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Raketenangriffe auf Ukraine : Putin droht mit noch härterer „Antwort“

Feuer in der Kiewer Innenstadt Bild: Reuters

Zahlreiche ukrainische Städte werden von einer Welle russischer Raketenangriffe erschüttert. Moskau hatte nach den Explosionen auf der Krim-Brücke bereits mit Vergeltung gedroht – nun verschärft Putin abermals den Ton.

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          Russlands Präsident Wladimir Putin hat die Raketenangriffe gegen zahlreiche ukrainische Städte als Reaktion auf die „Terroranschläge“ gegen „russisches Gebiet“ bezeichnet. Zugleich drohte er Kiew am Montag bei einer Sicherheitsratssitzung mit einer noch härteren „Antwort“, sollten die „ukrainischen Angriffe“ fortgesetzt werden. Der frühere russische Präsident Dmitri Medwedew drohte mit neuen Raketenangriffen auf ukrainische Städte. „Die erste Episode ist vorbei. Es wird weitere geben“, schrieb Medwedew, der Vizesekretär des Sicherheitsrats ist, am Montag auf Telegram. Der ukrainische Staat sei in seiner jetzigen Form eine ständige Bedrohung für Russland. Deshalb müsse die politische Führung des Nachbarlands vollständig beseitigt werden, äußerte Medwedew. Dies sei seine „persönliche Position“.

          Alexander Haneke
          Redakteur in der Politik.
          Michaela Wiegel
          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Am Montagmorgen waren in Kiew und vielen weiteren Städten der Ukraine Explosionen gemeldet worden. Bilder in sozialen Netzwerken zeigten verschiedene Straßenkreuzungen im Zentrum der ukrainischen Hauptstadt, an denen Autos brannten und Gebäude teilweise zerstört waren. Auf anderen Bildern waren Rauchsäulen über der Stadt und ein zerstörter Spielplatz zu sehen.

          Auch ein Büroturm, in dessen oberen Etagen sich die Visa-Stelle der deutschen Botschaft befindet, wurde von einer Rakete getroffen. Allerdings gebe es dort seit Monaten „keinen Dienstbetrieb“, teilte das Auswärtige Amt mit. Viele Menschen brachten sich in Luftschutzkellern und U-Bahnhöfen in Sicherheit. Kiew ist seit Beginn der russischen Invasion zwar schon mehrmals von Raketen getroffen worden, doch waren gezielte Angriffe auf die Innenstadt selbst in der Hochphase des Kampfes um Kiew im März, als die Gefechte in den Vororten tobten, die Ausnahme.

          Im ganzen Land war am Montagmorgen Luftalarm zu hören. Einschläge wurden auch aus der Westukraine gemeldet, etwa aus Chmelnyzkyj, Lemberg, Schytomyr, Rivne und Ternopil. Städte wie Dnipro und Charkiw im Zentrum und im Osten des Landes waren ebenfalls betroffen.

          „83 Raketen auf Ukraine abgefeuert“

          Nach ukrainischen Angaben vom Vormittag feuerte Russland 83 Raketen auf die Ukraine ab. Die Luftabwehr habe davon bis um 11.35 Uhr mindestens 43 Raketen abgeschossen, teilte die stellvertretende Verteidigungsministerin Hanna Maljar mit. Es war einer der größten koordinierten Angriffe Russlands auf die Ukraine seit Beginn des Krieges am 24. Februar. Das Verteidigungsministerium in Moskau rühmte sich, alle ausgewiesenen Ziele seien bei dem Angriff getroffen worden, etwa Miltär-, Energie- und Kommunikationsinfrastrukur. Hochpräzise Langstreckenwaffen seien zum Einsatz gekommen.

          Die Angriffe am Montagmorgen töteten mindestens elf Menschen landesweit, mindestens 64 wurden verletzt, wie der ukrainische Zivilschutz mitteilte. Allein in Kiew kamen nach Angaben von Bürgermeister Witali Klitschko fünf Menschen ums Leben, 52 wurden verletzt. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warf Russland vor, mit der Angriffswelle auf die Zivilbevölkerung und Energieanlagen gezielt zu haben. „Wir haben es mit Terroristen zu tun“, teilte Selenskyj am Montag bei Telegram mit. „Sie wollen Panik und Chaos, sie wollen unser Energieversorgungssystem zerstören.“ Das zweite Ziel seien Menschen gewesen.

          Einschlag in den 101 Tower im Zentrum von Kiew
          Einschlag in den 101 Tower im Zentrum von Kiew : Bild: dpa

          Mit Blick auf den Zeitpunkt der Angriffswelle – sie traf die Ukraine während der Hauptverkehrszeit am Montagmorgen – schrieb Selenskyj: „Sie haben speziell eine solche Uhrzeit und solche Ziele gewählt, um so viel Schaden wie möglich anzurichten.“ Selenskyj rief die Zivilbevölkerung in seinem Land auf, in den Luftschutzräumen zu bleiben und sich an die Sicherheitsregeln zu halten.

          Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba nannte Russlands Präsident Wladimir Putin „einen Terroristen, dessen Sprache Raketen sind“. Putins einzige Taktik sei Terror gegen friedliche ukrainische Städte, aber er werde die Ukraine nicht zerstören. Die Raketenangriffe seien auch Putins Antwort auf alle Beschwichtiger, die mit ihm über Frieden reden wollten, schrieb Kuleba auf Twitter.

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