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Türkei und russische Waffen : Abschied vom Westen

  • -Aktualisiert am

Ein russisches S-400-Raketenabwehrsystem im März in der Nähe von Königsberg Bild: Reuters

Es ist völlig legitim, dass die Türkei ein eigenes Raketenabwehrsystem haben möchte. Doch Erdogan macht mit seinem taktischen Spielchen einen weiteren Schritt aus dem westlichen Lager.

          Die Türkei hat kein eigenes Raketenabwehrsystem. Die Nato musste da in der Vergangenheit aushelfen, auch die Bundeswehr war schon mit Patriot-Staffeln in der Türkei. Deshalb ist es völlig legitim, dass Ankara nun ein eigenes System anschaffen will.

          Das liegt eigentlich sogar im Interesse des Bündnisses, denn die unruhige Südflanke sollte bestmöglichst gesichert sein. Aber Erdogan macht daraus ein taktisches Spielchen, das der Nato am Ende sogar Schaden zufügen wird. Mit dem Erwerb eines russischen Systems lockert die Türkei nicht nur auf einem militärisch bedeutenden Feld ihre technischen Bande zur Allianz, sie begibt sich auch ein Stückchen weiter in Putins geopolitischen Orbit, zu dem bekanntlich auch Iran zählt.

          Ein Nato-Mitglied, das sich zum Teil einer solchen Achse macht, hat es noch nicht gegeben. Erdogan wird das für eine clevere Schaukelpolitik zwischen Amerika und Russland halten. In Wirklichkeit aber legt er einen weiteren, diesmal besonders großen Schritt auf dem Weg seines Landes aus dem westlichen Lager zurück. Die Nato wird nicht nur in Washington geschwächt.

          Nikolas Busse

          Verantwortlicher Redakteur für die Frankfurter Allgemeine Woche und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik (F.A.Z.).

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