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Türkei : Zehn Tote bei Anschlag in Diyarbakir

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Mit einer groß angelegten Fahndung haben türkische Sicherheitskräfte auf den Anschlag im kurdischen Südosten der Türkei reagiert. In Diyarbakir stieg die Zahl der Toten auf zehn. Unter den Opfern sind fünf Kinder.

          Mit einer groß angelegten Fahndung haben türkische Sicherheitskräfte auf einen neuerlichen Anschlag im kurdischen Südosten reagiert. Dabei durchkämmten sie am Mittwoch das Stadtviertel von Diyarbakir, in dem das Attentat am Dienstag abend verübt worden war. Die Zahl der Toten bei dem Anschlag stieg unterdessen auf zehn, darunter fünf Kinder. Nach wie vor unklar blieb, wer für den Anschlag verantwortlich ist.

          Die Sicherheitskräfte durchsuchten mehrere Häuser im Stadtviertel Baglar und richteten Kontrollpunkte an den Ausfallstraßen von Diyarbakir ein. Die Stadt ist die größte des Kurdengebiets und das Zentrums der jahrzehntelangen Auseinandersetzungen zwischen kurdischen Separatisten und der türkischen Armee.

          Sprengsatz aus Versehen gezündet?

          „Unsere Trauer um die Opfer dieses Terrors ist groß, ganz besonders, da unsere Kinder die Opfer sind“, sagte Ministerpräsident Tayyip Erdogan. Der Bürgermeister von Diyarbakir, Osman Baydemir, verurteilte das Attentat als einen Versuch, die Bemühungen um ein Ende des Kurden-Konflikts zu sabotieren. Am Tag vor dem Anschlag hatte die größte kurdische Partei die Separatistenorganisation PKK zu einem Waffenstillstand aufgerufen.

          Der Sprengsatz war auf einer Hauptstraße in der Nähe eines Parks detoniert und wurde anscheinend mit einem Mobiltelefon gezündet. Vier Opfer erlagen über Nacht ihren Verletzungen. 13 weitere Verletzte wurden in den Krankenhäusern der Stadt behandelt. Die Polizei ging davon aus, daß der Sprengsatz aus Versehen gezündet worden war und möglicherweise vor dem Polizei-Hauptquartier rund eineinhalb Kilometer entfernt plaziert werden sollte.

          Schwerster Anschlag seit 2003

          Bei mehreren Bombenanschlägen auf Ferienorte an der türkischen Mittelmeerküste waren im August zwölf Menschen ums Leben gekommen und Dutzende verletzt worden. Zu den Anschlägen hatte sich die Extremisten-Gruppe „Freiheitsfalken Kurdistans“ bekannt. Sie kündigte damals an, weitere Anschläge zu verüben und die Türkei in eine Hölle zu verwandeln.

          In Koycegiz an der türkischen Mittelmeerküste nahm die Polizei am Mittwoch vier Menschen fest, die laut Medienberichten Anschläge auf vier frühere Generäle des Landes vorbereitet haben sollen. Bei der Durchsuchung mehrerer Häuser seien Landkarten mit Hinweisen auf die Wohnorte der Generäle, Sprengsätze und automatische Waffen festgestellt worden, berichtete CNN Türk weiter. Außer kurdischen Rebellengruppen haben auch linksextreme und radikal-muslimische Organisationen in den vergangenen Jahren Anschläge in der Türkei verübt.

          Der Anschlag in Diyarbakir ist der schwerste seit den Anschlägen in Istanbul im November 2003. Bei den Angriffen auf zwei Synagogen, das britische Konsulat und eine britische Bank kamen 58 Menschen ums Leben.

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