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Ukraine-Gipfel in Paris : Knickt Selenskyj beim ersten Treffen mit Putin ein?

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am vergangenen Freitag in der Donetsk-Region. Bild: Reuters

Vor dem Normandie-Gipfel in Paris fürchten viele Ukrainer eine „Kapitulation“ ihres Präsidenten. Wolodymyr Selenskyj will dort mit Nachdruck für den Frieden verhandeln. Sein Gegenüber, Wladimir Putin, hat aber wenig zu verlieren.

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          Dass die sieben an diesem Abend in Kiew versammelten Männer nicht mehr in russischen Gefängnissen sitzen, verdanken sie dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Der mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin ausgehandelte Gefangenenaustausch im September dieses Jahres sollte der Anfang seiner Erfolgsgeschichte in den Verhandlungen mit Russland sein. Doch drei Monate später will keiner der anwesenden Männer Partei ergreifen für Selenskyj. Dankbar seien sie schon, sagt einer, doch viel größer ist die Angst, dass ihr Präsident an diesem Montag in Paris einknickt, dass das, was er aushandelt, einer „Kapitulation“ gegenüber Russland gleichkommt.

          Sofia Dreisbach

          Redakteurin in der Politik.

          Für Selenskyj steht bei dem Treffen im sogenannten Normandie-Format an diesem Montag mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron und Putin viel auf dem Spiel. Im Wahlkampf Anfang des Jahres hatte er Hoffnungen auf einen Frieden in der Ostukraine geweckt. So will der ukrainische Präsident es nun schon als Sieg verstanden wissen, dass nach drei Jahren überhaupt wieder ein Treffen der vier Staats- und Regierungschefs stattfindet, bei dem es um den Friedensprozess geht. Zum ersten Mal trifft Selenskyj dabei persönlich auf Putin – und genau das fürchten viele Ukrainer. Oleg Senzow, der prominenteste Rückkehrer des Gefangenenaustauschs, warnte im November vor dem EU-Parlament davor, dem russischen Präsidenten zu trauen: „Russland und Putin werden Sie ohne Zweifel betrügen.“

          Von Beginn an misstrauisch

          Selenskyj ist ein Neuling in der Politik, seit Mai im Amt. Zuvor war er Geschäftsmann, Schauspieler und Komiker. In einem Interview mit dem amerikanischen Magazin „Time“ sagte er jüngst: „Ich vertraue niemandem.“ Auch seine Sprecherin Julija Mendel versicherte im Hinblick auf Paris in der vergangenen Woche in Kiew, man sei sich bewusst, dass es „Manipulationen“ geben werde. Doch es könne keinen Dialog geben, wenn man jemandem sage, er sei „verrückt“, und gleichzeitig etwas fordere. Mit dem Personalwechsel in der Ukraine biete sich eine neue Chance. „Es wird definitiv nicht drei gegen einen sein, und dieser eine ist Selenskyj“, sagte Mendel.

          In einer Talkshow hob Selenskyj drei Tage vor dem Treffen in Paris hervor, die Ukraine wolle ein gleichberechtigter Partner in den Gesprächen sein, nicht „das Gericht, das den großen Chefs serviert“ werde. Mendel sagte zur Verhandlungsstrategie der Ukraine, auch für Russland gebe es „wichtige Themen“. „Deswegen glauben wir, dass es eine Lösung geben kann.“ Auf dem Papier liest sich Selenskyjs Bemühen um einen Frieden in der Ostukraine zunächst denn auch wie ein Erfolg: Im September der Gefangenenaustausch, 35 Häftlinge aus der Ukraine gegen 35 aus Russland, die erste Abmachung dieser Art seit Jahren. Im Oktober die Bestätigung der sogenannten Steinmeier-Formel – eine der russischen Bedingungen dafür, dass der erste Normandie-Gipfel seit 2016 stattfinden kann.

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