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U-Boot vor schwedischer Küste : Aus der Mottenkiste des Kalten Krieges

Schwedisches Militär auf der Suche nach fremder U-Boot-Aktivität Bild: dpa

Ein russisches U-Boot vor der schwedischen Küste? Da werden Erinnerungen wach an die meist vergeblichen und obskuren schwedischen „Jagden“ auf vermeintliche sowjetische U-Boote zur Zeit des Kalten Krieges.

          Die Suche nach einem fremden U-Boot vor der schwedischen Küste bestätigt Befürchtungen in Schweden, Russland habe die sowjetische Sicherheitsdoktrin an der Ostsee wieder aus der Mottenkiste geholt. Die zielte im Kalten Krieg auf eine Kontrolle des Binnenmeers – unter sporadischer, manche sagen: systematischer Verletzung der schwedischen Neutralität. Damals gehörte allerdings Polen noch zum Warschauer Pakt, die baltischen Staaten waren gar sowjetisch okkupiert, und Finnland musste die Vorherrschaft Moskaus akzeptieren. Schweden stand in Moskau immer im (nicht ganz unbegründeten) Verdacht, mit der Nato gemeinsame Sache zu machen – in welchem Ausmaße das tatsächlich der Fall war, stellte sich erst nach dem Zerfall der Sowjetunion in den neunziger Jahren heraus.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

          Die Frage, wie sich Schweden im „Ernstfall“ verhalten würde, war also für die sowjetische Marine immer einen „Besuch“ vor der schwedischen Küste wert. Doch nur einmal, im Oktober 1981, gelang es der schwedischen Marine, einen Beweis für die sowjetische Neugier aus der Ostsee zu fischen. Am 28. Oktober ging damals das sowjetische U-Boot U137 vor dem schwedischen Marinestützpunkt Karlskrona auf Grund. Das hatte angeblich nicht die schwedische Aufklärung entdeckt, sondern ein schwedischer Fischer, der die Marine alarmierte. Die Regierung lehnte daraufhin eine sowjetische Bitte ab, das Boot wieder flottzumachen, worauf sich vor schwedischen Gewässern die geballte sowjetische Marine sammelte. Erst als sich Moskau entschuldigte, wurde das U-Boot von der schwedischen Marine in sowjetische Gewässer eskortiert. Der sowjetische Kommandant des U-Boots soll sich über Funk mit den Worten verabschiedet haben: „Auf Wiedersehen!“ Nach diesem Zwischenfall gab es immer wieder Vermutungen und Beobachtungen, dass sowjetische U-Boote in schwedische Gewässer eingedrungen seien. Die Sowjetunion blieb von schwedischen Protesten jedenfalls unbeeindruckt: Erst ein Jahr vor der Konfrontation vor Karlskrona war ein sowjetisches U-Boot vor der Insel Utö gesichtet worden.

          Und auch danach gab es keine Ruhe. Das schwedisch-sowjetische Verhältnis ging von einer „U-Boot-Krise“ in die nächste, ohne dass es allerdings zu ernsthaften Konfrontationen gekommen wäre. Im Oktober 1982 wurde wochenlang ein U-Boot vor der Küste gejagt, von dem nie wirklich bewiesen werden konnte, dass es überhaupt da war. Im Mai 1983 wurde ein U-Boot mit Wasserbomben beschossen, anschließend einen Sommer lang gejagt, ohne dass es aufgebracht worden wäre. So ging es die ganzen achtziger Jahre hindurch bis in die neunziger Jahre, zuletzt noch mit einem schwedischen Torpedo-Angriff auf ein U-Boot im Herbst 1992.

          Hysterie oder Krise nationaler Sicherheit?

          Für die schwedische Regierung war das stets eine heikle Sache. Einerseits kam es ihr darauf an, Entschlossenheit zu zeigen und die U-Boot-Jagd als Angelegenheit nationaler Sicherheit zu inszenieren. Andererseits musste sie jeweils zugeben, dass die Neutralität des Landes verletzt wurde, ohne dass dagegen wirklich etwas unternommen werden konnte. Wie sich außerdem herausstellte, fehlten der schwedischen Marine die Mittel, fremde U-Boote überhaupt eindeutig zu orten – besonders peinlich war es, als sich herausstellte, dass sie Mini-U-Boote mit Seehunden verwechselt hatte. Solche und andere Pannen führten zu immer neuen Verschwörungstheorien. Zahlreiche Untersuchungen haben ebenso viele Details der U-Boot-Krisen zutage gefördert, so auch das Eingeständnis der Amerikaner, dass es sich bei etlichen Verletzungen schwedischer Hoheitsgewässer um „Provokationen“ der Nato gehandelt habe. Wie das der schwedischen Militärführung und der Regierung in Stockholm verborgen bleiben konnte, ist bislang nie ernsthaft aufgeklärt worden.

          In Schweden wurden und werden solche Erkenntnisse in der politischen Arena nach einem immer ähnlichen Muster behandelt. Die Verfechter der Neutralität – vornehmlich die politische Linke unter Führung der Sozialdemokraten – versuchen die Zwischenfälle kleinzureden oder gar als Hysterie hinzustellen, um nicht in Rechtfertigungszwang zu geraten. Die Gegner der Neutralität und Befürworter einer Annäherung zur Nato – zur Zeit der „U-Boot-Krisen“ und auch heute sind das vornehmlich die konservativen „Moderaten“ – haben die U-Boot-Provokationen dagegen immer als Zeichen schwedischer Schwäche und Unsicherheit angeprangert und wachgehalten. Kürzlich wurde eine Koalition unter Führung der „Moderaten“ in Stockholm von einer sozialdemokratisch geführten Koalition abgelöst.

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