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TV-Moderatorin Kelly : Die Unberechenbare

  • -Aktualisiert am

Arbeitete vor ihrer TV-Karriere als Wirtschaftsanwältin: Megyn Kelly Bild: AP

Sie gilt als Top-Talent des amerikanischen Fernsehens: Die Moderatorin Megyn Kelly ist für ihre respektlosen Fragen an Politiker bekannt – nicht erst seit dem jüngsten Eklat um Präsidentschaftsanwärter Donald Trump.

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          Megyn Kelly ist es gewohnt, dass über ihre Weiblichkeit geredet wird. Fox-News-Chef Roger Ailes preist seine Star-Moderatorin als „wunderhübsches Mädchen“, das zudem intelligent sei. Der konservative Politsender plaziert Kelly stets so im Studio, dass der Blick auf ihre Beine frei ist. Seit Freitag kreist die Berichterstattung aber in einer Weise um Kellys Anatomie, die hoffentlich der Tiefpunkt des amerikanischen Vorwahlkampfs bleibt. Donald Trump hatte sich in der Republikaner-Debatte zu hart befragt gefühlt, als Kelly ihn auf frauenfeindliche Tweets ansprach. Er habe bei Kelly Blut triefen sehen, klagte der Umfragekönig später, „aus den Augen und sonst woher“. Trump bestreitet, dass er von Menstruation geredet habe. Er habe sagen wollen, dass auch aus Kellys „Nase und/oder Ohren“ Blut gekommen sei. Das, so Trump, sei eine Redewendung.

          Andreas Ross
          Verantwortlicher Redakteur für politische Nachrichten und Politik Online.

          Sollte Trump gedacht haben, ein konservativer Obama-Hasser wie er habe bei Fox News nichts zu fürchten, dann zählt er nicht zu den Millionen, die abends um neun „The Kelly File“ einschalten. Die Fünfundvierzigjährige hat zwar einmal gesagt, dass sie auch beim linken Sender MSNBC Karriere gemacht hätte. Doch ihre Empörung über Obamas Gesundheitsreform oder Einwanderungspolitik wirkt authentisch. 2013 hat sie einen typischen kleinen Fox-News-Skandal entfacht, als sie verkündete, der Weihnachtsmann sei weiß und Jesus sowieso. Doch Kelly ist weniger berechenbar als ihre Kollegen im Sender. Berühmt wurde sie am Wahlabend 2012, als der Republikaner-Stratege und Bush-Vertraute Karl Rove sich zunächst weigerte, Obamas Sieg anzuerkennen. Rove berief sich auf eigene Zahlen. Kelly fragte ihn kühl: „Ist das jetzt Republikaner-Arithmetik, damit Sie sich besser fühlen?“ Das hatte der Fox-News-Dauergast nicht erwartet. Bald war Dick Cheney dran: „Wieder und wieder hat die Geschichte erwiesen“, sagte Kelly dem früheren Vizepräsidenten, „dass Sie im Irak falsch lagen, Sir.“

          Kelly ist im Staat New York aufgewachsen. Ihr Vater, ein Pädagogik-Professor, starb unerwartet, als sie Teenagerin war. Ihre Mutter, Tochter italienischer Einwanderer, musste fortan jeden Cent doppelt umdrehen. Heute hält fast jeder Senderchef Kelly für ein Top-Talent. Doch eine Journalistenschule hatte sie abgelehnt. Also wurde Kelly Wirtschaftsanwältin. Sie verdiente viel Geld und war unglücklich. Nebenher machte sie eine Art Praktikum im ABC-Studio Washington. Bald fiel sie Fox News auf. Dort kam gut an, dass Kelly den „Mainstream-Medien“ verzerrte Berichterstattung vorwarf. In Manhattan, wo sie mit ihrem Romane schreibenden zweiten Ehemann und drei kleinen Kindern lebt, trifft sie selten Menschen, die nicht über ihren Arbeitgeber die Nase rümpfen.

          Erick Erickson, ein erzkonservativer Meinungsmacher und Strippenzieher, lud Trump wegen seiner Blut-Attacke von einem Kandidatenforum aus. 2013 noch hatte Erickson geklagt, dass die wachsende Zahl weiblicher Hauptverdiener der natürlichen Ordnung widerspreche. Megyn Kelly lud ihn damals ins Studio. „Wer ist gestorben“, fragte sie ihn, „dass Sie jetzt Chefwissenschaftler sind?“

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