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Feuerpause in der Ukraine : Russen machen für „Antwortfeuer“ eine Ausnahme

Dieses Haus in Cherson soll am Freitag durch russischen Beschuss zerstört worden sein. Bild: AP

Trotz der russischen Ankündigung, während des orthodoxen Weihnachtsfests die Waffen schweigen zu lassen, dauern die Kampfhandlungen in der Ukraine an. Im gesamten Land wurde Luftalarm ausgerufen.

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          Russlands Militär teilte am Freitag mit, um zwölf Uhr mittags Moskauer Zeit „das Feuer entlang der ganzen militärischen Kontaktlinie in der Ukraine“ eingestellt zu haben. Im angegriffenen Land aber war davon zunächst nicht viel zu spüren: Um 12.45 Uhr Kiewer Zeit wurde ukrainischen Medien zufolge im gesamten Land Luftalarm ausgerufen.

          Robert Putzbach
          Redakteur in der Politik
          Friedrich Schmidt
          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Etwa um dieselbe Zeit meldete ein Militärbeobachtungsblog das Abheben russischer Kampfflugzeuge von belarussischen Militärflugplätzen. Darüber hinaus dauerten auch die Gefechte in den umkämpften Gebieten im Osten des Landes an. Aus der ukrainisch kontrollierten Stadt Kramatorsk in der Region Donezk wurden am Freitagmittag Beschuss und Zerstörungen gemeldet.

          Erwartungsgemäß machte das russische Verteidigungsministerium Kiew für das Andauern der Kampfhandlungen verantwortlich. Immerhin war es Russlands Präsident Putin, der die Feuerpause am Donnerstagabend angeordnet hatte – und als Ort der angeblichen Waffenruhe ebenfalls „die Ukraine“ benannt hatte, obwohl weite Teile des Kriegsgebiets seit den russischen Annexionen des vergangenen Herbsts nach Kreml-Darstellung zu Russland gehören sollen.

          Es blieb nicht die einzige Merkwürdigkeit. Die Feuerpause sollte nach russischer Darlegung bis Samstag um Mitternacht gelten, aber nicht für „Antwortfeuer“. Als solches bezeichnete das Verteidigungsministerium am Freitag nach Inkrafttreten der angeblichen Feuerpause den Beschuss ukrainischer Stellungen in den Gebieten Luhansk und Saporischschja, verbunden mit der üblichen Erfolgsmeldung, die Ziele seien zerstört worden.

          Die ukrainische Regierung teilte am Freitag mit, ihre Soldaten haben vor allem im östlichen Donezker Gebiet wieder angegriffen. „Auf diese Weise gratulieren sie den Besatzern zum bevorstehenden Weihnachten!“, schrieb das Verteidigungsministerium in Kiew. In Bachmut seien Stellungen der Russen mit 120-Millimeter-Mörsergranaten als „Geschenk“ beschossen worden.

          Putin hatte sich bei seiner Ankündigung auf einen Appell von Patriarch Kyrill berufen. Das Oberhaupt der kremltreuen Russischen Orthodoxen Kirche hatte „alle Seiten, die in den brudermörderischen Konflikt einbezogen sind“, zu einer Feuerpause aufgerufen, damit Gläubige Gottesdienste zum orthodoxen Weihnachtsfest besuchen können. Im vergangenen April war ein Vorstoß von UN-Generalsekretär António Guterres nach einer österlichen Waffenruhe in Moskau noch auf taube Ohren gestoßen.

          Nun hatte Putin auch die „ukrainische Seite“ aufgerufen, eine Feuerpause einzuhalten. Davon indes wollte Kiew nichts wissen. Aus dem Büro von Präsident Wolodymyr Selenskyj wurde Kyrills Aufruf als „zynische Falle und Element der Propaganda“ bezeichnet. Kyrills Kirche – die Putins Invasion unterstützt und religiös verbrämt – sei eine „Kriegspropagandistin“, sagte der Berater Mychajlo Podoljak. Russland müsse die besetzten Gebiete verlassen, erst dann beginne eine „einstweilige Waffenruhe“.

          Die stellvertretende ukrainische Ministerpräsidentin Iryna Weresch­tschuk warnte am Freitag vor Angriffen auf Kirchen, die von den russischen Besatzern vorbereitet werden. Der amerikanische Präsident Joe Biden sagte, Putin versuche, sich eine Atempause zu verschaffen. Am 25. Dezember und an Silvester habe Putin Krankenhäuser, Kindergärten und Kirchen bombardiert, hob er hervor.

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