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Medienberichte : Türkei sperrt auch Youtube

Aus der Türkei nicht mehr zu erreichen - das Videoportal Youtube Bild: dpa

In der Türkei ist der Zugang zu Youtube gesperrt worden. Dort soll zuvor ein abgehörtes Gespräch veröffentlicht worden sein, das Ministerpräsident Erdogan in Bedrängnis bringt.

          Gedroht hatte der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan schon häufiger damit, seit Donnerstag ist seine Drohung nun Tatsache: Nach dem Kurznachrichtenforum Twitter hat die türkische Regierung drei Tage vor der Kommunalwahl auch die Videoplattform Youtube sperren lassen.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Laut unbestätigten Berichten war auf Youtube zuvor eine Tonaufnahme hochgeladen worden, auf der zu hören sein soll, wie der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu, Geheimdienstchef Hakan Fidan sowie ein General über die Möglichkeit einer türkischen Militärintervention in Syrien und die in diesem Falle zu erwartenden Reaktionen der Weltöffentlichkeit diskutieren. Als das Gespräch auf die Frage kommt, wie eine solche Militäroperation in Syrien zu rechtfertigen sei, sagt ein Mann, angeblich Geheimdienstchef Fidan: „Eine Rechtfertigung kann geschaffen werden. Es geht darum, den Willen (zu einer Intervention) zu schaffen.“ Kurz nach dem Erscheinen dieses Mitschnitts sei die Plattform in der Türkei gesperrt worden, berichteten türkische Medien.

          Die Authentizität dieser Darstellung und des Tonmitschnitts ließ sich zunächst nicht prüfen. Tatsache war aber, dass sich Youtube von Rechnern in der Türkei aus nicht öffnen ließ, während das noch am Vortag möglich war. Erdogan hatte auf Wahlkampfveranstaltungen in den vergangenen Tagen mehrfach gesagt, dass seine Regierung außer Twitter womöglich auch Facebook und Youtube verbieten werde. Laut offizieller Darstellung Ankaras missbrauchen Gegner der Türkei die sozialen Medien, um dem Land zu schaden und einen Sturz der Regierung einzufädeln.

          Über Twitter und ähnliche Plattformen waren in den vergangenen Wochen zahlreiche abgehörte Telefongespräche in die Öffentlichkeit gelangt, die Korruption von Erdogan und seinen Ministern dokumentierten. Die Authentizität dieser Aufnahmen ist zwar umstritten, in einigen Fällen hat Erdogan jedoch ihre Echtheit eingestanden.

          Laut türkischen Medienberichten wurde die Youtube-Sperrung durch die von einem engen Gefolgsmann Erdogans geführte türkische Telekommunikationsbehörde veranlasst. Nach einer Verschärfung des Internetgesetzes durch die AKP darf diese Behörde Internetseiten auch ohne Gerichtsbeschluss aus eigenem Ermessen blockieren lassen. Youtube war in der Türkei bereits vor einigen Jahren längere Zeit gesperrt, damals wegen eines Videos, in dem der türkische Staatsgründer Atatürk als Homosexueller dargestellt wurde.

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