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Türkei : Tote bei Anschlag auf Militärbus in Istanbul

Bild: reuters

Bei einem tödlichen Bombenanschlag auf einen Armeebus in einem Außenbezirk von Istanbul sind mindestens fünf Personen ums Leben gekommen. Die kurdische PKK hatte unlängst gedroht, ihre Angriffe auf türkische Städte und Touristengebiete auszuweiten.

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          Mit einem tödlichen Bombenanschlag auf einen Armeebus in einem Außenbezirk von Istanbul hat die Welle der Gewalt in der Türkei am Dienstag auch die Städte erreicht. Bei dem Anschlag kamen mindestens fünf Personen ums Leben. Nach ersten Informationen wurde die Explosion per Fernzündung ausgelöst. Unter den Opfern soll sich auch die Tochter eines Offiziers befinden.

          Michael Martens
          (tens.), Korrespondent/in

          Wenige Stunden nach dem Anschlag trat eine kurdische Untergrundgruppe namens „Freiheitsfalken Kurdistans“ an die Öffentlichkeit und behauptete, ihre Kämpfer seien die Drahtzieher des Anschlags. Die Tat solle Angriffe der türkischen Armee und „einen ungerechten Krieg gegen die Kurden“ sühnen. Künftig werde es noch größere Angriffe geben, kündigte die Gruppierung an. Die „Freiheitsfalken“ werden dem Umfeld der kurdischen PKK zugeordnet, die nicht nur von der Türkei, sondern auch von den Vereinigten Staaten und der EU als Terrororganisation eingestuft wird.

          Erdogan: Wir werden unsere Landsleute noch einmal enttäuschen“

          Wie schon nach dem Überfall auf einen Außenposten der türkischen Armee am Wochenende warnte der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan die PKK, dass sie „mit solchen Angriffen“ nichts erreichen werde. Zudem kündigte Erdogan an, die Regierung werde ihre Politik zur Besserstellung der Kurden in der Türkei fortsetzen. Die PKK sei eine Terrororganisation und stehe nicht stellvertretend für die kurdische Bevölkerung. „Wir werden unsere (kurdischen) Landsleute nicht noch einmal enttäuschen“, wurde Erdogan zitiert.

          Forderungen von Politikern der nationalistischen Oppositionspartei MHP, im kurdisch dominierten Südosten das Kriegsrecht zu verhängen, will die Regierung offenbar keinesfalls nachkommen. Sogar der Generalstabschef der türkischen Armee, Basbug, hatte sich nach einem Krisentreffen mit Erdogan und Staatspräsident Gül am Montag gegen eine solche Maßnahme ausgesprochen.

          PKK spricht von einem neuen Krieg

          Die PKK hatte unlängst gedroht, ihre Angriffe auf türkische Städte und Touristengebiete auszuweiten. Die jüngsten Anschläge und Überfälle erinnern an eine Ankündigung, die der auf der Gefängnisinsel Imrali inhaftierte PKK-Führer Abdullah Öcalan Mitte Mai gemacht haben soll. Vor fünf Wochen teilten Öcalans Anwälte mit, dieser habe von der Möglichkeit eines „neuen Krieges“ gesprochen und gewarnt: „Sollte sich ein solcher Krieg entfalten, wird er nicht nur in den Bergen ausgetragen werden, sondern auch Einfluss auf die Städte haben. Er kann zu städtischen Aufständen führen. In großen Städten kann es zu Massakern kommen.“

          Seit Mitte Mai steigt die Zahl von Anschlägen und Überfällen der PKK auf Armeekonvois. Die Zeitung „Hürriyet“ berichtete, in den vergangenen zwei Monaten seien 37 Soldaten getötet und mehr als 60 verwundet worden. In der vergangenen Woche waren türkische Truppen im Kampf gegen Freischärler der PKK erstmals seit zwei Jahren wieder in den Nordirak vorgedrungen. Bei dem Militäreinsatz wurden nach Armeeangaben mehrere PKK-Kämpfer getötet und Rückzugsorte der Gruppierung zerstört.

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