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Naher Osten : Türkei will gefangene Syrer an Russland übergeben

  • Aktualisiert am

Amerikanische Militärfahrzeuge patrouillieren Anfang der Woche im Irak, nahe der syrischen Grenze. Bild: dpa

Eigentlich hatte Präsident Trump den Rückzug von tausend Soldaten aus Nordsyrien angeordnet. Doch plötzlich fahren die Amerikaner an der Grenze zur Türkei wieder Patrouille. Und Ankara will Moskau 18 gefangene syrische Soldaten übergeben.

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          Die Türkei will 18 in Nordsyrien gefangen genommene Soldaten der syrischen Armee an Russland übergeben. Dazu würden Gespräche mit Moskau geführt, sagte Verteidigungsminister Hulusi Akar am Donnerstag. Russland unterstützt den syrischen Präsidenten Baschar al Assad.

          Die Soldaten waren am Dienstag nach türkischen Angaben in der Gegend um die nordsyrische Grenzstadt Ras al Ain aufgegriffen worden. Akar sagte, zwei von ihnen seien verletzt gewesen und behandelt worden. Der Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel-Rahman, bestätigte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur dass es sich bei den Gefangenen um Soldaten der syrischen Armee handele.

          Erstmals seit drei Wochen waren amerikanische Streitkräfte nahe der türkischen Grenze in Nordsyrien am Donnerstag wieder auf Patrouille gegangen. Fünf gepanzerte Fahrzeuge mit amerikanischer Flagge patrouillierten im türkisch-syrischen Grenzgebiet nahe dem Dorf Kahtanijah östlich von Kamischli, wie ein AFP-Reporter berichtete. In dem Grenzgebiet sollen eigentlich am Freitag gemeinsame russisch-türkische Patrouillen beginnen, um den Abzug der kurdischen Kräfte zu überprüfen. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte teilte mit, die amerikanischen Truppen wollten in einem östlichen Bereich der Grenze präsent bleiben.

          Der amerikanische Präsident Donald Trump hatte Anfang Oktober den Abzug der Truppen aus Nordsyrien angeordnet. Etwa tausend Mann hatten bis dahin die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) im Kampf gegen die Dschihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) unterstützt. Die Türkei begann daraufhin mit verbündeten syrischen Milizen eine lange angedrohte Offensive gegen die YPG, die zur Eroberung eines Grenzstreifens zwischen Tal Abjad und Ras al-Ain führte.

          Die kurdische Selbstverwaltung rief angesichts der türkischen Offensive die syrische Armee zu Hilfe, die daraufhin erstmals seit sieben Jahren Truppen an die Grenze schickte. Nach acht Tagen vereinbarte die Türkei mit den Vereinigten Staaten eine Waffenruhe, um der YPG den Abzug aus dem Grenzgebiet zu erlauben. Später vereinbarte Ankara zudem mit Russland gemeinsame Patrouillen, um den Abzug der YPG aus der Region zu überprüfen. Sie sollen am Freitag beginnen.

          Steckt die YPG hinter dem Anschlag in Afrin?

          Neue Gewalt wurde am Donnerstag aus dem nordwestlichen Grenzabschnitt zur Türkei gemeldet. Bei einem Anschlag wurden mindestens acht Menschen getötet. Mindestens 30 Menschen seien zudem verletzt worden, berichteten Rettungskräfte und Augenzeugen. Ein mit Sprengstoff beladenes Auto explodierte nach Angaben von Augenzeugen auf einem belebten Marktplatz in der Stadt Afrin. Aufnahmen, die in sozialen Medien veröffentlicht wurden, zeigten Brände und Zerstörung.

          In der Grenzregion zwischen Syrien und der Türkei werden häufig Anschläge verübt, meist in überwiegend von Arabern bewohnten Städten, die unter Kontrolle der mit der Türkei verbündeten Milizen stehen. Anwohner und Rebellen werfen der Kurden-Miliz YPG vor, hinter den Anschlägen zu stecken. Die bestreitet das; ihr Kampf richte sich nicht gegen Zivilisten, sondern gegen türkische Kräfte.

          Das türkische Militär hatte bereits im März 2018 mit Unterstützung syrischer Rebellen das überwiegend kurdische Afrin besetzt und die YPG vertrieben. Im Oktober begann die Türkei außerdem eine Offensive gegen die YPG im Nordosten des Bürgerkriegslands. Die Führung in Ankara betrachtet die YPG als Terrororganisation. Sie befürchtet ein Erstarken der Kurden jenseits ihrer Südgrenze und damit auch der nach Autonomie strebenden Kurden auf eigenem Territorium.

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