https://www.faz.net/-gpf-9s1fr

Erdogan auf Twitter : Türkei startet Offensive in Nordsyrien

  • Aktualisiert am

Türkische und amerikanische Panzerfahrzeuge patrouillieren am 4. Oktober bei der gemeinsamen Bodenpatrouille in der sogenannten Sicherheitszone auf der syrischen Seite der Grenze zur Türkei. Bild: dpa

Die türkischen Streitkräfte beginnen mit Tausenden Kämpfern ihre Militäroperation in Nordsyrien. Die kurdische Autonomieregion Rojava ruft die Generalmobilmachung aus.

          3 Min.

          Die türkische Offensive zur Einrichtung einer „Sicherheitszone“ in Nordsyrien hat begonnen. Ein Vertreter der türkischen Sicherheitskräfte sagte, man gehe mit Luftangriffen und Artillerie vor. Stellungen und Munitionslager der die kurdischen  Volksverteidigungseinheiten (YPG) würden mit Haubitzen beschossen. Der Sender CNN Türk berichtete, die syrische Grenzstadt Ras al-Ain sei von schweren Explosionen erschüttert worden. Flugzeuglärm sei zu hören. Rauch steige auf. Das von der YPG angeführte Rebellenbündnis SDF forderte die Vereinigten Staaten auf, eine Flugverbotszone einzurichten, um die türkischen Angriffe im Nordosten Syriens zu stoppen.

          Zuvor hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan den Beginn eines neuen Militäreinsatzes gegen die YPG. Die  „Operation Friedensquelle“ gegen die YPG und die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) habe begonnen, bestätigte Erdogan am Mittwoch auf Twitter. „Unsere Streitkräfte haben zusammen mit der syrischen nationalen Armee im Norden Syriens die Operation Quelle des Friedens gegen die Terrororganisationen PKK/YPG und DEAS begonnen“, schrieb er. Die Türkei sieht in ihr einen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und begreift die Angehörigen der Miliz als Terroristen.

          Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte da bereits unter Berufung auf einen nicht genannten Vertreter der türkischen Regierung berichtet, dass erste Einheiten der türkischen Armee an zwei Orten die Grenze zu Syrien bereits überschritten hätten. Es handelt sich um die Orte Ras al-Ain und Tall Abyad, die 120 Kilometer entfernt liegen.

          Einen weiteren Hinweis darauf, dass der Beginn der Operation unmittelbar bevorsteht, hatte am Mittwochmorgen der Kommunikationsdirektor des türkischen Präsidenten, Fahrettin Altun, gegeben. Er hatte auf Twitter geschrieben, in Kürze würden türkische Einheiten gemeinsam mit der Freien Syrischen Armee die Grenze überqueren. Türkische Medien berichteten am Mittwoch, es handle sich um 14.000 arabische und kurdische Kämpfer.

          Am Dienstag hatte das Parlament zu der Operation die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen, indem es die Ermächtigung für die türkische Armee zu grenzüberschreitenden Operationen um ein Jahr verlängert hat.

          Die Verwaltung der kurdischen Autonomieregion Rojava in Nordsyrien hatte am Mittwoch die Zivilisten bereits zur Generalmobilmachung aufgerufen. Alle Zivilisten sollten sich an die Grenze zur Türkei begeben, um Widerstand zu leisten, hieß es in der Erklärung. Kurden weltweit wurden aufgefordert, gegen die Offensive zu demonstrieren.

          Ob sich im kurdischen Gebiet im Norden Syriens noch amerikanischen Soldaten befinden, ist zur Stunde unklar. Aus den Vereinigten Staaten hatte es diese Woche widersprüchliche Signale gegeben. Die amerikanische Regierung hatte am Montag im Morgengrauen zunächst ihre Truppen aus der Grenzregion abgezogen. In einer überraschenden Erklärung aus dem Weißen Haus signalisierte sie, dass sie sich einer Offensive nicht mehr in den Weg stellen wolle.

          Nach scharfen Protesten auch aus den eigenen Reihen vollzog Präsident Donald Trump jedoch teilweise eine Kehrtwende und drohte der Türkei, dass jede „ungezwungene oder unnötige“ Kampfhandlung für ihre Wirtschaft und Währung „verheerend“ werde. Am Dienstag hatte er gesagt, die Vereinigten Staaten hätten die Kurden nicht im Stich gelassen und unterstützten sie weiter finanziell und mit Waffen.

          Die von der YPG angeführten Syrisch-Demokratischen Kräfte (SDF) waren im Kampf gegen den IS lange ein enger Verbündeter der Vereinigten Staaten. Ihre Truppen gingen in Syrien am Boden gegen die Terroristen vor und konnten dabei wichtige Gebiete im Norden und Osten Syriens einnehmen.

          Die Türkei will die Kurdenmilizen aus der Grenzregion vertreiben und dort in einer sogenannten „Sicherheitszone“ syrische Flüchtlinge ansiedeln, die derzeit in der Türkei und Europa leben. Die Türkei hat seit Beginn des Bürgerkrieges im Nachbarland Syrien rund 3,6 Millionen Flüchtlinge aufgenommen. Mittlerweile kippt aber die anfangs von vielen gelebte Willkommenskultur, unter anderem wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage im Land.

          EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat die Türkei derweil aufgefordert, den Militäreinsatz gegen kurdische Milizen in Nordsyrien zu stoppen. „Ich fordere die Türkei und andere Akteure auf, mit Zurückhaltung zu handeln und den bereits gestarteten Einsatz zu stoppen“, sagte der Luxemburger am Mittwoch im Brüsseler EU-Parlament. Sollten die Pläne der Türkei die Einrichtung einer „Sicherheitszone“ beinhalten, werde die EU sich daran finanziell nicht beteiligen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Historischer Altbau oder doch die Hochhauswohnung? Was sich die Deutschen leisten können, hängt nicht nur von der Region ab, sondern kann auch je nach Stadtviertel stark variieren.

          F.A.Z. exklusiv : So teuer ist Wohnen in Deutschland

          Eine Bude in München oder doch lieber das große Traumhaus in Thüringen? Der F.A.Z. liegen exklusiv Zahlen vor, die belegen, wie groß die Preisunterschiede zwischen Städten, Regionen und sogar Stadtteilen tatsächlich sind.

          Bei Auftritt in Iowa : Joe Biden beschimpft Wähler

          Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Iowa beschimpft Joe Biden einen 83 Jahre alten Mann als Lügner, weil der ihn wegen der Ukraine-Affäre kritisiert: „Ich wusste, dass Sie mich nicht wählen werden, Mann, Sie sind zu alt.“

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.