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Türkei will Druck auf Israel ausüben : „Wir erlauben niemandem, unsere Bürger zu töten“

Der türkische Ministerpräsident Erdogan fordert eine internationale Untersuchung des Vorfalls auf hoher See
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          Die türkische Führung hat am Montag anlässlich eines Besuches des palästinensischen Präsidenten Abbas bekräftigt, dass Ankara erst dann wieder eine Normalisierung der türkisch-israelischen Beziehungen anstreben werde, wenn Israel einer internationalen Untersuchung der Vorfälle bei der blutigen Erstürmung der „Gaza-Flotille“ zulasse. Der türkische Außenminister Davutoglu warnte Israel am Montag davor, sich dem verweigern: „Sie haben keine Chance, vor dieser Kommission wegzulaufen. Wir erlauben niemandem, unsere Bürger zu töten“, sagte er.

          Michael Martens
          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.
          Hans-Christian Rößler
          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Eine israelische Weigerung bedeute außerdem, das Israel etwas zu verheimlichen habe, sagte Davutoglu sinngemäß. Abbas sagte nach einem Treffen mit dem türkischen Präsidenten Gül, der israelische Angriff auf das türkische Schiff „Mavi Marmara“, bei dem neun Personen getötet wurden, sei ein „doppeltes Verbrechen“, da es in internationalen Gewässern stattfand und sich gegen Zivilisten gerichtet habe. Am Mittwoch wird Abbas in Washington von Präsident Obama erwartet.

          Erdogan will mit Ahmadineschad sprechen

          Der türkische Regierungschef Erdogan will nach Medienberichten eine regionale Sicherheitskonferenz in Istanbul dazu nutzen, um an diesem Dienstag mit dem dort als Teilnehmer erwarteten iranischen Präsidenten Ahmadineschad auch über das weitere Verhältnis der islamischen Staaten zu Israel zu sprechen. Vor der Begegnung teilte Erdogan mit, sein Land werde weiter Druck auf Israel ausüben, damit die Blockade Gazas ende. Niemand dürfe die Menschen dort zwingen, in einem „Gefängnis unter freiem Himmel“ zu leben.

          Die iranische Hilfsorganisation „Roter Halbmond“ kündigte am Montag nach einer Meldung der staatlichen Nachrichtenagentur Irna an, in Absprache mit dem Außenministerium in Teheran am Ende dieser Woche zwei Schiffe mit Hilfsgütern und Helfern nach Gaza zu schicken. Die Revolutionsgarden stünden bereit, die Schiffe zu schützen, hieß es in Teheran.

          Im Gazastreifen erschossen israelische Soldaten von einem Marineschiff aus am Montag vier Palästinenser. Nach Armeeangaben hatte diese sich am Strand in Taucheranzügen auf einen Anschlag vorbereitet. Nach Berichten aus Gaza handelte es sich um vier Mitglieder der Al-Aqsa-Brigaden der Fatah-Organisation. Mit einer israelischen Drohne seien zudem Palästinenser angegriffen worden, die eine Rakete abfeuern wollten.

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