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Ukraine-Konflikt : Separatistenführer droht mit „zweitem Stalingrad“

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Ein prorussischer Separatist zielt an einer Kontrollpunkt nahe der Stadt Donezk auf eine Einheit der ukrainischen Armee Bild: AFP

Die prorussischen Separatisten geraten gegenüber der ukrainischen Armee in die Defensive. Die Aufständischen verloren mehrere Panzer, etliche Kämpfer sind gefallen. Einer ihrer Führer droht nun mit einem Häuserkampf nach historischem Vorbild.

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          Der prorussische Separatistenführer Alexander Borodai bereitet sich auf einen Häuserkampf in der von ukrainischen Truppen umstellten Millionenstadt Donezk vor. „Wir werden durchhalten bis zum Ende“, sagte der selbsternannte Ministerpräsident der sogenannten Volksrepublik Donezk in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Wenn die Ukrainer eine Offensive starten, wird es ein zweites Stalingrad geben.“ Damit spielte er auf einer blutigsten Schlachten  des Zweiten Weltkriegs an.    

          Die prorussischen Separatisten in der Ostukraine erlitten nach eigenen Angaben im südlichen Teil des Kampfgebietes Verluste. Am Mittwoch und Donnerstag seien zwei Kampfpanzer, zwei Schützenpanzer und ein Mannschaftstransporter verloren gegangen, teilte Igor Strelkow mit, Verteidigungsminister der nicht anerkannten Volksrepublik Donezk.

          50 Mann seien verletzt oder getötet worden. Auch die ukrainische Seite berichtete von Kämpfen in dem Gebiet um Marinowka. Die Kiew-treuen Truppen halten dort einen schmalen Streifen entlang der russischen Grenze. Im Norden des Kampfgebietes zogen die Separatisten nach Strelkows Angaben ihre Hauptkräfte aus der Stadt Lisitschansk ab. Unabhängige Berichte über die Kämpfe gab es nicht.

          Zuvor hatte die ukrainische Armee mitgeteilt, die pro-russischen Rebellen  weitgehend in ihre zwei Hochburgen Donezk und Lugansk zurückgedrängt zu haben. Positionen außerhalb der Städte, etwa in Dörfern und Vororten, würden von den Separatisten verlassen, teilte das Militär am Donnerstag mit. Die Angriffsposition der eigenen Truppen werde dadurch gestärkt. Panzerfahrzeuge würden rund um die Städte Donezk, Horliwka und Ilowaisk in Stellung gebracht.

          Im Laufe der vergangenen Nacht war im Süden und im Nordwesten der von den Rebellen gehaltenen Stadt Donezk abermals Artilleriefeuer zu hören. Durch Schäden an Dutzenden von Umspannstationen fiel in mindestens einem Stadtviertel der Millionenstadt der Strom aus.

          Am Vortag waren zwei ukrainische Kampfflugzeuge abgestürzt. Die Moskauer Regierung widersprach am Donnerstag Angaben des ukrainischen Sicherheitsrats, wonach die Raketen von russischem Territorium aus abgefeuert worden seien.

          Niederlande wollen internationale Polizeitruppe

          Derweil holten Militärtransporter aus den Niederlanden und Australien am Donnerstag 74 Leichen aus der ukrainischen Stadt Charkiw ab. Die Regierung in Den Haag forderte unterdessen eine internationale Polizeitruppe, um Ermittler an der Absturzstelle von Flug MH17 zu schützen. Es gehe nun darum, Klarheit über die Ursache zu erlangen und die Täter zu verfolgen und zu bestrafen. Bei dem mutmaßlichen Abschuss der malaysischen Boeing 777-200 über der Ostukraine waren vor einer Woche 298 Menschen getötet worden. 193 von ihnen stammten aus den Niederlanden.

          Die australische Außenministerin Julie Bishop und der niederländische Außenminister Frans Timmermans bei ihrer Ankunft in Kiew

          Der niederländische Außenminister Frans Timmermans traf am Donnerstag mit seiner australischen Kollegin Julie Bishop in der ukrainischen Hauptstadt Kiew ein, um das weitere Vorgehen zu beraten. Die Niederlande und Australien bereiten nach Medienberichten eine Resolution für den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen vor, um den Einsatz einer bewaffneten Einheit in dem Katastrophengebiet zu ermöglichen.

          Schon am Mittwoch kamen die ersten Opfer des Flugzeugabsturzes in den Niederlanden an

          Die Militärmaschinen mit den Särgen an Bord sollten gegen 16.00 Uhr in Eindhoven landen. Dort waren am Vortag auch die ersten 40 Toten eingetroffen, erwartet vom niederländischen Königspaar, Ministerpräsident Mark Rutte und vielen Angehörigen der Opfer. Tausende Menschen verfolgten an der Strecke den Konvoi von Leichenwagen, der die Toten in eine Kaserne in Hilversum brachte. Dort sollen die Absturzopfer von 75 Gerichtsmedizinern identifiziert werden. Auch Malaysia und Neuseeland entsandten Forensiker zur Hilfe in die Niederlande. Bis Freitag sollen alle bislang geborgenen sterblichen Überreste in die Niederlande gebracht werden.

          Die Identifizierung wird nach Einschätzung von Experten Wochen oder Monate dauern. In Farnborough in Großbritannien untersuchten internationale Fachleute die zwei Flugschreiber der Boeing.

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