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Über 30 Tote in Südafrika : Ein Massaker wie zu Zeiten der Apartheid

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Nun gilt die NUM als wichtigste, weil mitgliederstärkste Organisation innerhalb des südafrikanischen Gewerkschaftsdachverbandes Cosatu. Cosatu wiederum ist neben dem „African National Congress“ (ANC) und der Kommunistischen Partei der dritte Partner in der südafrikanischen Regierungskoalition. Deswegen glaubt die militante junge Gewerkschaft AMCU, die Arbeiter seien „verkauft“ worden, weil die Regierung sich nicht mit dem „Großkapital“ anlegen wolle, das die jungen Gewerkschafter in den Bergbaukonzernen sehen. Dahinter steckt nicht zuletzt die seit nunmehr drei Jahren laufende Debatte um eine Verstaatlichung der Bergbauindustrie. Die Jugendliga des ANC fordert diese ebenso regelmäßig, wie die ANC-Regierung derartige Forderungen als kontraproduktiv bezeichnet und ablehnt. Davon abgesehen geht es den Gewerkschaften allerdings bei den jüngsten Auseinandersetzungen nicht zuletzt um die Mitgliedbeiträge der Arbeiter, die den Gewerkschaften alleine im Platinsektor jedes Jahr umgerechnet einen hohen zweistelligen Millionenbetrag einbringen.

Angriff auf Polizeisperre

Beängstigend an diesen Auseinandersetzungen, die sich überall im Land häufen, ist die Gewalttätigkeit, die sich im Zuge der jeweiligen Forderungen Bahn bricht. In einer Platinmine in Rustenburg waren im Januar bei ähnlichen Zusammenstößen drei Menschen ums Leben gekommen. In Kapstadt wurde bei Protesten in der vergangenen Woche ein Busfahrer erschossen. Und in Marikana waren schon vor dem Massaker in den Tagen seit Beginn des Streiks am Freitag vergangener Woche zehn Menschen ums Leben gekommen. Darunter waren zwei Polizisten, die mit Macheten regelrecht in Stücke gehackt wurden, und zwei Wachmänner der Mine, die angezündet und bei lebendigem Leibe verbrannt wurden.

Seither hielten die bewaffneten Teilnehmer des Streiks einen Hügel unweit der Mine besetzt. Alle Versuche von Gewerkschaftern aus beiden Lagern und von Vertretern der Regierung, die Arbeiter zu einem Ende der Belagerung zu bewegen, verliefen erfolglos. Der Minenbetreiber Lonmin hatte die Arbeiter aufgefordert, bis zum heutigen Freitag wieder zur Arbeit erscheinen und anderenfalls mit Massenentlassungen gedroht. Am Donnerstagmorgen erklärte die Polizei die Verhandlungen für gescheitert und forderte die streikenden Arbeiter auf, nach Hause zu gehen. Nach Schilderungen von Sicherheitskräften und Augenzeugen waren diese dem Aufruf nicht gefolgt und hatten stattdessen am Donnerstagnachmittag eine Polizeisperre angegriffen, woraufhin die Polizisten Tränengas und Gummigeschosse einsetzten. Warum später der Befehl erteilt wurde, auch scharfe Munition einzusetzen, ist bislang nicht geklärt. Offenbar waren aber auch auf Seiten der Streikenden Schusswaffen im Spiel. Den beiden getöteten Polizisten waren die Dienstwaffen gestohlen worden und mindestens einer der anderen zehn Toten der vergangenen Woche war durch Schussverletzungen umgekommen.

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