https://www.faz.net/-gpf-91rr2

Türkischer Europa-Minister : „Wir sind enttäuscht von Merkel“

  • Aktualisiert am

Enttäuscht von Bundeskanzlerin Angela Merkel: Türkeis Europa-Minister Ömer Celik Bild: Reuters

Der türkische Europa-Minister fühlt sich von Europa verraten und im Stich gelassen. Für die Ankündigungen, die EU-Beitrittsgespräche abzubrechen, macht Celik die deutsche Kanzlerin verantwortlich.

          2 Min.

          Die türkische Regierung wirft Deutschland und der EU-Kommission vor, das Land in historisch schwieriger Lage im Stich zu lassen. „Wir sind in der Tat enttäuscht von (Bundeskanzlerin Angela) Merkel und einigen anderen in der EU“, sagte der türkische Europa-Minister Ömer Celik am Donnerstag in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters. „In einer der schwierigsten Zeiten in unserer Geschichte wurden wir von unseren Freunden und Verbündeten im Stich gelassen“, sagte Celik. Auf die Frage, ob sein Land sich verraten fühle, antwortete der Minister mit „Ja“.

          Celik reagierte auf die jüngste Kehrtwende in der deutschen Türkei-Politik. Merkel und SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hatten sich in ihrem TV-Wahlduell für einen Abbruch der Beitrittsverhandlungen der EU mit der Türkei ausgesprochen und entsprechende Initiativen bei den EU-Partnern angekündigt. Auch EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker hatte eine EU-Mitgliedschaft der Türkei auf „absehbare Zeit“ ausgeschlossen. EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani hat im Gespräch mit der F.A.Z. Verhandlungen über einen EU-Beitritt der Türkei deutlich ausgeschlossen.

          Hintergrund der Äußerungen ist das zunehmend repressive Vorgehen von Präsident Recep Tayyip Erdogan gegen die Opposition seit dem Putschversuch vor gut einem Jahr. Seit einigen Wochen geraten auch immer mehr deutsche Staatsbürger ins Visier der türkischen Behörden. Zahlreiche Bundesbürger sitzen unter dem Vorwurf der Komplizenschaft mit der Bewegung des Predigers Fetullah Gülen in türkischer Haft. Die Regierung macht Gülen für den Putschversuch verantwortlich.

          „Die EU hat echte Probleme“

          Celik warf Türkei-Kritikern wie Merkel vor, durch die Konfrontation mit der Türkei von eigenen Problemen ablenken zu wollen. „Die EU hat echte Probleme – wir wissen nicht, wie der Brexit sich auswirken wird, sie kriegen die illegale Migration nicht unter Kontrolle, es gibt Schwächen in der europäischen Terrorismus-Abwehr und es gibt dringenden Reformbedarf“, sagte der konservative Politiker: „Aber sie schieben das alles beiseite und schüren die Gegensätze mit der Türkei, um ihre vitalen internen Probleme zu vertuschen.“

          Celik plädierte trotz seiner scharfen Kritik für eine Fortsetzung des Dialogs mit Europa und schlug ein Gipfeltreffen vor. „Wir haben unser Ziel einer EU-Vollmitgliedschaft nicht aufgegeben. Wir sind gerne bereit, nach Lösungen zu suchen, um uns nach vorne zu bewegen“, sagte Celik.

          Die EU-Staats- und Regierungschefs werden im Oktober auf einem Gipfeltreffen in Brüssel über die Türkei beraten. Merkel hatte angekündigt, bei dem Treffen über eine Aussetzung oder einen Abbruch der Beitrittsverhandlungen diskutieren zu wollen. Ein Treffen der EU-Außenminister hatte vor kurzem aber kaum Unterstützung für die deutsche Position erbracht. Auch Frankreich tritt hier auf die Bremse.

          Weitere Themen

          Trump will Nahost-Friedensplan vorstellen

          Bis kommenden Dienstag : Trump will Nahost-Friedensplan vorstellen

          Vor der dritten Parlamentswahl in einem Jahr in Israel lädt Donald Trump Benjamin Netanjahu und seinen Herausforderer Benny Gantz nach Washington ein. Noch vor dem Treffen will Amerikas Präsident seinen Friedensplan für Nahost vorstellen.

          „Hier steht das Original“

          Strache-Auftritt in Wien : „Hier steht das Original“

          Heinz-Christian Strache will in Österreich mit einer neuen „Bürgerbewegung“ in die Politik zurückkehren und seiner früheren Partei FPÖ das Leben schwer machen. Doch noch lässt er seine Anhänger zappeln – und vermeidet Festlegungen.

          Topmeldungen

          Gefeiert wie ein Popstar: Heinz-Christian Strache am Donnerstagabend in Wien.

          Strache-Auftritt in Wien : „Hier steht das Original“

          Heinz-Christian Strache will in Österreich mit einer neuen „Bürgerbewegung“ in die Politik zurückkehren und seiner früheren Partei FPÖ das Leben schwer machen. Doch noch lässt er seine Anhänger zappeln – und vermeidet Festlegungen.

          Überfüllte Kliniken in China : Ein Patient alle drei Minuten

          Überfüllte Kliniken, gewalttätige Angehörige, Arztkosten als Existenzbedrohung, Menschen, die sich selbst ein Bein amputieren – und nun auch noch ein unbekannter Virus: In China sollte man besser nicht krank werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.