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Ukraine-Konflikt : Armee umstellt Rebellenhochburg Luhansk

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Die humanitäre Lage um Luhansk ist kritisch Bild: dpa

Die prorussischen Rebellen geraten immer stärker in die Defensive. Eigenen Angaben zufolge hat die ukrainische Armee die umkämpfte Stadt Luhansk umstellt. Der russische Konvoi kann deshalb die Grenze nicht überqueren und hat vorerst gestoppt. 

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          Die ukrainische Armee hat die Rebellenhochburg Luhansk von der russischen Grenze abgeschnitten und damit vollständig eingeschlossen. Die Regierungstruppen hätten die letzte Verbindungsstraße nach Russland unter ihre Kontrolle gebracht, sagte ein Armeesprecher. Der umstrittene russische Konvoi mit Essen und Stromgeneratoren musste seine Fahrt deshalb kurz vor der Grenze stoppen. Unterdessen verkündete der Militärkommandeur der Separatisten in der Ostukraine, der Russe Igor Girkin (genannt Strelkow), seinen Rücktritt. Auch der Luhansker „Regierungschef“ Waleri Bolotow zog sich wegen einer Verletzung zurück.

          Die Regierungstruppen versuchen seit Wochen, die beiden Rebellenhochburgen Luhansk und Donezk zu erobern, doch leisten die prorussischen Separatisten erbitterten Widerstand. Die Armee verstärkte am Donnerstag ihren Beschuss der beiden Industriestädte im Osten des Landes. Beim Einschlag mehrerer Mörsergranaten in der Innenstadt von Donezk wurden zwei Menschen getötet und sieben weitere verletzt, wie die örtliche Verwaltung mitteilte.

          Demnach gab es in der Region Donezk in den vergangenen drei Tagen 74 Tote und 116 weitere Verletzte. In Luhansk wurden laut einem örtlichen Behördenvertreter bei Artillerieangriffen binnen 24 Stunden mindestens 22 Einwohner getötet. Die Regierungstruppen meldeten neun Verluste. Die Vereinten Nationen hatten am Mittwoch mitgeteilt, die Opferzahl im Osten der Ukraine habe sich in den letzten zwei Wochen auf 2086 fast verdoppelt. Dies sei eine „sehr vorsichtige Schätzung“.

          Die humanitäre Lage in Luhansk ist besonders schwierig, da es seit zwei Wochen keinen Strom und kein Wasser mehr gibt. Auch Lebensmittel und Treibstoff sind knapp. Moskau entsandte am Dienstag knapp 300 Lastwagen, um der notleidenden Bevölkerung in Luhansk zu Hilfe zu kommen. Doch gibt es seit Tagen Streit um den Konvoi. Kiew und der Westen befürchten, dass die Hilfen vor allem den Separatisten zugute kommen oder der Konvoi gar als Deckmantel für eine Militärintervention dient. Durch die Einkesselung der Stadt wird der russische Konvoi aber kaum in die Stadt kommen.

          Bild: F.A.Z.

          Die ukrainische Regierung schickte derweil einen eigenen Hilfskonvoi in die umkämpften Gebiete zu schicken. Insgesamt seien 75 Lastwagen aus Kiew, Charkow und Dnjepropetrowsk unterwegs ins Krisengebiet, sagte Irina Geraschtschenko von der Präsidialverwaltung. Trotz heftiger Kämpfe sollten erste Lastwagen noch am Donnerstag ihr Ziel erreichen. Die Regierung tue alles, damit die Lieferungen in Luhansk ankommen.

          Derweil erklärte die Rebellenführung der selbst erklärten „Volksrepublik Donezk“, sie habe den Rücktritt des Russen Igor Strelkow als „Verteidigungsminister“ angenommen. Laut Kiew heißt Strelkow in Wahrheit Girkin und ist Oberst des russischen Militärgeheimdienstes. Auch der Regierungschef von Luhansk, Waleri Bolotow, teilte mit, er gebe seinen Posten wegen Verletzungen vorübergehend auf. Seine Aufgaben übernehme sein „Verteidigungsminister“ Igor Plotnitski. Vergangene Woche hatte bereits der „Regierungschef“ von Donezk, Alexander Borodaj, seinen Posten abgetreten.

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