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Türkei und Syrien : Ein Funke genügt

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Der syrische Präsident Assad nach einem Treffen mit dem türkischen Ministerpräsident Erdogan im Juni 2010: Kampf um das politische Überleben Bild: REUTERS

Weder Ankara noch Assad können Interesse an einem Krieg haben. Doch die wechselseitigen Konfliktherde der Region drohen sich wechselseitig zu entzünden. Das nächste „tragische Missgeschick“ könnte zum Funken in diesem Pulverfass werden.

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          Der Beschuss einer türkischen Stadt jenseits der syrischen Grenze, bei dem mehrere Menschen getötet wurden, ist Symptom und Signal zugleich: der Bürgerkrieg in Syrien hat schon längst eine internationale Dimension. In erster Linie involviert sind dabei der Libanon und die Türkei. Die libanesische Hizbullah ist das Bindeglied zwischen der schiitischen Theokratie in Iran und dem Alawiten-Regime der Assads. Sie hat die Fähigkeit, in der Zedernrepublik einen Bürgerkrieg vom Zaun zu brechen, was wiederum direkte Auswirkungen auf Israel hätte.

          Die Türkei ist auf mehrfache Weise von dem innersyrischen Konflikt betroffen: sie beherbergt viele Flüchtlinge, die aus ihrer Heimat fliehen, und sie gewährt dem militärischen Widerstand gegen Assad Unterschlupf und Unterstützung. Außerdem befeuert der syrische Bürgerkrieg die Hoffnung der auf mehrere Länder verteilten Kurden auf einen eigenen Staat - es ist kein Geheimnis, dass auch die terroristische PKK an dem Kämpfen beteiligt ist. Diese grenzübergreifenden Konfliktherde entzünden sich wechselseitig.

          Vermutlich stimmt es, dass der Granatenbeschuss der türkischen Grenzstadt ein „tragisches Missgeschick“ war, wie die syrische Regierung in Form einer Entschuldigung zugegeben hat. Denn Assad kann im Augenblick kein Interesse daran haben, einen militärisch ausgetragenen Grenzkonflikt mit der Türkei zu beginnen. Er braucht seine Truppen im eigenen Land, um sich an der Macht zu halten. Eine massive Intervention der militärisch überlegenen türkischen Armee (womöglich mit politischer Deckung der Nato) würde vermutlich dazu führen, dass es noch mehr befreite Gebiete in Syrien gäbe, die sich schnell in internationale Sicherheitszonen verwandeln könnten - womit dann der Zerfall des syrischen Staates gewissermaßen völkerrechtlich beglaubigt würde.

          Aber auch die Türkei hat wenig Interesse den Konflikt zu eskalieren. Die Folgen in der ganzen Region wären unberechenbar und vermutlich auch nicht zu beherrschen: es würde ein Krieg drohen, der den Nahen und den Mittleren Osten erfasst. Selbst ein um sein politisches Überleben kämpfender Assad ist vermutlich so rational, sein physisches Überleben nicht aufs Spiel zu setzen. Doch es bleibt das Risiko, dass das nächste „tragisches Missgeschick“ zum Funken in diesem Pulverfass werden könnte.

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