https://www.faz.net/-gpf-9uhpa

Luftwaffenstützpunkt Incirlik : Aus Erdogans Arsenal

Auch zwischen der Türkei und Deutschland hat es schon Spannungen wegen der Nutzung von Incirlik gegeben. Zunächst waren dort sechs Tornados der Bundeswehr stationiert, die als Aufklärungsflugzeuge im Kampf gegen den IS in Syrien Daten lieferten. Nachdem die Türkei sich wiederholt geweigert hatte, Delegationen des Bundestags den Besuch bei den in Incirlik stationierten Bundeswehrsoldaten zu erlauben, verlegte die Bundesregierung 2017 die Tornados nach Jordanien auf den Stützpunkt Al Azrak.

Mit seiner Drohung riskiert Erdogan eine weitere Verschlechterung der türkisch-amerikanischen Beziehungen. Gespannt sind sie wegen der türkischen Invasion im Norden Syriens und wegen des russischen S-400-Luftabwehrsystems, dessen erste Komponenten im Juli geliefert wurden, was zum Ausschluss der Türkei von der Entwicklung und der Produktion des neuen Kampfflugzeugs F-35 geführt hat, sowie wegen der Verurteilung des Genozids an den Armeniern durch beide Kammern des Kongresses. Weitere Sanktionen drohen der Türkei durch das CAATSA-Gesetz, das Geschäfte mit russischen Rüstungsfirmen unter Strafe stellt.

Erdogan holte in seinem live ausgestrahlten Interview zu einem umfassenden Gegenangriff aus, der über die Drohung mit der Schließung von Incirlik und Kürecik hinausging. Die Resolution zum „sogenannten Genozid“ sei eine „vollkommen politische Entscheidung“, so Erdogan. Er bedauere, dass die Polarisierung der amerikanischen Innenpolitik negative Folgen für die Türkei habe und dass einige Gruppen die Entwicklungen in der Türkei dazu missbrauchten, um Präsident Donald Trump zu schwächen.

„Kann man über Amerika sprechen, ohne die Indianer zu erwähnen?“

Die Türkei stehe jedoch nicht ohne Argumente da. Erdogan fragte: „Kann man denn über Amerika sprechen, ohne die Indianer zu erwähnen?“ Das sei doch ein Kapitel der Schande gewesen. Und könne man denn die französischen Massaker in Ruanda und Algerien übergehen? Er kündigte an, dass die Türkei nun die „Geschichte des Westens als Geschichte des Rassismus und Kolonialismus“ offenlegen werde.

Am Sonntag traf Erdogan zudem im Istanbuler Dolmabahce-Palast abermals den von den Vereinten Nationen anerkannten Ministerpräsidenten Libyens, Fajez Sarradsch. Das militärische Beistandsabkommen, das beide am 27. November unterzeichnet hatten, liegt jetzt dem türkischen Parlament zur Ratifizierung vor. Die Türkei sei bereit, Libyen „alle Arten der Unterstützung“ zu gewähren, sagte Erdogan.

Mit der Entsendung von Drohnen in die nur von der Türkei anerkannte „Türkische Republik Nordzypern“ nimmt die Türkei eine weitere Eskalation der Spannungen im östlichen Mittelmeer in Kauf. Eine Drohne, die vor der Küste Zyperns eingesetzt werden soll, ist am Montag auf der Insel eingetroffen. Sie ergänzt die beiden türkischen Explorationsschiffe, die dort nach Gasvorkommen suchen. In einem zweiten Abkommen, das Erdogan und Sarradsch unterzeichnet haben, hat die Türkei ihren Anspruch auf das Mittelmeer erheblich ausgeweitet. Man wolle im östlichen Mittelmeer mit namhaften internationalen Unternehmen zusammenarbeiten, kündigte Erdogan in dem Fernsehinterview an.

Weitere Themen

Topmeldungen

Für jene, die nichts erben, wird das Eigenheim wohl oft ein unerfüllter Traum bleiben.

Finanzierung : Eigenheime und Aktien sind Granaten

Sollte man Hauskredite so langsam abbezahlen wie möglich und das Geld lieber in Aktien stecken? Wer so handelt, braucht starke Nerven. Wer die nicht hat, sollte anders vorgehen.
Unser Autor: Johannes Pennekamp

F.A.Z.-Newsletter : Französische Tristesse am Nationalfeiertag

Am wichtigsten Feiertag des Landes will Emmanuel Macron das französische Volk nach dem Corona-Chaos wieder hinter sich bringen. Wie er das schaffen will und was sonst wichtig wird, steht im Newsletter für Deutschland.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.