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Raketenbeschuss : Ukraine beschädigt wichtigen Nachschubweg der Russen

Ein russisches Militärfahrzeug fährt über die beschädigte Antoniwka-Brücke. Bild: Imago

Die Antoniwka-Brücke bei Cherson ist die wichtigsten Verkehrsverbindung über den Dnipro im russisch besetzten Gebiet. Nun ist fraglich, ob die russische Armee sie weiter verwenden kann.

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          Die strategisch wichtige Antoniwka-Brücke über den Dnipro bei Cherson ist durch Beschuss der ukrainischen Streitkräfte am Dienstag und Mittwoch schwer beschädigt worden. Über das Ausmaß der Schäden machten Vertreter der von Russland eingesetzten Verwaltung Chersons unterschiedliche Angaben.

          Reinhard Veser
          Redakteur in der Politik.

          Der Leiter der Gebietsverwaltung gab an, die Brücke sei für Lastwagen gesperrt und werde repariert. Sein Stellvertreter äußerte gegenüber der russischen Nachrichtenagentur TASS, weitere Treffer könnten zum Zusammenbruch der Brücke führen.

          Über russische Kanäle im Messengerdienst Telegram wurden Videos verbreitet, auf denen zu sehen war, wie einzelne Fahrzeuge langsam an großen Löchern im Straßenbelag der Brücke vorbeifuhren.

          Der Berater des ukrainischen Präsidialamtes Olexyj Arestowytsch äußerte am späten Dienstagabend zu den ersten Schlägen auf die Brücke, diese hätten der russischen Luftabwehr und Stellungen direkt an der Brücke gegolten.

          Bild: F.A.Z.

          Die etwa 1,4 Kilometer lange Antoniwka-Brücke ist für den Nachschub der russischen Streitkräfte mit Munition und Treibstoff im Gebiet Cherson von zentraler Bedeutung. Außer ihr gibt es im russisch besetzten Teil der Südukraine nur noch eine weitere Straßenverbindung über den Dnipro. Dabei handelt es sich um die Straße über den Staudamm des Wasserkraftwerks Kachowka, das etwa neunzig Kilometer von Cherson entfernt ist.

          Laut russischen Medienberichten wird auch diese Straße beschossen. Seit Ende Juni haben die ukrainischen Streitkräfte nach eigenen Angaben mit Raketenangriffen mehrere große Munitionslager der Besatzungstruppen nördlich des Dnipro zerstört.

          Die Antoniwka-Brücke spielt auch bei der Frage, warum die russischen Truppen das Gebiet Cherson im Frühjahr so rasch besetzen konnten, eine große Rolle. Ihre rechtzeitige Sprengung durch die ukrainischen Verteidiger hätte den Vormarsch der russischen Truppen zumindest deutlich verlangsamen können. Ein Grund für die Entlassung des Chefs des ukrainischen Geheimdienstes SBU diese Woche war, dass mehrere ranghohe SBU-Funktionäre aus dem Gebiet Cherson beschuldigt werden, für Russland gearbeitet zu haben.

          Die Schläge auf die Antoniwka-Brücke wurden mutmaßlich mit amerikanischen HIMARS-Raketen ausgeführt. Vor der Lieferung neuer westlicher Waffensysteme lag die Brücke nicht in der Reichweite der ukrainischen Artillerie. Vor diesem Hintergrund sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow am Mittwoch, wenn die Ukraine vom Westen mehr solche Waffen mit großer Reichweite erhalte, dann werde die „Spezialoperation“ geografisch ausgeweitet.

          Russland könne nicht zulassen, dass sich in dem von der ukrainischen Regierung kontrollierten Teil der Ukraine Waffen befänden, die eine Bedrohung für Russland oder die von Russland eingenommenen Gebiete darstellen.

          Während der Gespräche zwischen Russland und der Ukraine in Istanbul im Frühjahr „habe es die eine Geografie“ gegeben, nun sei sie schon eine andere: Es gehe nicht mehr nur um die sogenannten „Volksrepubliken“ Donezk und Luhansk, sondern auch die Gebiete Cherson und Saporischschja „und eine Reihe weiterer Gebiete, und dieser Prozess wird konsequent weiter fortgesetzt“. In Wirklichkeit hatte die russische Armee während der Gespräche im Frühjahr mehr ukrainisches Gebiet als jetzt besetzt.

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