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Bericht eines Überläufers : Wie Russlands Außenpolitik von der eigenen Propaganda bestimmt wird

Im Zeichen der Propaganda: Das Außenministerium in Moskau Bild: Bloomberg

Zwanzig Jahre war Boris Bondarjew russischer Diplomat, bis er aus Protest gegen den Überfall auf die Ukraine gekündigt hat. Nun berichtet er aus dem Innenleben des Außenministeriums.

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          Zwanzig Jahre hat Boris Bondarjew für das russische Außenministerium gearbeitet. Wegen des russischen Überfalls auf die Ukraine hat der den Dienst unter Protest gekündigt – als bisher einziger russischer Diplomat. „Der Angriffskrieg, den Putin gegen die Ukraine und die ganze westliche Welt entfesselt hat, ist nicht nur ein Verbrechen gegen das ukrainische Volk, sondern vielleicht auch das größte Verbrechen gegen das Volk Russlands, in dem er alle Hoffnungen und Aussichten auf eine blühende freie Gesellschaft in unserem Land durchstreicht“, schrieb Bondarjew in einer am 23. Mai veröffentlichten Erklärung.

          Reinhard Veser
          Redakteur in der Politik.

          In einem Artikel für die amerikanische Zeitschrift „Foreign Affairs“ und in Interviews in von Amerika finanzierten russischsprachigen Medien hat der 42 Jahre alte Bondarjew nun seine Beweggründe für den öffentlichen Bruch mit dem russischen Staat geschildert. Er gibt dabei aufschlussreiche Einblicke in das Innenleben des russischen Außenministeriums. Dem Internetfernsehsender Currenttime.tv sagte Bondarjew, er wolle zeigen, wie die russische Diplomatie seit Anfang seiner Karriere zu Beginn der Zweitausender Jahre, „als unsere Außenpolitik mehr oder weniger adäquat war“, zum jetzigen „Tiefpunkt gelangt ist, an dem sie sich zu einem Anhängsel der propagandistischen Maschine des russischen Staats verwandelt hat“.

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