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Auszeichnung aus Oslo : „Quartett für den nationalen Dialog“ erhält Friedensnobelpreis

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„Das Quartett für den nationalen Dialog“ in Tunesien: Das Foto zeigt von links Arbeitgeberpräsidentin Wided Bouchamaoui, den Generalsekretär des Gewerkschaftsverbandes Houcine Abbassi, den Präsidenten der Menschenrechtsliga Abdessattar ben Moussa und den Präsidenten der Anwaltskammer Mohamed Fadhel Mahmoud bei einer Pressekonferenz 2013 in Tunis. Bild: AFP

Der diesjährige Friedensnobelpreis geht an das tunesische „Quartett für den nationalen Dialog“. Das Komitee in Oslo würdigt die Vermittler für ihre Bemühungen um eine pluralistische Demokratie in dem nordafrikanischen Land.

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          Der Friedensnobelpreis geht in diesem Jahr an das tunesische „Quartett für den nationalen Dialog“. Das gab die norwegische Jury am Freitag in Oslo bekannt. Der Preis werde für die Bemühungen um eine pluralistische Demokratie in dem nordafrikanischen Land im Zuge des Arabischen Frühlings vergeben, heißt es in der Begründung für die prestigeträchtige Auszeichnung.

          Das Quartett besteht aus dem tunesischen Gewerkschaftsverband (UGTT), dem Arbeitgeberverband (UTICA), der Menschenrechtsliga (LTDH) und der Anwaltskammer. Das Nobel-Komitee äußert seine Hoffnung, dass der Nobelpreis Tunesiens Weg zur Demokratie sichern werde. Der Preis solle aber auch „Ansporn für alle sein, die Frieden und Demokratie im Nahen Osten, Nordafrika und im Rest der Welt voranbringen wollen“.

          „Alternativen, friedlichen politischen Prozess etabliert“

          Zu dem nationalen Dialog-Quartett in Tunesien schlossen sich im Sommer 2013 der Gewerkschaftsbund UGTT, der Arbeitgeberverband UTICA, die Menschenrechtsliga LTDH und die Anwaltskammer zusammen. Damals habe die Gefahr bestanden, dass der Demokratisierungsprozess aufgrund politischer Morde und sozialer Unruhen zusammenbreche, erklärte das Komitee in Oslo. Als das Land am Rande des Bürgerkriegs gestanden habe, habe das Quartett einen „alternativen, friedlichen politischen Prozess etabliert", lautete die Begründung weiter. Das habe entscheidend dazu beigetragen, dass in dem nordafrikanischen Land binnen weniger Jahre „ein verfassungsmäßiges Regierungssystem errichtet wurde, das der gesamten Bevölkerung grundlegende Rechte garantiert, ungeachtet des Geschlechts, der politischen Überzeugung oder des religiösen Glaubens".

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          Der Friedensnobelpreis wird seit 1901 verliehen. Er soll nach dem Willen des Stifters Alfred Nobel an denjenigen gehen, „der am meisten oder am besten auf die Verbrüderung der Völker gewirkt hat, für die Abschaffung oder Verminderung der stehenden Heere sowie für die Bildung und Verbreitung von Friedenskongressen“.

          Mit dem Preis an jährlich bis zu drei Einzelpersonen oder Organisationen wird seit 1960 auch der Einsatz für Menschenrechte und seit 2004 der Einsatz für die Umwelt geehrt. Während andere Nobelpreise in der schwedischen Hauptstadt Stockholm vergeben werden, wird die Auszeichnung für Frieden im norwegischen Oslo verliehen.

          Preisgeld von knapp 860.000 Euro

          Die fünf Mitglieder des Friedensnobelpreis-Komitees sind Parteienvertreter entsprechend der jeweiligen Mehrheitsverhältnisse im norwegischen Parlament. Sie werden für sechs Jahre ernannt. Derzeitige Vorsitzende ist die konservative ehemalige Handelsministerin Kaci Kullmann Five.

          Die Preisträger werden jedes Jahr im Oktober bekanntgegeben. Bei der feierlichen Verleihung am 10. Dezember, dem Todestag Nobels, erhalten sie in Oslo eine Medaille, eine Urkunde und ein Preisgeld von acht Millionen schwedischen Kronen (knapp 860.000 Euro).

          Bislang haben vier Deutsche die Auszeichnung erhalten: der frühere Außenminister Gustav Stresemann, Friedensaktivist Ludwig Quidde, der Schriftsteller und Pazifist Carl von Ossietzky und Bundeskanzler Willy Brandt. Im vergangenen Jahr hatten sich die Kinderrechtsaktivisten Malala Yousafzai aus Pakistan und Kailash Satyarthi aus Indien den Nobelpreis geteilt.

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