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Revolution in Kiew : Wie kam es zum Blutbad auf dem Majdan?

Der Majdan im Februar 2014: Ein Demonstrant schießt mit einer Schleuder. Bild: dpa

Über die Hintergründe des Blutbades auf dem Majdan ist bis heute nicht viel bekannt. Nach offiziellen Angaben sind bei der Kiewer Revolution 102 Demonstranten und 13 Polizisten getötet worden. Eine Spurensuche in Kiew.

          7 Min.

          Kiew vor einem Jahr: In der ukrainischen Hauptstadt wankt die Herrschaft des Präsidenten Viktor Janukowitsch. Seit er im November 2013 Kurs auf Moskau genommen hat, sind die Bürger auf den Straßen. Obwohl die Gewalt eskaliert, obwohl Menschen verschwinden und Heckenschützen auf die Menschen schießen, sind stets Tausende auf dem Majdan, dem verbarrikadierten Protestlager im Stadtzentrum. Am 20. Februar, einem Donnerstag, erreicht die Konfrontation ihren Höhepunkt. Schüsse peitschen über die Barrikaden. Menschen brechen zusammen. Noch am selben Tag gehen über Youtube die Videobilder durch die Welt, die das Schicksal Janukowitschs besiegeln: Vermummte Schützen in Polizeiuniform schießen in die Menge. Die Maskierten feuern minutenlang auf jeden, der ihnen vors Visier gerät, obwohl in dem Augenblick, den die Aufnahmen zeigen, von einem Angriff der Demonstranten oder gar von einer Notwehrsituation keine Rede sein kann. Es ist ein kalt angerichtetes Blutbad.

          Konrad Schuller
          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Noch in der Nacht des folgenden Tages, am 21. Februar, stürzte Janukowitsch. Die Bilder des Gemetzels waren sein Ende. Zwar versuchte er im letzten Augenblick noch, sich durch einen von den Außenministern Deutschlands, Frankreichs und Polens ausgehandelten Kompromiss mit der Opposition zu retten; aber als die Oppositionsführer den Menschen am „Majdan“ die Abmachung präsentierten, wurden sie ausgebuht. Ein bis dahin unbekannter Hundertschaftsführer der revolutionären „Selbstverteidigung“, Wolodymyr Parasjuk, stürmte die Bühne und rief unter dem Jubel der Menge, die gerade unter freiem Himmel von den aufgebahrten Opfern des vergangenen Tages Abschied nahm, zum Sturm auf die Präsidialkanzlei. Kiew tobte, Janukowitsch floh. Tags darauf, am 22. Februar, setzte das Parlament ihn ab.

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          Viele Spuren verwischt

          Über die Hintergründe des Blutbades auf dem Majdan ist bis heute nicht viel bekannt. Nach offiziellen Angaben hat die Kiewer Revolution bis zum Sturz des Präsidenten nicht nur 102 Demonstranten das Leben gekostet, sondern auch 13 Polizisten. Die meisten Opfer wurden an jenem vorletzten Herrschaftstag Janukowitwschs getötet, am 20. Februar, als die Heckenschützen feuerten.

          Die Untersuchung ihres Todes liegt im Argen. Weil nach dem Umsturz tagelang Chaos herrschte, weil an Tatortsicherung und Ermittlungen nicht zu denken war, sind viele Spuren verwischt. Verdächtige hatten Gelegenheit zu fliehen - nach Russland oder in die russisch besetzten Gebiete der Ukraine. Und wer blieb, hatte Zeit, Beweise zu vernichten und Tatwaffen verschwinden zu lassen. Heute scheinen sich die ukrainischen Behörden - allen voran Innenministerium und Generalstaatsanwalt - in der Aufklärung der Todesschüsse vom Majdan wechselseitig zu behindern. Ein verhafteter Verdächtiger konnte im Herbst unter nicht geklärten Umständen fliehen. Manche beschuldigen die neue Führung, die Ermittlungen zu hintertreiben, um in einer Art „großem Kompromiss“ die Polizeikräfte des alten Regimes mit dem neuen Kurs zu versöhnen.

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