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Ukraine-Konflikt : Separatisten schießen Militärflugzeug ab

  • Aktualisiert am

In der Ostukraine gehen die Kämpfe weiter. Unter anderem haben die Separatisten ein Transportflugzeug der Armee abgeschossen Bild: AFP

Im Osten der Ukraine eskaliert die Lage weiter: Eine ukrainische Militärmaschine wurde von einer Rakete abgeschossen. Die Regierung in Kiew behauptet, sie wurde von russischem Territorium aus abgefeuert.

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          Ein ukrainisches Militärflugzeug ist nach Angaben der Regierung am Montag in der Ostukraine abgeschossen worden. Das Transportflugzeug sei von einer Rakete getroffen worden, die „wahrscheinlich“ von russischen Territorium aus abgeschossen worden sei, teilte das Verteidigungsministerium auf der Internetseite des Präsidialamtes mit.

          Zuvor hatten die Separatisten schon bekannt gegeben ein Militärflugzeug abgeschossen zu haben. Vor dem Aufprall der Transportmaschine auf dem Boden seien drei Fallschirme am Himmel gesichtet worden, das Gebiet werde nun nach Überlebenden abgesucht, erklärten die Separatisten am Montag. Davor hatte die ukrainische Armee ein Flugzeug vom Typ AN-26 als vermisst gemeldet, das bis zu 20 Menschen an Bord nehmen kann.

          Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hat indes Russland eine direkte Beteiligung an den Gefechten im Osten seines Landes vorgeworfen. Offiziere der russischen Armee kämpften auf Seiten der Separatisten auf ukrainischem Territorium, erklärte Poroschenko am Montag auf seiner Internetseite. Außerdem sei in den vergangenen drei Tagen ein neues russisches Raketensystem gegen die ukrainische Armee eingesetzt worden.

          Die Regierungstruppen durchbrachen nach eigenen Angaben die Blockade des Flughafens von Luhansk. Kampfflugzeuge hätten den Separatisten dabei schwere Verluste zugefügt. Auch ein Konvoi bewaffneter Fahrzeuge sei beschossen worden, der nach Darstellung der Regierung von Russland aus die Grenze überquert hatte. Das ukrainische Präsidialamt erklärte, es werde ausländischen Diplomaten Beweise dafür vorlegen, dass Militärtechnik von Russland aus zu den Separatisten gebracht worden sei.

          Kreml erwägt „punktuelle Antwortschläge“

          Nach dem Tod eines Russen durch die Explosion einer Granate, die von ukrainischer Seite auf russisches Territorium abgefeuert worden sein soll, erwägt Moskau „punktuelle Antwortschläge“ gegen das Nachbarland. Diese Möglichkeit werde geprüft, zitierte die Zeitung „Kommersant“ am Montag eine „dem Kreml nahestehende Quelle“. Der Sprecher von Präsident Wladimir Putin wies den Bericht jedoch als „Quatsch“ zurück und sagte, Russland erwäge keine „Schläge“ gegen die Ukraine.

          Schon am Sonntag hatte das russische Außenministerium Kiew mit „unumkehrbaren Folgen“ gedroht, für welche  die „ukrainische Seite“ die Verantwortung trage. Am Sonntagmorgen war ein  Bewohner der russischen Grenzstadt Donezk - sie heißt wie die benachbarte ukrainische Millionenstadt - durch eine Granate getötet worden, die im Hof seines Wohnhauses explodiert war. Durch eine weitere Granate wurden zwei Frauen in der Nachbarschaft verletzt.

          Nach offiziellen russischen Angaben flogen am Sonntagmorgen insgesamt sieben Granaten auf russisches Territorium. Währenddessen kämpfte angeblich die ukrainische Armee mit Separatisten der selbst ausgerufenen „Luhansker Volksrepublik“ um den nahen  Grenzübergang Isbarino. Dieser ist schon seit gut zwei Wochen Ort bewaffneter  Auseinandersetzungen. Der „Kommersant“ schrieb, Isbarino sei einer der letzten  Grenzpunkte, über den die Separatisten weiterhin „Freiwillige und humanitäre  Güter“ erhielten.

          Schon vor Sonntag hatte die russische Seite mehrfach Beschuss  aus der Ukraine gemeldet. Mit Blick auf den Vorfall am Sonntagmorgen, bei dem  erstmals eine Person getötet wurde, hat die Regierung in Kiew die russischen  Vorwürfe zurückgewiesen und angedeutet, die Separatisten hätten die Granaten  abgefeuert, um die Armee zu beschuldigen. Die Separatisten, die ein offenes  militärisches Eingreifen Moskaus in der Ukraine fordern, wiesen hingegen der  ukrainische Armee die Verantwortung zu und beklagten zudem einen „Mangel an  Munition“.

          Weitere Tote bei Gefechten

          Unterdessen haben die prorussischen Separatisten in der Ostukraine bei Luftschlägen durch ukrainische Streitkräfte nach eigener Darstellung 30 Kämpfer in den eigenen Reihen verloren. Die Aufständischen seien bei einem Beschuss des Ortes Aleksandrowka getötet worden, teilte der Sprecher des Informationszentrums Südost-Front, Konstantin Knyrik, am Montag mit.

          Das Verteidigungsministerium in Kiew bestätigte, dass es am Sonntag fünf Luftschläge gegeben habe. „Der Feind hat bedeutende Verluste erlitten“, teilte das Ministerium mit. Auch Kampftechnik sei zerstört worden.

          Die prorussischen Kräfte wiesen zurück, dass der Flughafen von Luhansk nun unter Kontrolle der ukrainischen Truppen sei. Alle Angriffe seien abgewehrt worden. Die Stadtverwaltung von Luhansk appellierte an die Einwohner, nicht auf die Straße zu gehen.

          Die Separatisten berichteten auch von andauernden Kämpfen in Donezk. Die russische Migrationsbehörde teilte mit, dass immer mehr Ukrainer Zuflucht suchten in ihrem Nachbarland. Mehr als 30.000 Menschen hätten inzwischen den Flüchtlingsstatus oder zeitweiliges politisches Asyl beantragt, sagte Behördenchef Konstantin Romodanowski der Agentur Interfax zufolge. Die Zahl der Hilfesuchenden steige weiter.

          Am Wochenende hatte die Regierung mitgeteilt, ihre Streitkräfte hätten 1000 Separatisten getötet. Die Rebellen erklärten demgegenüber, sie hätten keine großen Verluste erlitten. Die jüngste Offensive der Regierungstruppen war nach einem Raketenangriff auf Armee-Einheiten gestartet worden, bei dem nach Regierungsangaben 23 Soldaten ums Leben kamen.

          Poroschenko, der anfangs wegen der Gefahren für die Zivilbevölkerung Luftangriffe ausgeschlossen hatte, befahl sie nach diesem Angriff und kündigte an: „Für das Leben jedes Soldaten werden die Aufständischen mit Dutzenden und Hunderten ihrer Leben bezahlen.“

          In Berlin appellierte die Bundesregierung am Montag abermals an die ukrainische Führung, beim Vorgehen gegen die Separatisten die Verhältnismäßigkeit zu wahren. „Wir rufen alle Seiten dazu auf, in dieser brenzligen Lage alles zu tun, damit die Situation nicht völlig außer Kontrolle gerät“, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes.

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