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Hackerangriff : Ukrainische Regierungswebsites attackiert

Das ukrainische Außenministerium in Kiew war Opfer eine Cyberattacke. Bild: dpa

Mehrere Internetauftritte der ukrainischen Regierung waren am Freitagmorgen nicht zugänglich. In einem Text wurde den Ukrainern gedroht: „Bereitet Euch auf das Schlimmste vor.“

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          In der Nacht von Donnerstag auf Freitag haben Hacker mehrere ukrainische Regierungswebsites angegriffen. Betroffen waren unter anderen die Internetauftritte des Kabinetts, des Außenministeriums, des Katastrophenschutzes, des Energieministeriums und des Bildungsministeriums. Auf der Startseite des ukrainischen Außenministeriums war ein Text zu lesen, in dem es auf Ukrainisch, Russisch und Polnisch heißt, alle Daten auf den Computern seien unwiederbringlich gelöscht, die persönlichen Daten der Ukrainer würden im allgemein zugänglichen Netz veröffentlicht: „Fürchtet Euch und erwartet das Schlimmste!“

          Reinhard Veser
          Redakteur in der Politik.

          Betroffen von den Hackerangriffen war auch die Website der App „Dija“. Diese im Frühjahr 2020 in Betrieb genommene Smartphone-App können Ukrainer nutzen, um sich elektronisch auszuweisen und staatliche Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen. Laut ukrainischen Medien war nur die Website betroffen, die App selbst funktionierte. Die ukrainische Behörde für Datensicherheit teilte am Morgen über Facebook mit, bei den Angriffen seien keine persönlichen Daten von Ukrainern abgeflossen. Erste Ermittlungen deuteten laut der Behörde darauf hin, dass die Angreifer aus Russland gekommen seien. Um eine Ausweitung des Angriffs zu verhindern und um die technischen Problem zu lokalisieren, seien weitere staatliche Websites vom Netz genommen worden. Offizielle Angaben zu den Hintergründen der Attacken gab es zunächst nicht. Der ukrainische Geheimdienst teilte mit, er untersuche den Vorfall.

          In dem Text auf der Website des Außenministeriums heißt es an die Adresse der Ukrainer: „Das ist für eure Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Für Wolhynien, die OUN UPA, für Galizien, für Polesien und für die historischen Gebiete.“ Dieser Text spielt auf polnisch-ukrainische Konflikte an. In den genannten Regionen im Westen der Ukraine war es während des Zweiten Weltkriegs zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen ukrainischen und polnischen Partisanen gekommen, bei denen vor allem ukrainische Nationalisten der sogenannten Ukrainischen Aufstandsarmee UPA Massaker an der polnischen Zivilbevölkerung verübten.

          Der Ausdruck von den „historischen Gebieten“ indes entspricht dem russischen Sprachgebrauch; er wurde auch von Präsident Putin schon als Bezeichnung für die Ukraine verwendet. Polnische Medien wiesen darauf hin, dass die polnischsprachige Version des Textes mehrere Formulierungen enthalte, die Muttersprachler nicht verwenden würden.

          Seit Beginn der russischen Aggression gegen die Ukraine 2014 gab es immer wieder Angriffe auf ukrainische Internetressourcen. Russische Hacker haben 2007 erstmals in einem internationalen Konflikt auf sich aufmerksam gemacht. Damals wurden Websites von Behörden und Banken in Estland attackiert, nachdem ein sowjetisches Kriegerdenkmal in der Hauptstadt Tallinn gegen russischen Protest aus dem Zentrum auf einen Kriegsgräberfriedhof am Stadtrand verlegt worden war.

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