gesprungen und hatte ein Schild mit den Worten hochgehalten: „Stoppt den Krieg. Glaubt der Propaganda nicht. Hier werdet ihr belogen“. Dazu rief sie mehrmals laut: „Nein zum Krieg!“ Auf dem Papier waren zudem die Landesfahnen der Ukraine und Russlands abgebildet. Der Sender schaltete nach wenigen Sekunden zu einem Videobeitrag.

          „Was in der Ukraine geschieht, ist ein Verbrechen“

          Laut russischen Medienberichten und Journalisten heißt die Frau Marina Owsjannikowa und ist eine Mitarbeiterin des Staatssenders. Im Netz verbreitete sich ein zuvor aufgenommenes Video, in dem sie sagt, sie schäme sich dafür, jahrelang Kreml-Propaganda verbreitet zu haben. „Was in der Ukraine geschieht, ist ein Verbrechen.“ Verantwortlich für die Aggression sei nur der russische Präsident Wladimir Putin. Sie rief ihre Landsleute dazu auf, gegen den Krieg zu protestieren. „Es liegt nur an uns, diesen ganzen Wahnsinn zu beenden.“ Die Behörden könnten nicht alle einsperren.

          Das Lager des russischen Oppositionsführers Alexej Nawalnyj will die Frau unterstützen. Man wolle die Strafen übernehmen, die gegen sie verhängt werden könnten, schrieb Maria Pewtschich von Nawalnyjs Organisation FBK am Dienstag ebenfalls auf Twitter.

          Frankreichs Präsident Emmanuel Macron will der russischen Journalistin unterdessen konsularischen Schutz bieten. „Wir leiten diplomatische Maßnahmen ein, damit sie unter den Schutz der (französischen) Botschaft gestellt wird“, sagte Macron am Dienstag beim Besuch einer Aufnahmestelle für ukrainische Flüchtlinge im Département Maine-et-Loire. Darüber wolle er auch „sehr direkt“ bei seinem nächsten Telefonat mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin sprechen. „Frankreich verurteilt jede Inhaftierung von Journalisten“, so Macron.

          In Russland drohen hohe Strafen für angebliche Falschinformationen über die russischen Streitkräfte bis hin zu 15 Jahren Gefängnis. Der Krieg in der Ukraine wird in den Staatsmedien stets nur als „militärische Spezialoperation“ bezeichnet. Der Sender will prüfen, wie es zu dem Vorfall kommen konnte.

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