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Türkei und Amerika : Die Liebe in Zeiten von Trump

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan Bild: Reuters

CIA-Chef Pompeo fliegt nach Ankara. Es geht um brisante Themen. So erhoffen sich die Türken die Auslieferung des Predigers Fethullah Gülen. Trump genießt bei Präsident Erdogan große Sympathie. Doch es könnte ein böses Erwachen geben.

          Ilnur Cevik, Spross einer türkischen Verlegerfamilie und einer der Berater von Präsident Recep Tayyip Erdogan, gilt als ziemlich guter Indikator für das, was in Erdogans Umkreis gerade gedacht und geplant wird – oder zumindest für das, was die Öffentlichkeit davon erfahren soll. Ceviks von einer Mischung aus aggressivem Nationalismus und selbstgerechter Larmoyanz geprägte Leitartikel in „Sabah“, einer der Zeitungen der Regierungspartei AKP, sind stets auf Linie und mitunter von nachgerade präventiver rhetorischer Eilfertigkeit.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Schon am 16. Juli vergangenen Jahres, weniger als 24 Stunden nach dem versuchten Putsch von Teilen des türkischen Militärs, sprach Cevik sich kaum verhohlen für die Wiedereinführung der Todesstrafe aus und setzte sich damit zumindest chronologisch an die Spitze einer Debatte, die Monate währen sollte. Als Erdogan dann nicht mehr von der Todesstrafe sprach, verstummte auch Cevik in dieser Angelegenheit.

          Vor wenigen Tagen hat der Präsidentenberater nun einen Leitartikel über Donald Trump veröffentlicht. Es darf unterstellt werden, dass sich aus dem Text herauslesen lässt, was im „Palast“, Erdogans Regierungssitz in Ankara, gerade Meinung des Tages ist, nämlich diese: Nachdem Trump und die Führung Irans in Rekordgeschwindigkeit aneinandergeraten sind, wird die Türkei für Washington ein umso wichtigerer Partner in der Region werden. „In jedem Gefecht mit Iran brauchen die Vereinigten Staaten die Türkei mehr denn je. Die Türkei ist nicht nur eine wichtige Macht in der Region, sondern auch ein ausgleichender Faktor“, schreibt der Präsidentenberater und mutmaßt, dass es Trump und Erdogan die Kooperation erleichtern werde, dass die Türkei auch ihre Beziehungen zu Israel verbessere. Cevik will zudem eine Abwendung der Amerikaner von den PKK-nahen kurdischen Freischärlern in Syrien erkannt haben, den bisher engsten Partnern und effektivsten Bodentruppen Washingtons im Kampf gegen den „Islamischen Staat“ (IS). Die neue Regierung habe verstanden, dass sie ohne die Türkei nicht weit kommen werde in Syrien, interpretiert der Autor seine eigene Interpretation. „Obama hat den Wert der Türkei in der Region und ihre Beiträge zum Weltfrieden nicht verstanden. Lasst uns hoffen, dass Trump nicht denselben Fehler begehen wird“, schließt Cevik.

          Ankara hofft auf Auslieferung Gülens

          Der Artikel erschien vor dem Telefongespräch von Trump und Erdogan am Dienstagabend, von dem die AKP-Nachrichtenagentur Anadolu später berichtete, es sei in „ausgesprochen positiver und aufrichtiger Atmosphäre“ verlaufen. Aus dem „Palast“ hieß es dazu inoffiziell, Erdogan und Trump hätten eine Dreiviertelstunde gesprochen und vereinbart, im Kampf gegen den IS in den syrischen Städten Al Bab und Raqqa gemeinsam vorzugehen. Erdogan habe zudem darauf hingewiesen, wie wichtig der Kampf gegen die kurdische Terrororganisation PKK sei, weshalb die Vereinigten Staaten nicht deren Ableger in Syrien unterstützen sollten. Trumps Antwort darauf wurde nicht überliefert. Dafür hieß es, der neue CIA-Chef Mike Pompeo werde auf seiner ersten Auslandsreise am Donnerstag in der Türkei erwartet. Die Gesprächsthemen unter anderem: Syrien und der Kampf gegen die Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen, die laut offizieller türkischer Diktion ein „Terrornetzwerk“ und für den Putschversuch von 2016 verantwortlich ist.

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