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Kampf um Sewerodonezk : Eine schreiende Anklage gegen Putin

Ein Weg bei Sewerodonezk in einer Aufnahme vom 8. Juni Bild: dpa

Der Kampf der ukrainischen Truppen um Sewerodonezk war trotz des nun angeordneten Rückzugs nicht sinnlos. Ihr Widerstand kann andere ukrainische Städte vor diesem Schicksal bewahren.

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          Dass der Moment kommen würde, an dem die ukrainischen Truppen Sewerodonezk verlassen müssen, war seit Wochen absehbar. Ihnen stehen dort quantitativ vielfach überlegene Angreifer gegenüber. Die russischen Streitkräfte haben ihre Aktionen auf das Gebiet um die Stadt konzentriert, weil der Kreml als symbolischen Erfolg die vollständige Eroberung des kleinen Teils des Gebiets Luhansk verbuchen will, der noch unter ukrainischer Kontrolle steht.

          Dieses Ziel ist auch jetzt noch nicht erreicht. Wenn die Invasoren weiter so langsam vorrücken, werden noch Wochen vergehen, bis die russische Propaganda zynisch die „Befreiung“ der ganzen „Volksrepublik Luhansk“ verkünden kann.

          Sewerodonezk ist vollständig zerstört, die ukrainischen Truppen haben in ihrem Abwehrkampf große Verluste erlitten. Sinnlos waren sie trotz des nun angeordneten Rückzugs nicht. Indem sie dort der Invasionsarmee über Wochen vermutlich ebenso hohe Verluste zugefügt haben, haben die Verteidiger die Wahrscheinlichkeit verringert, dass noch mehr ukrainische Städte ein solches Schicksal erleiden müssen.

          Die vielen Tausend gewaltsam beendeten Leben, auch die körperlichen und psychischen Folgen der Straßenkämpfe für Soldaten auf beiden Seiten machen Sewerodonezk zu einer weiteren schreienden Anklage gegen die Kriegsverbrecherbande im Kreml, die diesen Krieg begonnen hat.

          Reinhard Veser
          Redakteur in der Politik.

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