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Tunesien im Chaos : Brände, Plünderungen, Feuergefechte

  • Aktualisiert am

Ein brennender Supermarkt in der Nähe von Tunis Bild: dpa

Nach der Flucht des entmachteten tunesischen Präsidenten Ben Ali hat sich die Lage auch unter dem zweiten Interims-Präsidenten kaum beruhigt. Es wird geplündert und gebrandschatzt. Bis zu 60 Menschen sterben bei einem Gefängnisbrand. Urlauber werden ausgeflogen.

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          Nach der Flucht von Machthaber Zine el Abidine Ben Ali ins Exil wurden binnen 24 Stunden zwei Übergangspräsidenten in Tunesien ernannt. Immer wieder kommt es in dem beliebten Urlaubsland zu Plünderungen. Bei einem Gefängnisbrand im Küstenort Monastir starben nach Angaben von Ärzten bis zu 60 Menschen. Auch in der Stadt Kasserine stand ein Gefängnis in Flammen. Am Samstag marschierte Militär im Stadtzentrum von Tunis auf. Mehrere Reiseveranstalter holten am Wochenende weitere deutsche Urlauber aus dem Unruheland am Mittelmeer zurück. (siehe auch: Große Veranstalter fliegen Tunesien-Touristen aus)

          Über der Hauptstadt stiegen Rauchsäulen auf. Schon in der Nacht hatten Brandstifter trotz Ausgangssperre Feuer gelegt, unter anderem in einem Bahnhof. Auslöser des Chaos waren Proteste gegen die hohe Arbeitslosigkeit, die sich dann gegen das Regime von Ben Ali richteten.

          Am Samstag ernannte der Verfassungsrat mit dem 77 Jahre alten Foued Mbazaa einen weiteren Übergangspräsidenten, der umgehend vereidigt wurde. Zunächst hatte Ministerpräsident Mohamed Ghannouchi die Amtsgeschäfte von Präsident Ben Ali übernommen, der das Land seit fast einem Vierteljahrhundert mit harter Hand regiert hatte. Ben Ali hatte sich am Freitag nach blutigen Protesten gegen sein Regime nach Saudi-Arabien abgesetzt.

          Plünderungen in der Hauptstadt
          Plünderungen in der Hauptstadt : Bild: dapd

          Mbazaa soll Neuwahlen vorbereiten. Die Bundesregierung rief Tunesien auf, eine Demokratie aufzubauen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bot dazu Deutschlands Hilfe an. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) appellierte an Mbazaa: „Gehen Sie den Weg in Richtung Demokratie, sorgen Sie für wirkliche Stabilität.“

          Nach dem Gefängnisbrand in Monastir erhöhte sich die Zahl der Menschen, die seit Beginn der Unruhen in dem Mittelmeerland ums Leben gekommen waren, auf mehr als 130. Nach ersten Erkenntnissen hatten Häftlinge ihre Matratzen in Brand gesteckt. Die Flammen hätten dann schnell auf das gesamte Gebäude übergegriffen. Viele Häftlinge starben in den Flammen. Als andere zu fliehen versuchten, schossen Wärter auf die Menschen. Bei dem Gefängnisbrand in der Stadt Kasserine gelang es zahlreichen Häftlingen nach Augenzeugenberichten, rechtzeitig vor Flammen oder Schüssen zu fliehen.

          Frankreich verweigerte Ben Ali die Einreise

          Der am Freitag zwischenzeitlich gesperrte Luftraum über dem Land wurde am Samstag wieder geöffnet. Reiseveranstalter wollten am Wochenende tausende Urlauber nach Deutschland zurückholen. Viele Touristen hatten zunächst festgesessen, nachdem Ben Ali vor seiner Flucht noch den Ausnahmezustand verhängt und den Luftraum gesperrt hatte. Am späten Freitagabend waren die ersten deutschen Touristen dann an den Flughäfen in Düsseldorf und Berlin angekommen. Vor Beginn der Rückholaktion waren nach Branchenangaben bis zu 8000 deutsche Urlauber in Tunesien.

          Die Proteste hatten sich in den vergangenen Tagen immer mehr zum Aufstand gegen den Präsidenten entwickelt. Ben Ali war am frühen Samstagmorgen in der saudischen Hafenstadt Dschidda eingetroffen. Man habe Ben Ali und seine Familie im Königreich willkommen geheißen, meldete die saudische Nachrichtenagentur SPA. Ben Ali hatte nach französischen Medienberichten zuvor vergeblich versucht, in Paris zu landen.

          „Es ist zu gefährlich“

          Die Hintermänner der Plünderungen in Tunesien blieben vorerst im Dunkeln. Kriminelle Banden hätten von dem Chaos profitiert und Geschäfte geplündert, sagte der Oppositionspolitiker Mustafa Ben Jaafar dem französischen Sender France Info. Auch Verwaltungsgebäude seien angegriffen worden. Vor Reportermikrofonen äußerten mehrere Tunesier dagegen den Verdacht, dass Angehörige der Miliz das Machtvakuum nutzten und an Plünderungen beteiligt waren.

          Das tunesische Fremdenverkehrsamt in Deutschland warnte vor Reisen in das nordafrikanische Land. „Es ist zu gefährlich“, sagte der Sprecher des Amtes, Sami Krandel. „Zum Glück ist noch kein Tourist gestorben - bisher ist es eine rein nationale Angelegenheit. Ich glaube daran, dass eine neue Regierung Tunesien ein Stück Freiheit zurückbringen wird. Das wird das Image unseres Landes verbessern.“

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