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Türkei gegen Kurden : Der nächste Schlag?

Ihr Einsatz ist wohl noch nicht beendet: Türkische Soldaten auf einem Panzer in Afrin in Nordsyrien Bild: dpa

Die Kurden aus der nordsyrischen Provinz Afrin sind bereits auf dem Rückzug. Doch das türkische Militär will weiter in die Kurdengebiete vorstoßen. Auch der irakische Distrikt Sindschar ist im Blickpunkt.

          Kurz nach der Eroberung der fast nur von Kurden bewohnten Provinz Afrin im Nordwesten Syriens hat die Türkei offenbar auch die Vertreibung der kurdischen Terrorbande PKK aus dem Gebiet Sindschar im Nordosten Iraks durchsetzen können. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte bereits am Sonntag mitgeteilt: „Wir haben gesagt, dass wir nach Sindschar gehen. Nun ist die Operation dort gestartet.“ Es gelte, „Terroristen innerhalb und außerhalb der Türkei zu bekämpfen“, sagte Erdogan. Diese Formulierung, die der Präsident nicht weiter ausführte, konnte die Erwartung aufkommen lassen, die Türkei wolle den von ihr selbst als „Operation Olivenzweig“ bezeichneten Feldzug in Syrien auf den Irak ausdehnen, doch am Montag traten die irakische Armee und die PKK diesem Eindruck entgegen. Demnach ist das irakische Militär in die Region Sindschar eingerückt, und zwar laut kurdischer Darstellung nach Verhandlungen mit der PKK über deren freiwilligen Abzug. Von einer türkischen Offensive sei hingegen nichts bekannt, hieß es aus dem Verteidigungsministerium in Bagdad.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Die PKK hatte im Sommer 2014 die Kontrolle in Sindschar übernommen. Im August 2014 hatte die Terrorbande „Islamischer Staat“ (IS) nach der Eroberung Mossuls und dem weiteren Vormarsch im Irak Tausende Angehörige der religiösen Minderheit der Jesiden eingekreist und in das Sindschar-Gebirge getrieben. Es gelang der PKK und ihrer syrischen Schwesterorganisation, den „Volksschutzeinheiten“ (YPG), dann jedoch, einen Korridor freizukämpfen, durch den viele Jesiden fliehen konnten. Die irakische Armee und die kurdischen Peschmerga, die bewaffneten Einheiten des damaligen Präsidenten der nordirakischen Kurden Massud Barzani, hatten vor den herannahenden Islamisten dagegen die Flucht ergriffen. In der Folge setzte sich die PKK in der Region fest und bildete bewaffnete jesidische Milizen zur Selbstverteidigung aus.

          Das stieß nicht nur in Ankara, sondern auch in der irakischen Kurdenhauptstadt Arbil auf Misstrauen, denn außer von der kurdisch-türkischen Feindschaft ist die Region auch durch einen innerkurdischen Antagonismus geprägt. Das zeigt sich in der Feindschaft zwischen den konservativen irakischen Kurden um den irakischen Barzani-Clan und den einer formal „linken“ Ideologie folgenden Anhängern der PKK. Diese innerkurdische Feindschaft ging so weit, dass sich Barzani mehrfach mit der Türkei gegen die PKK verbündete. Allerdings fiel auch Barzani in Ankara in Ungnade, nachdem er trotz türkischer Drohungen auf der Abhaltung eines Unabhängigkeitsreferendums bestand.

          Nachdem die Türkei Afrin militärisch einstweilen unter Kontrolle gebracht hat und Sindschar als Rückzugsraum für PKK und YPG ausgefallen ist, sind die kurdischen Freischärler auf ein Gebiet im Osten Nordsyriens beschränkt, das zwei Kantone mit den Hauptorten Qamischli und Kobane sowie ein Gebiet westlich des Flusses Euphrat mit der Stadt Manbidsch umfasst. Dass die Türkei neben Manbidsch auch Sindschar der Kontrolle der PKK und ihrer Ableger entziehen wolle, hatte Erdogan schon im vergangenen Jahr deutlich gemacht. So drohte er, wenn der Irak das „Problem“ in Sindschar nicht selbst löse, werde sich die Türkei darum kümmern. Im Januar, wenige Tage nach Beginn des Einmarsches der Türkei in Syrien, behauptete dann der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu, man sei mit Bagdad im Gespräch über eine „gemeinsame Operation“ gegen die PKK in Sindschar. Der Irak selbst habe das vorgeschlagen, sagte Cavusoglu nach Gesprächen in Bagdad mit dem irakischen Ministerpräsidenten Haidar al Abadi. Als der türkische Generalstabschef Hulusi Akar dann im Februar Gespräche mit seinem irakischen Gegenpart führte, wurde dies von türkischen Beobachtern als Teil der Planungen für einen gemeinsamen Feldzug interpretiert, doch so kam es nicht. Bagdad machte deutlich, dass es kein türkisches Militär im Irak wolle.

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